Kolbermoor – Mit großer Bestürzung haben insbesondere Sänger und Musiker aus der gesamten Region auf die Nachricht vom Tod Gerd Müllers reagiert. Der Kolbermoorer Kapellmeister und Organist war am vergangenen Donnerstag im Alter von 86 Jahren verstorben. „Wir verabschieden uns heute von einem geschätzten Alt-Kolbermoorer, der Wesentliches zum guten Ruf unserer Stadt beigetragen hat“, so begrüßte Stadtpfarrer Maurus Scheurenbrand die Trauergemeinde in der gut gefüllten Stadtpfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit zu Beginn des Requiems. Der Pfarrer würdigte den Verstorbenen in persönlichen Worten als Wegbereiter des musikalischen Lebens in der Stadt. Seine Liebe zur Musik habe Gerd Müller auch in seinen letzten Lebensjahren, in denen er schon mit Krankheit zu kämpfen hatte, nicht verloren. Bis kurz vor seinem Tod wurde er zu Hause von seiner Frau Anneliese gepflegt, behielt dabei immer seine gesellige und fröhliche Art. Viel bedeutete ihm in dieser Zeit das von Georg Friedrich Händel vertonte Schriftwort „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, das auch den Seelengottesdienst begleitete.
Wie eine Zusammenfassung seines Lebens und Wirkens stand auch die musikalische Gestaltung der Messe, die von den verschiedenen Musikgruppen und Chören übernommen wurde, die mit Gerd Müllers Lebensweg verbunden waren.
Die Dreder Musi, die der Verstorbene über 33 Jahre als Kapellmeister geleitet hatte, war unter Leitung von Roland Merk in großer Besetzung erschienen, eröffnete die Messe und führte später auch den Trauerzug zum Grab an. Durch die vielen Auftritte auf Volksfesten, darunter besonders auf dem Rosenheimer Herbstfest, war die Blaskapelle mit ihrem Kapellmeister überregional bekannt geworden.
Den beiden katholischen Pfarrgemeinden der Stadt war Gerd Müller durch seinen Beruf als Kirchenmusiker besonders verbunden, daher waren auch beide Kirchenchöre unter der Leitung seines Nachfolgers Gerhard Franke erschienen und gestalteten die Messe musikalisch unter anderem mit dem wunderbaren Bach-Choral „Jesus bleibet meine Freude“. Die Sopranistin Dagmar Gareis, eine ehemalige Schülerin Müllers, intonierte zum Abschied Mozarts „Laudate Dominum“ und das „Ave Maria“ von Giulio Caccini und stand damit auch stellvertretend für die musikalische Generation, die durch Gerd Müller gefördert und ausgebildet wurde.
Zum letzten Weg auf dem Friedhof geleiteten den Sarg schließlich die Sängerinnen und Sänger des Gesangsvereines „Concordia“ Kolbermoor, den der Verstorbene im Alter von 18 Jahren übernommen und zu zahlreichen gefeierten Konzerten geführt hatte.
Am Grab erinnerte auch Bürgermeister Peter Kloo an die großen Verdienste Gerd Müllers um seine Heimatstadt, die dieses Engagement im Jahr 1986 mit der Verleihung der Bürgermedaille gewürdigt hatte. Gerd Müllers Sterbeanzeige war überschrieben mit dem Satz: „Man sieht die Sonne langsam untergehen und erschrickt doch, wenn es plötzlich Nacht wird.“
Für Kolbermoors musikalisches Leben sei diese Sonne nun tatsächlich endgültig untergegangen, so Kloo. Das von ihm gelegte Fundament und die Erinnerung an das Wirken des Verstorbenen werden jedoch bleiben.sel