Kolbermoor – Die Werke der kleinen Ausstellung im Foyer des Rathauses stammen dabei alle von Studenten der Universität von Göteborg in Schweden, die von diesen im Rahmen ihres Studiengangs „Metallgestaltung und Kunsthandwerk“ angefertigt wurden. In seinem Grußwort betonte Bürgermeister Peter Kloo die Anstrengungen, die bereits im Vorfeld unternommen worden waren, um die handgefertigten Unikate durch halb Europa nach Kolbermoor zu verfrachten. Er dankte den Verantwortlichen für die Organisation der „Nordland-Studien“ – so der Titel der Ausstellung.
Eigens zur Eröffnung war der Göteborger Lehrstuhlinhaber Professor Heiner Zimmermann angereist, der den Besuchern im Anschluss die Werke seiner Schützlinge erläuterte. Die inselförmig angeordneten Stücke, die von Studenten aller Semester angefertigt wurden, bilden dabei ein Spiegelbild vieler verschiedener Kunstrichtungen und Stile ab. Von puristischen Anfangsarbeiten und Studien der Erstsemester über fließende Skulpturen bis hin zu anspruchsvollen geomorphologischen Studien oder gar „klingenden Symbiosen“ aus Musik und Metall bildet die Ausstellung mit verhältnismäßig wenigen Kunstwerken das große Spektrum der Metallkunst ab, die an der Universität beheimatet ist.
Beeindruckt zeigten sich die Besucher insbesondere über das hohe Niveau, das bereits die Arbeiten der Studienanfänger zeigen und das sich zu den höheren Semestern hin noch einmal deutlich steigert. Begründet liegt diese Entwicklung wohl nicht zuletzt in der Philosophie der Hochschule, die im Gegensatz zu vielen anderen künstlerischen Studiengängen die handwerkliche Praxis im Vergleich zur Theorie deutlich aufwertet. „Bei uns machen die Studenten ihre Ideen“, benennt Zimmermann, der selbst gelernter Schmied ist, das Motto der Ausbildung in Göteborg. Willkommen sind in diesem Studiengang dabei nicht nur ausgebildete Handwerker, sondern auch Berufseinsteiger ohne spezielle Vorkenntnisse.
Die jungen Künstler bilden eine international bunt zusammengewürfelte Gruppe, so sind alleine auf der Ausstellung in Kolbermoor Österreicher, Schotten, Samen, Finnen und viele weitere Nationalitäten vertreten. Dass die Kunstwerke trotz der nur kleinen angebrachten Namensschildchen für den außenstehenden Betrachter nicht anonym bleiben, dafür sorgt ein ganz besonderes technisches Feature: Bereits vorab hatte jeder Student eine kleine Erläuterung seines Kunstwerkes in Form eines Filmes vorbereitet, der mit Hilfe eines QR-Codes, der sich an jedem Ausstellungsstück befindet, abgerufen werden kann. So kann sich jeder Besucher mit Hilfe eines internetfähigen Smartphones in wenigen Sekunden jedes beliebige Werk vom Künstler persönlich erklären lassen – am einfachsten funktioniert dies über das kostenlos zugängliche W-Lan im Rathaus.
Einen Gewinn bedeutet die Ausstellung, die noch bis 2. September zu den Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden kann, aber nicht nur für den kunstinteressierten Besucher, sondern auch für die Studentinnen und Studenten im fernen Schweden. Für die jungen Künstler, von denen einige auch an der Biennale teilnehmen werden, ist dies eine einfache und doch prestigeträchtige Möglichkeit, ihre im „geschützten Klima“ der Ausbildungsstätte entstandenen Werke einem internationalen Fachpublikum zu präsentieren.