Sanierung Glasberg 15 beendet
„Schön geworden“
Die Balkone, die allesamt neu gemacht wurden, strahlen jetzt im „Kolbermoorer Grün“. Fotos Fleindl
Nächste Woche kommen die Mieter: Bis auf die Außenanlagen und die Lieferung der Fertiggaragen ist die Sanierung des städtischen Wohngebäudes Glasberg 15 mit 20 Wohnungen abgeschlossen. Die Stadt Kolbermoor als Bauherrin lud jetzt die Stadträte ein, das „Werk“ zu besichtigen.
Kolbermoor – Im Spätherbst 2016 war mit den Arbeiten begonnen worden. Sowohl Bürgermeister Peter Kloo als auch Architekt Florian Nikol und Diplom-Ingenieur Michael Burkhardt, die für die Planung zuständig waren, informierten bei dem Rundgang über das Vorhaben. Auch zahlreiche Vertreter aus der Stadtverwaltung waren dabei.
Bewusst wollte die Stadt barrierearme und sogar behinderten-, also rollstuhlgerechte Wohnungen bekommen. Dazu brauchte es auch einen neuen Lift – der alte war viel zu klein und startete zudem erst im Erdgeschoss, das aber nur über die Treppe erreichbar war. So entstand der geräumige Außenlift, der auch den Keller anbindet. Beim Bau des Außenlifts zeigte sich allerdings, dass der Seeton-Untergrund Probleme machte: Mehrere zusätzliche Bohrpfähle waren erforderlich.
Um die Stabilität ging es den Planern auch im Erdgeschoss: Damit die Bäder behindertengerecht werden konnten, mussten sie vergrößert werden – also hieß es, auch tragende Wände heraus zu nehmen und statt dessen Stahlträger einzuziehen. Auch eine zusätzliche Tür zu einem Balkon musste durchbrochen werden.
Die Wärmedämmung des Gebäudes wurde verbessert; alle Fenster und Türen sind komplett neu, ebenso das Dach und die Leitungen für die Elektroinstallation und die Telekommunikation. Die Wärme kommt vom benachbarten Blockheizkraftwerk der „Innergie“, das mit Gas betrieben wird. Dieses Werk liefert den Mietern auch den Strom, und der ist noch einen Cent billiger als der günstigste Strom im Netz, freute sich Peter Kloo. Zudem wird das Dach demnächst mit einer Fotovoltaikanlage bestückt.
Nicht nur in den behindertengerechten Wohnungen wurden die Grundrisse verändert: Auch in den anderen gab es neue Raumaufteilungen, weil heute, im Gegensatz zu den 70-er Jahren, aus dem das Haus stammt, eher Wert auf eine Wohnküche als auf getrennte Räume gelegt wird. Die Bäder sind allesamt in schlichtem, zeitlosen Weiß gehalten.
Aus dem Raum mit einem 48000-Liter-Heizöltank wurde die „Waschküche“: ein Raum mit Waschmaschinenanschluss für jede Wohnung mit eigenem Stromzähler.
Zwei Satellitenschüsseln auf dem Dach sorgen dafür, dass die Mieter, die immerhin aus zwölf Nationen kommen, auch ein heimatliches Programm empfangen können. Denn, so Peter Kloo, hat jeder Mieter das Recht darauf, und bevor an jedem Balkon eine Schüssel montiert werde, stellt die Stadt – gegen Gebühr – die Programme zur Verfügung.
Anfangs hatte man noch überlegt, die Sanierung in vermietetem Zustand durchzuführen; dann „strangweise“, also abschnittsweise die übereinander liegenden Wohnungen. Schließlich siedelte man die Mieter doch aus. Sie bekamen Übergangswohnungen, zum Teil in der von-Bippen und der Carl-Jordan-Straße. Während anfangs eigentlich die meisten Mieter darauf bestanden hätten, unbedingt in ihre alten Wohnungen Glasberg 15 zurückkehren zu können, so Kloo, waren dies zum Schluss noch genau vier Parteien. Die anderen zogen das Bleiben in den „Übergangswohnungen“ vor.
Vergeben wurden die Wohnungen über Claudia Kristian vom Liegenschaftsamt der Stadt Kolbermoor in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Rosenheim. Dieses vergibt die Wohnberechtigungsscheine zum Bezug einer öffentlich geförderten Wohnung. Mit Gabriele Gehhard war auch die dafür zuständige Mitarbeiterin aus dem Landratsamt eigens zu dem städtischen Rundgang zum Glasberg 15 gekommen. 16 der 20 Mieter stammen aus Kolbermoor. Die gesamten Kosten der Sanierung summierten sich auf rund 2,6 Millionen Euro.
Die Teilnehmer des Rundgangs waren sich einig, dass das Projekt schön geworden sei. Oder, wie es zweiter Bürgermeister Dieter Kannengießer zusammenfasste: „Früher hieß es immer, der Glasberg wäre das Glasscherbenviertel von Kolbermoor. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein.“
Im Gespräch: Bürgermeister Kloo und die Planer Florian Nikol (links) und Michael Burkhardt.
Bewundert wurde der Ausblick – durchaus auch auf die benachbarten, ebenfalls neuen Wohnhäuser.
Vroni Gmeiner, Behindertenbeauftragte der Stadt, testete den Aufzug und die Wohnungen.
Auch Claudia Kristian vom Liegenschaftsamt der Stadt (Bildmitte) wusste interessante Details.
328 Wohnungen
Insgesamt 328 Wohnungen gibt es im Besitz der Stadt Kolbermoor. Manche werden zum ortsüblichen Preis vermietet; die anderen sind „geförderte“, also mit Sozialbindung. Anfang das Jahres gab es davon 104. 15 fallen demnächst aus der Förderung. Wenn das Wohn- und Geschäftshaus auf dem Rathausplatz gebaut wird, kommen wieder 17 neue dazu. Bürgermeister Kloo: „Das Schaffen von gefördertem Wohnraum liegt uns am Herzen. Diese Daseinsvorsorge kann man nicht nur dem privaten Markt überlassen.“