Kolbermoor– Es passte an diesem Vormittag wirklich alles. Die Sommersonne strahlte vom wolkenlosen Himmel und die Begeisterung des Baumexperten Halder für sein erklärtes Hobby „heimische und exotische Bäume“ sprang auf die zahlreichen geländegängigen Teilnehmer über. Die dreistündige Tour durch Kolbermoor startete vor dem Alten Rathaus, führte entlang der Rosenheimer Straße zum Neuen Rathaus und den dahinterliegenden Parkbäumen.
Zweimal im
Jahr Kontrolle
Weiter ging es auf den Pfaden des Alten Friedhofs und flotten Schrittes auf dem „Schwarzen Weg“ entlang der Mangfall bis hin zum Spinnereipark. Von dort zurück zum Maibaum in der Stadtmitte, mit einem kleinen Schwenk zum König-Ludwig-Denkmal und dem Parkplatz an den Bahngleisen. Doch schon am ersten Halt, dem Bergmannplatz, wartete Jürgen Halder mit der interessanten Geschichte der inzwischen entnommenen Weide auf, erläuterte die Probleme, die sich bei den zweimal im Jahr durchgeführten Baumkontrollen ergaben, und die zur Fällung des Baumes führten. Statt der imposanten Weide ziert nun ein robuster „Tulpenbaum“ die kleine Grünfläche. Überhaupt, so erläuterte der Gartenexperte Halder, sei die auf Dauer höhere Widerstandsfähigkeit der „exotischen“ Baumarten gegenüber dem innerstädtischen Straßenverkehr und Emissionen ausschlaggebend bei der Auswahl neuer Baumpflanzungen. Schon vor 20 Jahren entschied der Stadtrat, die „Baumhasel“ an der Rosenheimer Straße nach und nach durch den „Ginkgo“ zu ersetzen. Ein Kronenansatz ab einer Höhe von etwa vier Metern, unter den auch Lastwagen bequem hindurch passen, lichtes Laub, um die auf dieser Höhe befindlichen Wohnungen nicht zu sehr zu beschatten, und der sparsame Wasserverbrauch machten so den botanisch zu den Nadelhölzern zählenden „Ginkgo“ zum idealen Stadtbaum. Einheimische Bäume findet man somit eher außerhalb der Stadtmitte, so Halder weiter. Als nicht ganz so glückliche Wahl der Architekten bezeichnete Halder die äußerst empfindlichen „Akazien“ auf dem neu gestalteten Rathausvorplatz. Als robust und geeignet für den Standort erklärte er hingegen die alte Rotbuche, die Esche und den neu eingesetzten „Kuchenbaum“ (die herbstlichen Blätter duften nach Gebäck) im kleinen Park neben dem Parkhaus. Die „Lindenbäume“ am Werkkanal rückte der Baumexperte ebenso wie die „Kugelakazien“ an der Aussegnungskapelle und die „Akazienallee“ ins rechte Licht, und wusste auch diese, wie all die anderen Bäume, mit ihrem lateinischen Namen zu bezeichnen. Am frisch angelegten Danielspark zeigte sich dann erneut die Experimentierfreude Halders. In Dachform geschnittene „Platanen“ werden in kurzer Zeit einen Tunnel bilden und den Bocciaplatz beschatten. Ansprechend umrahmt von „Trompetenbäumen“ mit ihren zigarrenartigen Früchten lädt auch der sogenannte „Taschentuchbaum“, der seinen Namen von der Form seiner Blüten erhalten hat, und zu dem Halder ebenfalls eine nette Anekdote beisteuerte, zum Verweilen ein (wir berichteten).
Begeistert vom
Spinnereipark
Als schönsten Ort Kolbermoors bezeichnete der Stadtgartenmeister jedoch den Spinnereipark. Davon konnte sich auch die ebenfalls anwesende Vorstandschaft des Gartenbauvereins ausgiebig überzeugen.
Da viele der alten Bäume nicht mehr verkehrssicher waren und entnommen werden mussten, konnte sich Halder, was die Wahl der Bäume betraf, so richtig austoben. Auch am König Ludwig Denkmal („Trompeten-, Lampion- und Blauglockenbaum“) und entlang der Bahngleise mit einer „Scharlachkastanienallee“ wagte Halder Neues, frei nach seinem Motto „Ich probier`s mal aus“. Es gibt also viele Gründe, beim nächsten Spaziergang durch die Mangfallstadt den Blick von der Straße mal nach oben zu richten, zu einer Auswahl an Baumarten, die innerstädtisch wohl einzigartig ist.