Kolbermoor – „Wenn es regnet oder bewölkt ist, ist das ,Kaiserwetter‘ für mich“, strahlt Marie Luise Kaiser: Denn dann ist der Andrang bei ihren Vorstellungen besonders groß. So füllten auch beim „Räuber Bommel“, den die Volkshochschule im Rahmen des Ferienprogramms der Stadt und des Stadtjugendrings Kolbermoor organisiert hatte, die Zuschauer den VHS-Raum im ersten Stock.
Allerdings würde die Füssenerin gar kein „Kaiserwetter“ brauchen: „Es ist einfach einmalig, wie die Faszination Kasperltheater die Jahrhunderte überlebt hat.“ Und auch heute noch nimmt es die Konkurrenz mit all den elektronischen Geräten, die man oft schon in den Händen von kleinen Kindern sieht, auf. Sie selbst hat mit fünf Jahren angefangen, in einer selbst gebastelten Bühne Kasperltheater zu spielen und die ganze Familie zu unterhalten.
Kaiser hat ihre Kasperlgeschichten selber geschrieben. Es sei nicht so schwer, denn die Charaktere seien festgelegt: Da gibt es den Kasperl, der ist lustig und frech, aber gut, die Großmutter stellt die Autorität dar, die Hexe ist listig. Der Räuber ist der Macho, der dann enttarnt wird, der König ist gütig (zu den Guten), und das Krokodil bringt das Unheimliche, das Animalische, auf die kleine Bühne. Da lassen sich kindgerechte Situationen aufarbeiten; es geht vielleicht um Lügen, Neid und Missgunst, wenn das Stück eigentlich „Der Geburtstag“ heißt. Oder um Angstbewältigung wie beim „Räuber Bommel“: Der gibt sich als harter Kerl, vor dem alle Angst haben – aber der Kasperl faltet ihn Stück für Stück zusammen.
„Die Kinder haben einen enormen Gerechtigkeitssinn“, hat Marie Luise Kaiser festgestellt. Der geht soweit, dass sie bestimmte Stücke nur auf einer erhöhten Bühne spielen kann, weil die Kinder sonst hinter die Bühne stürmen, um einzugreifen. So ist es ihr passiert bei einer Geschichte, als die Prinzessin eine Katze geschenkt bekommt, die Hexe die Katze aber stiehlt und sie braten will. „Wenn sie dann nicht hinter die Bühne kommen können, geben die Kinder schon mal Austauschangebote, bieten der Hexe ihren Kaugummi an, wenn sie von der Katze lässt“, so Kaiser.
Die Stücke dauern rund eine halbe Stunde. Dauern sie länger, macht man mehr kaputt, weil sich die Kleineren einfach noch nicht so lange konzentrieren können, hat Karlheinz Kaiser, Ehemann und wichtigster Helfer von Marie Luise Kaiser, festgestellt. Er kassiert auch den Eintritt ins Kasperltheater. Drei Euro waren es in Kolbermoor „pro Nase“. Nur die unter Zweijährigen dürfen als „Ehrengäste“ kostenlos dem Kasperl zuschauen und bei seinen Abenteuern mitfiebern. Er hat auch Gummibärli dabei, stempelt die Kinderarme nach der Bezahlung hochoffiziell ab, fragt nach Namen und Alter („Was – du bis halb fünf?“) und sorgt so schon für die passende Einstimmung auf die Vorstellung.
Auch in Kolbermoor nahm die dramatische Geschichte mit dem Kasperl und dem Räuber Bommel selbstverständlich ein gutes Ende. Mithilfe der Kinder wird der großmäulige Räuber als Lügner enttarnt. Alles noch mal gut gegangen.