INfomarkt Planungen Brenner-Nordzulauf im Mareissaal

Im Wechselbad der Gefühle

von Redaktion

Im Wechselbad der Gefühle befanden sich viele Kolbermoorer Bürger beim Infomarkt der DB Netze zum Brenner-Nordzulauf. In der Diskussion schlugen die Emotionen hoch: Mögliche Trassenanlieger riefen vehement zum Widerstand auf, andere lobten das Angebot zum konkreten Gespräch mit dem Projektteam.

Kolbermoor – Im Fokus stand besonders DB-Projektleiter Torsten Gruber, der wieder und wieder betonte, dass es sich bei den vorgestellten Entwurfstrassen um Grobplanungen handle. Diese Planungen müssten in der nächsten Phase verfeinert werden. Mitglieder der Gemeindeforen könnten im Laufe des Dialogs weitere Trassenideen einbringen.

Wie berichtet, planen DB und ÖBB auf Basis des österreichischen Rahmenplans und im Auftrag des deutschen Bundesverkehrsministeriums eine zweigleisige Neubaustrecke, die für den Güter- und Personenfernverkehr ausgelegt ist – auf bis zu 400 Züge in beiden Richtungen.

Vor der großen Ansichtstafel mit den etwaigen Trassenverläufen bildeten sich Menschentrauben. Die drei vorgestellten Grobtrassen durch die Stadt Kolbermoor wurden heftig diskutiert: Variante Kolbermoor West durch die Aiblinger Au, Variante Tunnel Kolbermoor und Variante Kolbermoor Ost entlang der Westtangente. Mögliche Trassenanlieger verfielen entweder in verzweifeltes Schweigen oder gerieten in Rage.

Der intensive Gesprächsaustausch sei gewünscht, so Torsten Gruber. Der Trassenfindungsprozess, der sich an einem Kriterienkatalog und den sogenannten Raumwiderständen orientiere – gemeint sind Siedlungen und Naturschutzgebiete und die Räume dazwischen – soll möglichst transparent und bürgernah verlaufen.

Gruber: „Wir erwarten, dass viele Ängste und Sorgen weichen werden, weil wir nun – ganz anders als bisher – sehr konkret über die einzelnen Bereiche sprechen können.“

Und tatsächlich bestimmten Ängste und Sorgen die Wortbeiträge. So dürfe etwa nicht die letzte grüne Lunge im Westen Kolbermoors der Trasse geopfert werden, es werde bei den Planungen keine Rücksicht auf Mensch, Natur, Tiere genommen, die Westtangente reicht – so nur einige der Bürgerbeiträge. In manchen Gruppen ging die Angst vor „kalter Enteignung“ um, Haus und Hof seien in großer Gefahr.

Beim Infomarkt waren aber nicht nur Vertreter der DB und ÖBB anwesend, auch die Stadt Kolbermoor selbst positionierte sich. Direkt am Saaleingang verteilten Mitglieder der neu gegründeten Bürgerinitiative in Kolbermoor, die sich als Interessenvertretung der Bürger der Stadt Kolbermoor in Belangen des Brenner-Nordzulaufs sieht, Beitrittserklärungen.

Wie berichtet wird die Bürgerinitiative ja vom Stadtrat Kolbermoor unterstützt und soll den Trassenfindungsprozess „konstruktiv und kritisch begleiten“. Gefordert wird unter anderem eine belastbare Bedarfshochrechnung für 2050.

Die Folgen des Baus und der Nutzung müssten minimal invasiv hinsichtlich des Flächenverbrauchs, des Lärms und möglicher Einschränkungen für Mensch und Natur sein.

Wie ergebnisoffen die derzeitige Planung ist, unterstrich Projektleiter Gruber im Bürgerdialog mehrmals: „Möglicherweise kommt am Ende eine Trasse heraus, die heute noch gar nicht als Idee existiert.“

Trotz aller Transparenz: Wurden die Veranstalter auch von gewisser Sorge hinsichtlich eventuell aggressiver Trassengegner getrieben? Schließlich schlenderten Mitarbeiter der DB-Sicherheit in voller Montur von Zeit zu Zeit durch den Saal. Dazu gestern DB-Pressesprecher Franz Lindemair gestern im Gespräch mit unserer Zeitung: „Diese Verstaltungen sind ja offen für alle. Es könnte also auch zu einer Überfüllung eines Saales kommen. Und dann kommen sehr schnell feuerpolizeiliche und andere Sicherheitsbedenken auf. Da ist es besser, wenn uniformierte Sicherheitsmitarbeiter Zugänge freihalten können.“

Zeitschiene bis 2020

Kolbermoor – Nach Kufstein war die Stadt Kolbermoor die zweite Anlaufstelle für den sogenannten Infomarkt, der der Bevölkerung zum intensiven Austausch über die ersten Grobtrassenentwürfe dienen soll. Im Juni und Juli sind insgesamt 15 Informationsveranstaltungen in den Gemeinden geplanten, in denen das Planungsteam für Erklärungen und Fragen zur Verfügung steht. Bis Ende 2018 werden die Grobtrassenentwürfe gegebenenfalls durch weitere Vorschläge aus den Foren und der Region ergänzt. Ab 2019 soll die Diskussion, Optimierung und Auswahl geeigneter Varianten erfolgen sowie die Einleiung des Raumordnungserfahrens. 2020 soll die Trassenempfehlung vorliegen.

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