BrennerbasisTunnel besichtigt

Tief unten

von Redaktion

Ein Projekt der Superlative stand im Mittelpunkt der Kolbermoorer Städtefahrt: der Brennerbasistunnel. In Ahrental bei Innsbruck machten sich die Kolbermoorer auf in die Tiefe – und befanden sich mitten im Geschehen.

Kolbermoor – Mit dem Brennerbasistunnel wird derzeit an der längsten unterirdischen Eisenbahnverbindung der Welt gearbeitet. Die Distanz zwischen Innsbruck nach Franzensfeste beträgt 55 Kilometer; rechnet man die bereits bestehende Eisenbahnumfahrung Innsbruck dazu, ist der Alpendurchstich 64 Kilometer lang.

Dies und noch mehr erfuhren die Teilnehmer an der Kolbermoorer Städtefahrt, die sie zur Baustelle Ahrental bei Innsbruck und nach Steinach am Brenner führte.

Der Brennerbasistunnel besteht aus einem komplexen Röhrensystem. In einem Abstand von 70 Metern verlaufen zwei jeweils 8,1 Meter breite Tunnelröhren, durch die der Eisenbahnverkehr zukünftig eingleisig geleitet werden wird. In Abständen von 333 Meter verbindet ein sogenannter Querschlag diese beiden Röhren; dieser dient im Notfall als Fluchtweg. Zwischen den Hauptröhren, jedoch nochmals zwölf Meter tiefer, befindet sich ein durchgehender Erkundungsstollen. Die Vortriebsarbeiten hier geben Aufschluss über die Beschaffenheit des Gebirges. Beim Betrieb des Tunnels dient der Erkundungsstollen dann der Entwässerung. Seinen Scheitel erreicht der Tunnel genau unter dem Brennerpass, und zwar 580 Meter unter der Erdoberfläche. Damit wird auch die Wasserscheide zwischen Österreich und Italien beibehalten. Bis jetzt ist etwa ein Drittel des Bauvolumens abgewickelt; die Bauzeit wird bis etwa 2025 veranschlagt und es wird mit Kosten von rund elf Millionen Euro gerechnet.

Soweit einige Schlaglichter der– sehr interessanten – Theorie, mit der die Kolbermoorer im Besprechungsraum der Büro-Container an der Baustelle Ahrental/Zenzenhof bei Innsbruck begrüßt wurden. Bauloskoordinator Martin Keinprecht gab während eines Vortrags einen Eindruck über die Dimension dieses gewaltigen Projektes.

Er verwies auch auf die auftauchende Problematik: Da das bei Innsbruck anstehende Gestein, der Quarzphyllit, ein Tonglimmerschiefer, nicht anderweitig verwendet oder verwertet werden könne, seien umfangreiche Deponierungsmaßnahmen erforderlich – die immerhin 17 Millionen Kubikmeter ausgebrochenen Gesteins müssten schließlich gelagert werden!

Die Spannung steigerte sich auf der Fahrt untertags: Eingekleidet, mit Schutzhelmen und Sauerstoff-Rettungsgeräten versehen, fuhren die Kolbermoorer Besucher in Kleinbussen in die Tunnelbaustelle ein. Und das bei laufendem Betrieb: Unablässig rollten Lastwagen die Zufahrtswege zur unterirdischen Baustelle mit Gestein beladen hinaus oder mit Beton hinein. Knapp drei Kilometer legen die Fahrzeuge zurück, bis sie über den Zufahrtstunnel überhaupt in den Bereich der Arbeiten gelangen. Eindrucksvoll war es dann für alle Gäste, mitten im Geschehen zu stehen: den Geruch des Flüssigsprengstoffs in der Nase, Baustellenlärm um sich, über 20 Grad warm ist es trotz der Belüftung – und vor allem die Dimensionen: Acht Meter Tunneldurchmesser erscheinen in einer Powerpoint-Präsentation doch ganz anders als im Berg, mit gewaltigen Hohlräumen vor, hinter und über sich. Die verzweigten Tunnelsysteme haben fast jeden um die Orientierung gebracht; alle sind froh über die Führer und Fahrer, die dieses Labyrinth beherrschen. An einem anderen Baustellen-Abschnitt sieht man die bereits armierte und mit Spritzbeton ausgekleidete Tunnelhülle, oder die Sperrschicht aus Plastikfolie, die unter der endgültigen Wandverkleidung angebracht wird.

Drastische Situation

in Steinach

Weiter ging es nach Steinach am Brenner, einem kleinen Dorf im Wipptal, das direkt neben der Brennerautobahn, eigentlich unter den gewaltigen Stelzen der Autobahnbrücken in dem eigentlich schönen Bergtal liegt. Der Bürgermeister von Steinach, Josef Hautz, schilderte engagiert und drastisch die Verkehrssituation in seiner Heimat: Der Lastwagenverkehr habe allein von 2016 auf 2017 um 12,5 Prozent zugenommen, die Motorradfahrer um ein Vielfaches und zu alledem seien in den nächsten Jahren erhebliche Staus zu erwarten, da die inzwischen 50 Jahre alten und enorm belasteten Brücken der Brennerautobahn saniert werden müssten. Sein Fazit ist, dass ein Verkehrsfluss in diesem Ausmaß oberirdisch nicht mehr zu bewältigen sei und das Tunnel-Bauwerk für Bewohner der Gemeinde eine enorme Entlastung darstelle. In der Diskussion sind sich beide Bürgermeisterkollegen, Josef Hautz und Peter Kloo, einig, dass gleichzeitig zum Verkehrswegebau auch die entsprechende Logistik entwickelt werden müsse, damit die Bürger von den Investitionen sowie von der Verkehrsverlagerung auf die Schiene bzw. Untertage schließlich auch profitierten. Josef Hautz appelliert an die Politik und die Bürger, das notwendige Umdenken voranzutreiben. Noch sei Zeit, der Tunnel sei noch nicht fertig, noch könne man Lösungen suchen und finden – doch irgendwann sei es zu spät.

In die gleiche Bresche springt Dr. Dipl.-Ing. Walter Eckbauer, Projektleiter der BBT-SE, im Anschluss an seine Präsentation: „Solange wir alles haben wollen und das möglichst billig, solange wird es Verkehr geben und damit die damit verbundenen Belastungen“. Den weiteren Gedankenaustausch bereicherte der Besuch des Museums ‚Tunnelwelten‘.

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