Zum Abbruch der Conradty-Villa
Ein Haus von internationaler Bedeutung
Die Conradty-Villa in ganzer Schönheit. Die Aufnahmen entstanden in den 50er-Jahren.
Von „schockiert“ bis „war doch eigentlich ein schönes Haus“ reichen die Beiträge vieler Leser über den Abbruch der Conradty-Villa. Ursl Held hat als kleines Mädchen in der Villa gewohnt – und exklusiv für unsere Zeitung ihr Familienalbum geöffnet.
Kolbermoor – Wie berichtet, soll auf dem Conradty-Areal, bislang Gewerbegebiet, neues Wohnen ermöglicht werden.
Dringend benötigter Wohnraum werde geschaffen, wie Bürgermeister Peter Kloo in in den vergangenen Jahren mehrfach betonte.
Nach Vorstellung der Investorengruppe, der neben den Familien um Sebastian Dexeder und Markus Schiffmann (beide CSU, Futura GmbH) auch Josef Hartinger (Parteifrei) und dessen Bruder Fritz angehört, sollen dort maximal 280 Wohneinheiten entstehen, davon auch sozialer Wohnungsbau. Im Laufe der vergangenen Woche wurde nun mit dem Abbruch der sogenannten Conradty-Villa begonnen. Welchen Stellenwert dieses Areal in der Stadtgeschichte hat, zeigt ein Blick in die Chronik: Schon im Jahr 1916 hat die Firma Conradty mit Hauptsitz in Nürnberg und Werk in Röthenbach, mit dem Bau eines Fabrikationsgebäudes begonnen und im Jahr 1918 die erste große Elektro-Grafitierungsanlage auf dem Kontinent in Betrieb genommen.
Für die Conradty-Produkte stand vor Kriegsbeginn der Weltmarkt offen. Die Hälfte der Fabrikation ging im Jahr 1937 in den Export und das Werk wurde um zwei Hallen erweitert. Die Zahl der Beschäftigten stieg auf 300 Arbeiter.
Mit Ende des Zweiten Weltkriegs waren allen Verbindungen zum Ausland abgebrochen. Die Produktion konnte erst im Frühjahr 1946 wieder aufgenommen werden – mit 40 Arbeiter.
Ende der Vierziger-Jahre hat jedoch wieder der erste Export nach Schweden und dann auch in andere Länder begonnen. Das Werk Kolbermoor war damals der größte Stromabnehmer in Oberbayern.
Die Erinnerungen Ursl Helds an ihre Kindheit in der Conradty-Villa, ihr Vater Otmar Heckel war Betriebsleiter, sind am Verblassen. Nur noch wenige Bilder hat die heute 78-Jährige in ihrem Familienalbum.
Auch ihr Bruder Helmut Heckel bedauerte gestern im Gespräch mit unserer Zeitung den Abriss der Villa. Schöne Kindheits- und Jugendjahre habe er darin verbracht, so der heute 73-Jährige.
Blick auf Villa und Firmengelände in den Wirtschaftswunderjahren.Foto Museum
Abrissbagger am Werk.Foto graf
Die vierjährige Ursl Held im Garten der Villa.Fotos privat