Überraschend freigelegt

Alter Name an der Wand

von Redaktion

Der Putz ist ab: Bei den Sanierungsarbeiten am Kolbermoorer Bahnhof ist die alte Beschriftung an der Wand wieder aufgetaucht – erst an der Bahnsteigseite, dann auch an den östlichen und westlichen Giebelseiten.

Kolbermoor – Von der Bergstraße aus hatte ausgerechnet Franz Petzinger, der Zweite Vorsitzende des Fördervereins Heimatmuseum Kolbermoor, die Entdeckung gemacht. Er griff zur Kamera – er dokumentiert für das Heimatmuseum ohnehin den Umbau des Bahnhofs, der 1862 erbaut wurde (laut Chronik Otto Kahlhammer). West- und Ostflügel wurden 1899 angebaut (Chronik Johann Wipper). Petzinger: „Wir haben im Museum Fotos, datiert um 1905, da war der Bahnhof schon verputzt. Die Schrift an den Giebelseiten müsste also etwa von 1899 bis vor 1905 datieren; die Schrift auf der Bahnsteigseite ist auch auf dem älteren Bild bei uns schon zu sehen.“

Petzinger würde sich jetzt freuen, wenn die Schrift im Original erhalten werden könnte – Aussparungen im Verputz könnten dies möglich machen. Auch bei anderen aufwendigen Restaurierungen, etwa bei der Kunstmühle in Rosenheim, hatte man auf diese Weise an die Geschichte des Gebäudes erinnert.

Doch Architekt Gotthard Fellgiebel muss bei dieser Idee abwinken: „Die Ziegelwand ist so schlecht, sie braucht einen Putz als Schutz.“ Die Wand sei viel zu porös. Das Gebäude, ursprünglich ein Ziegelbau wie auch noch die Tonwerksvilla auf der anderen Seite der Bahngleise, hätte früher nicht verputzt werden dürfen – dann wären die Ziegel jetzt besser erhalten. Wollte man sie frei liegen lassen, müsse Stein für Stein restauriert werden, so Fellgiebel, „das wäre finanziell nicht mehr darstellbar.“ Das würde man vielleicht bei einem Dom oder einer Kathedrale auf sich nehmen…

Der Putz für den Bahnhof wird aber auch etwas besonderes sein: ein historischer Handwurfputz, der mit der Kelle erledigt wird. Das Gebäude wird zum Schluss dann einen warmen Rotton erhalten – auch eine Reminiszenz an die Ziegel. Und „Kolbermoor“ wird im alten Stil wieder aufgemalt.

Viel wichtiger für das Gebäude sei aber, so Fellgiebel, dass man sich entschlossen hat, den Stuck wieder anzubringen. In den 1960er-Jahren habe ihn die Bahn bis auf ein paar Reste abschlagen lassen. An diesen Resten („zum Glück gab es die“) und auch an den Fotos aus dem Heimatmuseum hat sich Fellgiebel dann bei seinen Planungen orientieren können.

Momentan nimmt die freigelegte Schrift am Bahnhof ein Schriftenmaler auf, damit sie auf den fertigen Bahnhof originalgetreu übertragen werden kann. Mit dem Grundputz wird nächste Woche begonnen, Anfang September soll mit den Stuckarbeiten gestartet werden. Die Fassade wird mit Gittergewebe verkleidet, damit der frische Putz und die neuen Gesimse vor starkem Regen und starkem Wind geschützt sind. „Zwei bis drei Monate wird es dauern, bis der Stuck wieder hergestellt ist,“ plant Fellgiebel. Dann kommen noch der Oberputz und zum Schluss der Anstrich als Schutzschicht.

Es wäre zwar „ein ambitioniertes Ziel“ – aber: „Vielleicht können wir heuer das Gerüst noch abbauen,“ meint Gotthard Fellgiebel.

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