Kolbermoor – „Ich möchte Mut machen! Ich möchte Danke sagen! Und ich möchte anderen Betroffenen zeigen, dass kaum eine Situation so aussichtslos sein kann, dass man am Ende des Tunnels nicht doch wieder ein Licht erblickt. Und sei der Tunnel auch noch so lang und finster.“ Mit diesen bewegenden Worten stemmt sich Andi Grimm seinem Schicksal entgegen. 2014 bricht der bis dahin überaus aktive junge Mann beim Training für einen Skitouren-Wettkampf zusammen.
Diagnose: Herzmuskelentzündung. Wenig später: Herzstillstand. Die letzte Chance zu überleben, ist ein Spenderherz, das Andi Grimm im Herzzentrum Bad Oeynhausen bekommt. Die OP verläuft gut, doch nach der OP erleidet er sieben Hirninfarkte, davon drei schwere. Grimm wird zum Gefangenen im eigenen Körper: „Ich konnte weder alleine atmen, nicht sprechen und vor allem mich nicht mehr bewegen.“
„Ein absoluter
Alptraum“
Nach insgesamt über drei Monaten in Bad Oeynhausen wurde er schließlich zur Früh-Reha entlassen. Jetzt begann ein neuer Kampf mit der Krankenkasse. Vor seiner Erkrankung war Andi Grimm selbstständig, deshalb bekommt er keine Rente. Er erhält zwar den Pflegegrad 5, damit also 2000 Euro staatliche Unterstützung pro Monat. Doch dieser Betrag reicht bei Weitem nicht aus.
Abgesehen von den bohrenden Existenzängsten, stellt sich aufgrund der Erkrankung eine schwere Depression ein. „Was hatte ich schon alles hinter mir und jetzt lag ich da wie gefesselt mit neuem Herzen. Es hätte grausamer kaum sein können! So fing ich an zu brüllen. Immer wenn ich missverstanden wurde (und das wurde ich oft), wenn ich unmöglich behandelt wurde oder mir sonst was nicht passte, ich habe einfach angefangen zu schreien“, erinnert sich Grimm.
Die Ärzte sprachen mit seiner Frau Tina über Sterbehilfe. Doch ist gerade ihre Liebe und die seines elfjährigen Sohnes Max immer wieder Ansporn, weiterleben zu wollen. Und so haben sie begonnen zu kämpfen, „jeder auf seine Weise“, wie Grimm betont.
Im Frühjahr 2016 wird er in ein Pflegeheim nach Kiefersfelden verlegt. Doch durch die Isolation aufgrund eines multiresistenten Krankenhauskeims und immer wiederkehrender Infekte verbessert sich die Allgemeinsituation nicht.
Im Dezember zieht er um ins Altenheim in Kolbermoor. Einzelzimmer, Isolation folgen – aber auch kleine Therapie-Einheiten und die Möglichkeit zu „Frischluft“-Rollstuhl-Fahrten mit den Besuchern. Die Zustände in der Pflege und die Wohnsituation inmitten vieler alter, teils dementer Mitbewohner sind jedoch psychisch sehr belastend. „Von Anfang an war unser Ziel, dass ich wieder nach Hause komme“, so Andi Grimm – und im Juni dieses Jahres haben er und seine Familie dieses Ziel tatsächlich erreicht. Vor allem aber auch durch die große Unterstützung des „Freundeskreises für Andi“ (www.freundeskreis-andi.de). Ehemalige Heeresbergführer-Kameraden und ihre Familien haben sich zusammengefunden, diese Initiative ins Leben zu rufen. Sie wollen Andi Grimm eine emotionale und materielle Unterstützung in organisierter Form geben. Herbert Willeitner gestern im Gespräch mit unserer Zeitung: „Seine Leidensgeschichte berührt uns nun schon einige Jahre, die finanzielle Situation der Familie wird zunehmend kritischer und so hat sich diese Arbeitsgruppe gebildet.“ Die Freunde, die sich mit ihrer Arbeitsgruppe dem Verein „Kolbermoorer helfen“ unterstellt haben, setzen sich für ein würdiges Lebensumfeld ein – nicht nur durch Eigeninitiative, sondern auch durch Benefizveranstaltungen wie eben das Fußballspiel am morgigen Sonntag. Der gesamte Erlös soll für den Kauf eines behindertengerechten Autos, den schrittweisen behindertengerechten Umbau des Wohnhauses und für die Pflege verwendet werden. Willeitner: „Ich kann nur bitten: Helft Andi und seiner Familie!“