Biennale der Schmiede
Kunstwerke aus heißem Eisen
Da ist Gleichklang gefragt: Eggenzinken-Schmieden mit Kashif Mohammed sowie den Schmiedemeistern Robert Schwaiger und Daniel Mack (von links).Fotos Hoffmann
Nahezu ohne Pause ging die zwölfte Schmiede- Biennale zu Ende. Wettbewerbe, Aktionen, Vorträge und Ausstellungen, dazu noch Einzelaktionen und Verkaufsstände, bescherten den Besuchern ein unvergessliches Erlebnis.
Kolbermoor – Schon von Weitem war das Klopfen und Hämmern zu hören, beim Näherkommen mischte sich dann auch noch der Rauch aus den Essen in die Sinneswahrnehmungen. Dazu kam die Hitze, die von den vielen Feuern ausging und die man fast körperlich spürte.
Treffpunkt für viele war das Schmiedezelt, wo an sieben Feuerstätten oftmals bis zur scheinbaren Erschöpfung mit heißem Eisen und schwerem Hammer an filigranen Kunststücken bis spät in die Nacht gearbeitet wurde.
In den Räumen der benachbarten Mangfallschule wechselten sich die Referenten ab, berichteten über ihre Projekte und Erfahrungen rund um das heiße Eisen. Ausstellungen im Rathaus und im Mareissaal zeigten die Vielfalt der Schmiedearbeiten und deren künstlerische Kreativität auf beeindruckende Weise.
Auch für die Kleinen hatte die Biennale ihren Reiz, denn beim „Schmieden mit Kindern“ durften alle mitmachen. So auch die kleine Lisa-Marie Kollmannsberger, die zusammen mit ihrer Mutter Melanie eigens aus Erding in die Mangfallstadt gereist war. Die eifrige Metall-Nachwuchskünstlerin fertigte mit Lehrschmied Sepp Kerschbaumsteiner einen hübschen kleinen Schnecken-Anhänger, den sie auch gleich umhängen durfte. Ihr „hat es super gefallen“ und sie versprach: „Ich komme wieder.“
Kaum war die kleine Schmiedin aus dem Zelt gegangen, kam schon der nächste junge Interessent in den Schmiederaum, wo er zunächst einmal die wichtige Schutzkleidung bekam und dann ging’s auch schon los in Richtung heißes Eisen. Sehr groß war der Andrang bei der Anmeldung zum Kinderschmieden, doch ein jeder kam dran und ging mit seinem geschmiedeten Kunstwerk wieder sichtbar stolz nach Hause.
Meta Högg, Schmiedelehrling im dritten Lehrjahr, war dagegen schon einen Riesenschritt weiter. Ihr Interesse am Schmieden war bei einem Schulpraktikum geweckt worden. Schnell stand ihr Berufswunsch fest: Schmied. Und bald legte sie ihre Abschlussprüfung ab.
Begeisterte
Nachwuchsschmiede
„Nach der Prüfung gehe ich auf Wanderschaft“, freut sich Meta Högg schon auf diese Zeit, in der sie „viel lernen möchte, sowohl im Beruf als auch von den Menschen“. Zusammen mit Kunstschmied Günter Örtel fertigte sie einen edlen Schmuckspieß, ein echter Hingucker für jeden Garten.
Hans Reif und Michael Ertlmeier präsentierten den Aufbau und Ablauf ihres Projekts „Abfallkörbe“, in dem von ihnen, zusammen mit einer Gruppe junger Menschen, außergewöhnlich schöne Papierkörbe geschmiedet werden, die auf vielen öffentlichen Plätzen Kolbermoors ihren Platz finden. Das Projekt läuft seit Jahren äußerst erfolgreich und auch Bürgermeister Peter Kloo ist begeistert: „Das Projekt freut uns unheimlich. So langsam sind unsere Abfallkörbe richtige Kunstwerke.“
Insbesonders von Kolbermoor zeigten sich auch drei Besucher aus Ybbsitz in Niederösterreich angetan. Sie waren auf Einladung der Stadt Kolbermoor gekommen. Ybbsitz ist eine Partnergemeinde im „Ring der europäischen Schmiedestädte“, wie Bürgermeister Josef Hofmacher erzählt. „Wir sind vor 20 Jahren zum ersten Mal hier gewesen und für uns ist das heute schon ein kleines Jubiläum, denn für uns und unsere Stadt hat sich bei der SchmiedeBiennale ein interessantes Fenster geöffnet.“
Der ihn begleitende Schmied Franz Hofinger ist schon zum sechsten Mal hier. Für ihn stehen „Kommunikation und Gedankenaustausch mit anderen Schmieden“ ganz oben auf seiner Agenda. Er selbst hat „einen Tag nach meinem 15. Geburtstag eine Schmiedelehre begonnen und ich bin bis heute (64 Jahre alt) Schmied mit Leib und Seele“. Interessant ist noch zu erwähnen, dass der Niederösterreicher einen der Ringe am Kreisverkehr vor der Alten Spinnerei fertigen durfte.
Bei der „Ladys Night“ am Freitagabend zeigten mehrere weibliche Schmiedinnen und solche, die es vielleicht einmal werden wollen, ihr Können oder Talent. Während Stephanie Overhoff schmucke Rosenstäbe schmiedete, war Ulrike Grießer mit der schweißtreibenden Herstellung von Bierflaschenöffnern voll beschäftigt. Und auch Ilka Schöning, Redakteurin der Fachzeitschrift für Metallgestalter „Hephaistos“, versuchte sich im Teamwork mit zwei männlichen Kollegen als tatkräftige Schmiedin.
Die scheinbar zeitlose Herstellung von Eggenzinken haben sich Robert Schwaiger und Daniel Mack auf die Fahne geschrieben. Zusammen mit verschiedenen Helfern fertigten sie diese Unikate einzeln und passgenau für die bereitstehende Holzegge.
Wer es denn ganz außergewöhnlich haben wollte, der musste sich zum Schmiedewagen-Eigenbau von Samy R. R. Vermeulen begeben. Da wurde er zunächst von einem futuristisch anmutenden Hochstuhl empfangen, an dem keiner wirklich vorbeigehen konnte und der zum Draufsitzen einlud. Für seine Kunden schmiedete der Künstler bizarre, wirklich außergewöhnliche Rosen.
Bizarre Werke und
Sammler-Münze
Seit vielen Jahren gibt es in Kolbermoor eine eigene „Biennale-Münze“, die vor Ort „warm geprägt“ wird. Die Münzen aus Messing und Kupfer haben schon einen gewissen „Sammler-Status“ erreicht und alle zwei Jahre kommt ein weiteres Stück hinzu. Wer von all der Vielseitigkeit ein wenig atemlos wurde, der fand beim Schmiedegottesdienst vor dem Festzelt sein Ruhe-Refugium. Die evangelische Pfarrerin Birgit Molnar und ihre katholische Kollegin Martina Mauerer riefen zum Gebet unter dem Motto „Schmieden für den Frieden“.
Natürlich hatten die Veranstalter auch an das leibliche Wohl in ausreichender Form gedacht. Sowohl im Festzelt als auch auf dem Platz vor dem alten Rathaus wurden leckere Speisen und Getränke angeboten. Dazu gab’s auch was für die Ohren, zum einen von der „Kellerer Hausmusi“, die mit bayerischem Klanggut lockte und zum anderen waren da noch die sechs von „Funky Reflection“, deren musikalisches Repertoire mehr bei Jazz und Funk angesiedelt war.
Das alles und das herrliche Wetter ließen die Besucher vor allem in den kühleren Abendstunden auf den Platz vor dem alten Rathaus und in die Vortrags- und Ausstellungsräume strömen, wo die Organisatoren schon zur nächsten Schmiede-Biennale im Jahre 2020 einluden, wenn dann die Schmiede aus den Beneluxstaaten Belgien, Niederlande und Luxemburg den schmiede-künstlerischen Ton angeben werden.
Frauen am Werk: bei der „Ladys Night“.
Schmieden vor Ort.
Filigrane Rosen von Samy R. R. Vermeulen.
Kinderschmieden mit Lisa-Marie Kollmannsberger.
Vielfalt im Mareissaal.