Kolbermoor – Ganz still ist am Dreifaltigkeitssonntag mit Bernhard Hammerschmid ein Bürger gestorben, der wie nur noch wenige verbliebene Kolbermoorer eine besondere Generation verkörperte. Geschätzt und bis über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt war Hammerschmid als Inhaber des Käse- und Feinkostgeschäftes in der Rosenheimer Straße, und einige seiner ehemaligen Kunden befanden sich auch in der Trauergemeinschaft, die zum Requiem in der Stadtpfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit versammelt waren.
Stadtpfarrer Maurus Scheurenbrand würdigte den Verstorbenen in einer überaus persönlichen Ansprache als eine Kolbermoorer „Institution“, und tatsächlich gehörte Hammerschmid mit seinem Laden, im stets tadellosen weißen Kittel und als ein wahrer Gentleman der alten Schule, beinahe schon zum Stadtbild.
Geboren in der Nähe des Ammersees in der Heiligen Nacht des Jahres 1929, zog Bernhard Hammerschmid mit seinen Eltern alsbald nach Kolbermoor, wo diese ein Milchgeschäft gepachtet hatten. Der Vater, der die Milch noch von Haus zu Haus ausfuhr, ist auch heute noch einigen Alteingesessenen in guter Erinnerung. Nach den glücklich überstandenen Kriegsjahren absolvierte Hammerschmid eine Lehre in einer Aiblinger Molkerei und parallel dazu eine Buchhalterausbildung, um schließlich das elterliche Geschäft zu übernehmen.
In den 70er-Jahren erfüllte sich schließlich der Traum vom eigenen Laden, der fortan Hammerschmids Ein und Alles war. Geschätzt wurde das Geschäft nicht nur wegen der hervorragenden Auswahl an feinen Käsesorten aus aller Welt, sondern auch als Treffpunkt und Gelegenheit für einen kleinen „Ratsch“ beim Einkauf. Viele Kunden aus nah und fern schätzten die persönliche Bedienung und Beratung inklusive kleiner Kostproben. Bis ins hohe Alter führte Hammerschmid Geschäft und Buchhaltung selbst, ehe er es vor knapp einem Jahr aus gesundheitlichen Gründen schließen musste.
Auch wenn Bernhard Hammerschmid seinen wohlverdienten Ruhestand gemeinsam mit seiner Ehefrau Erna, seiner Tochter Erna und seinem Enkel Benjamin nun nur noch kurze Zeit lang genießen konnte, blickte er dennoch gerne auf ein erfülltes Leben zurück, in dem neben seinem Laden vor allem das Wandern und Fotografieren wichtige Hobbys gewesen waren. sel