Behinderten- und Familienparkplätze werden immer wieder unberechtigt genutzt

„Ich will ja nur schnell was erledigen…“

von Redaktion

In einer Einkaufsstadt wie Kolbermoor ist es wichtig, dass Geschäfte, Supermärkte und Restaurants ausreichend Parkflächen für ihre Kundschaft zur Verfügung stellen. Bevölkerungsgruppen, denen die Nutzung des üblichen Parkraumes nicht ohne Weiteres möglich ist, also Personen mit körperlichen Einschränkungen oder Familien mit kleinen Kindern, sind dabei froh über eigens ausgeschilderte, auf ihre Bedürfnisse eingerichtete Parkplätze. Nur: Diese werden immer wieder von dazu nicht berechtigten Personen beansprucht.

Kolbermoor – Cornelia und Zvonimir Brajkovic aus Kolbermoor haben diese Erfahrung schon oft gemacht, wenn sie mit ihrer zweijährigen Tochter Ružica im Spinnereigelände einkaufen wollten. „Wir wollten für unseren Einkauf den Eltern-Kind-Parkplatz nutzen, da wir dort auch leichter die Autotüren öffnen können, um unsere Tochter aus ihrem Kindersitz zu holen“, schildert der Vater ein kürzlich stattgefundenes Erlebnis. Der Parkplatz war jedoch bereits von einer Frau und ihrer etwa 20-jährigen Tochter belegt. Cornelia Branjkovic wies die beiden Frauen auf die Markierung hin und bat sie, auf einen der noch vorhandenen gewöhnlichen Parkplätze zu wechseln. Anstelle von Verständnis und einer Entschuldigung erntete die Mutter jedoch Uneinsichtigkeit und wurde am Ende gar noch beschimpft und beleidigt – und dies nicht zum ersten Mal.

Auch ihr Ehemann wurde bereits des Öfteren von unbelehrbaren Autofahrern angegriffen, wenn er diese auf ihr Falschparken hinwies. Da der 45-Jährige in seinem Beruf bei der Deutschen Bahn immer wieder als Einstiegshelfer für Behinderte zur Verfügung steht und früher auch bei den Maltesern als Transportfahrer eingesetzt war, kennt er sich mit den besonderen Bedürfnissen dieser Personengruppe gut aus und weiß um die Sinnhaftigkeit der Behindertenparkplätze. Umso mehr ärgert ihn die Mentalität der Falschparker, die oft „nur mal kurz etwas erledigen“ wollen, und dafür möglichst ohne Aufwand vor den Geschäften parken möchten. „Da fehlt es für mich einfach am Respekt bei diesen Leuten. Da kann man doch Rücksicht nehmen und vielleicht fünf Meter weiter auf dem regulären Parkplatz halten.“

Auch Vroni Gmeiner, Behindertenbeauftragte der Stadt Kolbermoor, bemerkt die zunehmende Bequemlichkeit der Autofahrer. „Am liebsten wollen die noch mit dem Auto ins Geschäft fahren. Wenn dann der Behindertenparkplatz direkt davor ist, dann wird eben da geparkt.“ Mit Nachdruck weist Gmeiner, die selbst auf den Rollstuhl angewiesen ist, die Falschparker auf ihr Fehlverhalten hin und blockiert zu diesem Zweck schon einmal kurzzeitig deren Auto – entgegnet werden ihr dann oft Drohungen oder Beleidigungen wie „dann bleib halt daheim“. Sie frage sich dabei, ob die Autofahrer Vorfahrtsschilder genauso nachlässig beachten würden wie die Verkehrsschilder für den Behindertenparkplatz.

Trotzdem ist Vroni Gmeiner über das Parkplatzangebot vor allem im Spinnereigelände froh, das in enger Zusammenarbeit mit dem Grundstückseigentümer entstanden ist. Auf Initiative der betroffenen Kolbermoorer Bürger konnten hier einige zusätzliche Parkplätze realisiert werden.

Auch auf kommunalem Grund sind ausreichend derartige Flächen entstanden, wie Albert Paukert als Leiter des Ordnungsamtes der Stadt betont. So werden derzeit auch am Friedhof wieder zusätzliche Behindertenparkplätze eingerichtet, die die bereits bestehenden am Rathaus, im Parkhaus und in der Innenstadt ergänzen. Im Gegensatz zu den gewerblichen Parkplätzen ist die Lage auf den kommunalen Flächen allerdings noch eher entspannt. Nur selten „erwischt“ Paukert einen Fahrzeughalter etwa auf den Behindertenparkplätzen des Rathauses, die sich direkt vor seinem Bürofenster befinden. Eine Zurechtweisung erhält dieser dann aber trotzdem: „Auch wenn es nicht direkt unsere Aufgabe ist, als Kolbermoorer Behörde schauen wir natürlich schon darauf, wer berechtigt ist und wer nicht.“

Auch auf den Firmen- und Geschäftsparkplätzen wird Paukert gelegentlich fündig. Auf Unverständnis seitens der Fahrer ist auch er dabei schon getroffen. „Einmal wurde ich sogar gefragt, ob das Schild für den Behindertenparkplatz denn abends auch gelte“, berichtet Paukert kopfschüttelnd. Auch hier sind seiner Erfahrung nach weniger die Langzeit-Falschparker das Problem, sondern vielmehr die, die aus Bequemlichkeit für kurze Besorgungen möglichst viel Weg vermeiden wollen.

Um auf unkompliziertem Weg ein Umdenken bei diesen Verkehrsteilnehmern zu erreichen, hat sich die Stadt Kolbermoor noch eine besondere Methode ausgedacht: Ist ein Falschparker nicht direkt greifbar, bekommt dieser einen kleinen Zettel an die Windschutzscheibe geklemmt, auf dem er höflich auf sein Fehlverhalten und auch auf mögliche Bußgelder und Abschleppkosten hingewiesen wird.

Eine Idee, die Zvonimir Brajkovic aus seiner Heimat Kroatien kennt. „Dort sind solche Zettel weit verbreitet und zeigen auch entsprechende Wirkung.“ Vielleicht, so überlegt der Familienvater, könne durch diesen Appell an die Vernunft der Verkehrsteilnehmer mehr bewirkt werden als durch eine sofortige Strafe.

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