Biennale der Schmiede
Auszeichnung für „Mohnblumen für den Frieden“
Bei der Verleihung des Habermann-Preises (von links): Johannes Angele, Preisträger 2012, Peter Elgaß, „Macher“ der Biennale, Luc Vandecasteele, Preisträger, Tobbe Malm, Preisträger 2014 mit dem von ihm geschmiedeten Preis, Thomas Maria Schmidt, Vorsitzender des IFGS, und Terry Clark, Preisträger.
Mohnblumen aus Eisen – als Mahnmal für den Frieden. Im flandrischen Ypern (Belgien) ist dieses außergewöhnliche Weltkriegs-Denkmal entstanden – die Mohnblumen dazu waren in Kolbermoor auf der Biennale 2016 geschmiedet worden. Jetzt wurde das Projekt mit dem renommierten „Alfred-Habermann-Preis“ ausgezeichnet.
Kolbermoor – Bei der Biennale 2016 waren die Mohnblumen für Ypern ein großes Thema – inzwischen ist das Mahnmal errichtet und fertiggestellt. Einen besonderen Stellenwert im Rahmen der jüngsten Schmiede-Biennale nahm deshalb der Vortrag der beiden Schmiede und Metallgestalter Luc Vandecasteele (Belgien) und Terry Clark (Großbritannien) ein. Sie gaben Einblick in die Entstehungsgeschichte dieses außergewöhnlichen Denkmals, das an die Toten des Ersten Weltkrieges im flandrischen Ypern erinnern soll.
Zwischen 1914 und 1918 sind dort auf den Schlachtfeldern rund um die Stadt Ypern mehr als eine halbe Million Soldaten gefallen, hauptsächlich Deutsche und Engländer, aber auch Belgier, Franzosen, Australier und Kanadier, selbst Inder und Afrikaner waren darunter.
Beide Vortragenden, die seit Jahren eine tiefe Freundschaft verbindet, hatten die Idee, diesem sinnlosen Sterben ein Mahn-Monument entgegenzusetzen und, inspiriert vom britischen Mahnmal am Mengentor im südlichen Ypern, wo seit dem Jahre 1928 täglich abends per Trompete „Der letzte Zapfenstreich“ geblasen wird, sollte es etwas sein, was die Erinnerung an diesen grausamen Krieg wachhält.
Im Jahre 2007 machten sich Luc und sein Freund Terry an diese Mammutaufgabe, weitere viele Jahre dauerte es, bis das Projekt beendet war. Mithilfe befreundeter Schmiede aus nahezu ganz Europa sollte dieses Denkmal entstehen. Terry übernahm die Gestaltung und er erinnerte sich an einen Besuch von Schützengräben in Frankreich, wo er „die Seelen der toten Soldaten“ sah, „die aus dem blutgetränkten Boden kamen“, wie er es in seinem Vortrag beschrieb. So entstand der Gedanke einer roten Stahlplatte als Fundament und Boden, die Schützengräben wurden stilisiert durch einen Schmiedezaun rund um die Platte. Symbol für die Toten des Ersten Weltkrieges war die Mohnblume, die dann in der großen Tafel ihren Platz finden sollte, die Umrandung bilden Kränze von kleinen Mohnblumen.
Mit diesem Modell in der Hand suchten die beiden nun Sponsoren und einen geeigneten Platz in Ypern. „Nach der Zusage der Stadt für eine eng begrenzte Aufstellzeit, machten wir uns auf die Suche nach Sponsoren und Schmieden, die uns bei der Verwirklichung unseres Projekts helfen sollten“, so Vandecasteele. Dieses nahm im Laufe der Zeit immer mehr realistische Form an und mit unentgeltlicher Hilfe vieler Firmen und Schmiede aus aller Welt entstand letztlich das Monument mit einer zwölf Tonnen schweren Stahlplatte und einer Mohnblume, die allein 180 Kilogramm wog. Dazu wurden „zum Nulltarif“ 3000 Rohlinge von Mohnblumen von einer deutschen Firma gefertigt, die dann von vielen Schmieden aus allen Teilen der Erde, auch in Kolbermoor anlässlich der Schmiede-Biennale 2016, zu kleinen, filigranen Mohnblumen geschmiedet wurden und die letztlich der Finanzierung des Schmiede-Events in Ypern dienten.
Im September 2016 war es dann endlich so weit, vor der Tuchhalle in Ypern wurde das Monument aufgestellt, von dem allein die Bodenplatte fünf Tonnen wog. Auf einem aufgeschütteten Betonberg fanden die geschmiedeten Mohnblumen Platz, die Seelen der Toten des Ersten Weltkrieges. Die Mohnblumenkränze bildeten den Zaun um das beeindruckende Friedens-Mahnmal. Zu diesem Anlass waren Hunderte Schmiede von überall her nach Ypern gekommen, um zu helfen und ihre Solidarität auszudrücken.
Das außergewöhnliche Werk war sodann mehrere Monate lang in der belgischen Stadt zu besichtigen, bevor es auf dem deutschen Soldatenfriedhof im flandrischen Langemark seinen endgültigen Standort fand. „Insgesamt sieben Jahre hat unser Projekt in Anspruch genommen, aber wir sind sehr stolz, dass uns das gelungen ist“, so die beendenden Worte der beiden engagierten Künstler Luc Vandecasteele und Terry Clark.
Dieses außergewöhnliche Werk wurde im Anschluss an den Vortrag mit dem Alfred-Habermann-Gedächtnispreis, einem renommierten Schmiede-Preis, ausgezeichnet. Zum inzwischen dritten Mal hat der Internationale Fachverband Gestaltender Schmiede (IFGS) den Habermann-Preis in der Mangfallstadt vergeben. Die Übergabe erfolgte durch Thomas Maria Schmidt, Vorsitzender des IFGS. Zuletzt hatte den Preis 2014 Tobbe Malm für sein Projekt „Eiserne Rosen für Norwegen“ (wie berichtet) erhalten. Der Preis erinnert an den 2008 verstorbenen „Schmiedepapst“ Alfred Habermann. hko/rg