Kolbermoorer Jugendtreff fördert und fordert die Jugendlichen

Selbstständigkeit ist das große Ziel

von Redaktion

Der Kolbermoorer Jugendtreff gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Institutionen in der Stadt. Dennoch sind Arbeitsweise und Organisation der Einrichtung, die Mitte 2014 in die neu erbauten Räumlichkeiten an der Pauline-Thoma-Schule umgezogen ist, bei vielen Bürgern wenig bekannt.

Kolbermoor – Leiter der Einrichtung ist Christian Spatzier; seine Mitstreiter sind Christine Resta und Max Mank. Spatzier selbst beschreibt das Ziel der hauptamtlichen Mitarbeiter, die unter der Trägerschaft der Diakonie mit insgesamt 1,5 Vollzeitstellen eingesetzt werden, mit einem interessanten Satz: „Unser Ziel ist es, uns selbst möglichst überflüssig zu machen.“ Vielmehr solle den Jugendlichen unter Anleitung ermöglicht werden, eine möglichst große Selbstständigkeit in Planung und Durchführung ihrer Freizeitaktivitäten zu erreichen. Im Gegensatz beispielsweise zum schulischen Raum diene der Jugendtreff als Übungsfeld, auf dem in vielen großen und kleinen Projekten persönliche Interessen selbst gestaltet werden können.

Das wöchentliche Programm stützt sich dabei auf verschiedene Säulen, deren größte der sogenannte „Offene Betrieb“ ist. Von Mittwoch bis Samstag können dabei die Räumlichkeiten des Jugendtreffs frei genutzt werden, zur Verfügung steht etwa ein großer Hauptraum mit Kicker- und Billardtischen, eine kleine Küche, ein Musik- und ein Computerraum sowie eine gut bestückte Werkstatt. Ein hauptamtlicher Ansprechpartner steht dabei jederzeit zur Verfügung, ansonsten wird der Betrieb hauptsächlich von den Nutzern selbst organisiert, die nach einer entsprechenden Einweisung etwa die Musikanlage bedienen oder Snacks und Getränke an der kleinen Theke verkaufen.

Besonders reserviert ist der offene Betrieb an Freitagen, an denen zwei Stunden Zehn- bis 14-Jährige Zutritt zum Jugendtreff haben. Das Angebot dieser „Teenie-Time“ richtet sich besonders an diese Altersgruppe und ist stärker durch die Hauptamtlichen, allesamt Sozialpädagogen, organisiert. Insbesondere in dieser Sparte war der Zuspruch nach Aussage von Max Mank besonders groß, wie auch der gesamte Jugendtreff immer besser angenommen wird.

Nicht nur Jugendliche aus Kolbermoor, sondern auch aus den umliegenden Gemeinden zählen inzwischen zu den etwa 40 bis 60, manchmal aber auch über 100 wöchentlichen Besuchern, die sich regelmäßig am offenen Betrieb beteiligen. Hinzu kommen noch die Sonderveranstaltungen, die meist an Samstagen stattfinden. An diesem Tag können die Räume für private Partys oder Projekte für wenig Geld gemietet werden. Besonders beliebt sind derzeit etwa Geburtstags- oder Abschlussfeiern. Das Angebot steht prinzipiell allen Jugendlichen offen, wobei Kolbermoorer Vorrang genießen – „schließlich sind wir primär eine Kolbermoorer Einrichtung“, so Christian Spatzier. Ohnehin sei die Nachfrage so groß, dass meist mit einem Monat Vorlaufzeit geplant werden müsse.

Hinzu kommen noch unregelmäßige Veranstaltungen in Kooperation mit anderen Einrichtungen, etwa die „Rockwerkstatt“, ein Konzert, das gemeinsam mit der Musikschule durchgeführt wurde.

Einhellig gelobt werden von den Gästen des offenen Betriebs wie auch von den „Mietern“ die großzügigen neuen Räumlichkeiten, die ebenfalls in Zusammenarbeit mit den Jugendlichen künstlerisch gestaltet wurden. Christian Spatzier betont dabei das große Engagement der Stadt Kolbermoor, die einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen Umsetzung geleistet habe: „Wir haben hier in Kolbermoor den Ferrari unter den Jugendzentren bekommen.“

Ein ganz besonders wichtiges Standbein des Jugendtreffs ist auch das Konzept der ehrenamtlichen Jugendleiter, die in der regelmäßigen Organisation gleichberechtigt beteiligt sind. Es handelt sich dabei um ein gutes Dutzend engagierter Jugendlicher, die vom Team der Diakonie eigens geschult und zertifiziert wurden und nun zahlreiche Aufgaben in Organisation und Durchführung verschiedenster Projekte übernehmen. Die Jugendleiter erhalten auch einen Hausschlüssel und können an Sonn- und Montagen eigenständige Öffnungen durchführen und das Hausrecht ausüben. Mit diesem Konzept eng verknüpft ist auch das Mitbestimmungsteam, ein Gremium, das von den Nutzern des Jugendtreffs bestimmt wird. Gemeinsam mit den Hauptamtlichen entscheiden die hier vertretenen Jugendlichen in wöchentlichen Sitzungen selbst über Hausregeln, Getränkepreise oder die regelmäßigen Veranstaltungsplanungen.

Ziel der Mitbestimmung ist wiederum die Förderung von selbstständiger Arbeit und der Entwicklung eigener Ideen und Vorgehensweisen. Es können sich auch alle anderen Jugendlichen mit ihren Ideen einbringen und diese im Team verfolgen und verwirklichen. Als derzeit herausragendes Projekt ist so etwa der Calisthenics-Platz im Außenbereich des Jugendtreffs entstanden. Aus einer Anregung im Team heraus und in Kooperation mit verschiedenen anderen Jugendgruppen in der Stadt gründete sich eine lockere Interessensgruppe, die von Max Mank unterstützt wurde und letztlich die Zustimmung im Stadtrat erreichen konnte. Somit wird bald eine kleine Anlage für die Parcours-ähnliche Sportart Calisthenics, die Turnübungen unter Ausnutzung des eigenen Körpergewichts beinhaltet, auf dem Vorplatz des Jugendtreffs zur Schule hin entstehen.

Artikel 7 von 7