Kolbermoor – Um die eingereichten 13 Arbeiten überhaupt fair vergleichen zu können, hat das Preisgericht zu Beginn der Auswahl Bewertungskriterien festgelegt:
• Übergeordnetes Konzept
• Bahnhofsvorplatz
• Parkdeck
• Verkehrskonzept
• Sonstiges
• Entwicklung
Wie berichtet, hat sich das Preisgericht einstimmig für das Architekturbüro Auer Weber aus München als Sieger ausgesprochen. Vor allem die Grundsatzentscheidung, das Gebäude der St.-Anna-Apotheke zu erhalten, wirke sich deutlich auf die räumliche Organisation des Bahnhofsplatzes aus, so das Gremium in seiner Begründung.
Das Preisgericht verzichtete auf die Vergabe eines zweiten Preises. Es wurden jedoch zwei dritte Preise vergeben.
Insgesamt erfordere der Entwurf der Landschaftsarchitekten und Stadtplaner Lohrer Hochrein aus München, der mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde, deutliche Nachbesserungen westlich des geneigten Parks und im Bahnhofsbereich, damit das vorhandene Potenzial der dargestellten Freiflächen auch aktiviert werden könne, mahnten die Preisrichter an.
Städtebaulich gut integriert werde indes der Fußgängerverkehr durch die Erschließung der Brückenstraße/ Haßlerstraße. Südlich der Bahnlinie im Bereich der Tonwerksunterführung wurde ein landschaftsplanerischer Entwurfsansatz gewählt. Die Größe des Parkhauses wirke im Maximalausbau überdimensioniert und sollte, so die Preisrichter, architektonisch mit der umgebenden Bebauung in Dialog treten. Westlich des Parkhauses sind die Gebäude in Anlehnung an die westlich anschließenden Gebäude ausgebildet, „wirken jedoch wie Platzhalter“, so die Preisrichter.
Als „zu massiv“ wurde das vorgeschlagene Fahrradparkhaus an der St.-Anna-Apotheke gesehen: Es schotte dieses ortsbildprägende Gebäude zum Bahnhof hin ab. Ebenfalls Fragen über Aufenthaltsqualitäten lasse die Darstellung des Bahnhofsplatzes offen, heißt es weiter.
Ebenfalls den dritten Preis erhielt das Architekturbüro Wüstinger in Frasdorf. Auch hier wird der Erhalt der St.-Anna-Apotheke ausdrücklich begrüßt. Der vorgeschlagene Anbau jedoch mit einem eingeschossigen Nebengebäude wirke dagegen „unangebracht“.
Das Preisgericht: „Auch der Anbau an das bestehende Pfallerhaus wirkt ungemessen und überdimensioniert.“
Gut auf die Lage reagierte aber die aufgelockerte Kamm- und Hofstruktur mit polygonalen Baukörpern zwischen der Bahntrasse und der Haßlerstraße.
Auch das in zweiter Reihe gelegen Parkdeck sei gut in die städtebauliche Struktur integriert, waren sich die Preisrichter einig. Als „überdimensioniert“ und an dieser Stelle „nicht angemessen“ erachteten die Preisrichter den vorgeschlagenen Solitärbau für Fahrräder im Bereich des Bahnhofsplatzes.
Insgesamt stelle der Entwurf vor allem unter verkehrsplanerischen Gesichtspunkten einen interessanten Beitrag dar, der jedoch deutliche Defizite bei der Gestaltung der öffentlichen Freiflächen und zum Teil bei den städtebaulichen Setzungen aufweise, betonten die Preisrichter. Anerkennend bewertet wurde die Arbeit der Landschaftsarchitekten Lex Kerfers aus Bockhorn.
Hier fühlten sich die Preisrichter angesprochen von der im Vergleich zu den anderen Arbeiten gegenläufigen Gestaltung des Bahnhofsplatzes.
Mit dem Abbruch des Apothekengebäudes formuliere die Arbeit diesen Platz mit historischem Bahnhofsgebäude und Heimatmuseum als einen Raum, der sich zum einen zur Stadtmitte orientiert, diese in Sichtverbindung setzt und den Ausblick nach Süden auf Kirchturm und Bergpanorama eröffnet und zum anderen in umgekehrter Richtung den Bahnhofsplatz von der Stadtmitte aus erlebbar mache.
Generell stelle die Arbeit nach Ansicht der Preisrichter einen Lösungsansatz der komplexen städtebaulichen und vekehrlichen Situation dar, der allerdings an vielen Stellen – vor allem aber in den Bereichen Parken und Verkehrsführung – verbesserungswürdig sei.
Der erste Preis wurde mit 11700 Euro gewürdigt, die beiden dritten Preise mit jeweils 7150 Euro, die Anerkennung mit 4000 Euro.