ausstellung „Nordland-Studien“ schliesst am kommenden Wochenende
Letzter Blick auf spannende Arbeiten
Noch bis Sonntag besteht die Gelegenheit, die Ausstellung „Nordland-Studien“ im Kolbermoorer Rathaus zu besuchen.
Hochmodern und handwerklich spannend – so haben sich in den letzten Wochen die „Nordland-Studien“ im Kolbermoorer Rathaus präsentiert. Die Begleitausstellung zur zwölften Biennale der Schmiede schließt am Wochenende. Christian Poitsch vom Stadtmarketing Kolbermoor zieht eine positive Bilanz.
„Natural Conditions“: Eisen ist kein totes Material.
Kolbermoor – Zu jeder Biennale werden Metallgestalter aus wechselnden Gastländern aufgefordert, einen Querschnitt der Schmiedekunst ihrer Nation zu zeigen. Studierende und Dozenten des Studiengangs „Metallgestaltung“ der Universität Göteborg bestritten die Ausstellung, die, so Christian Poitsch, auf großes Interesse stieß. Vor allem die medial hochmoderne Darstellungsform – der überwiegende Teil der Exponate ist mit QRCodes versehen – eröffnete durch die gespeicherten Kurzvideos einen eindrucksvoll Blick auf die Entstehung der Teile und auf die Gedankenwelt der Schmiede. Poitsch im Gespräch mit unserer Zeitung: „Ich persönlich habe das sehr spannend gefunden.“
Geweitet wurde der Blick zudem durch die Fachvorträge von Professor Heiner Zimmermann, der verdeutlichte, wie ganz unterschiedlich die Studenten an ihre Werke herangegangen sind und so den mitunter überaus mitreißenden Werdegang der Exponate nochmals aufleben ließ. So wurde die jeweilige Handschrift der Metallgestalter freigelegt, wurden die eigenen Ideen sichtbar. Wie vielfältig und handwerklich anspruchsvoll die Exponate sind, zeigt nochmals ein kurzer Rundgang durch die Schau, die möglicherweise bei der Handwerksmesse in München zu sehen sein wird.
Daniel Strandow etwa hat sich mit seinem „Reconstructed Torso“ einen Torso aus Lehm als Vorlage genommen. Davon wurden Schablonen abgenommen, daraus Blechstücke geschnitten, kalt geformt und geschmiedet.
Linn Mardestam bringt im Aluminium-Gusspferd „Anxiety“ belastende Gefühle in Metall zum Ausdruck. Mit „Traces“ fängt Mhairi Raser in Metall ein, wie sich ihr Körper zur Musik bewegt. Sie nutzt dazu traditionelle Schmiedemethoden. In seinem Video „Shadow is light“ zeigt Student Mathieu Pelletier, welch vielfältigen Schattenspiele sein Objekt unter Lichteinfall kreiert.
Guillaume Kleins „Tension in Wood“ – Teil einer Serie – verbindet Metall und Holz.
Das Zusammenwirken der ungleichen Materialien ist durch Spannung („tension“) gekennzeichnet. Und Eisen ist für Dozent Karl Hallberg („Natural Condition“) kein totes Material: Ein eisernes Objekt werde geboren, genutzt und wiedergeboren. Man wisse nie, was in der Zukunft daraus wird, beschreibt Hallberg sein Werk.
Im Rahmen der Biennale erläuterte Johannes Postlmayr in einem Fachvortag sein Gebilde „The Cuboid“, ein im Inneren ausgeklügeltes System, das sich an mehreren Stellen auseinanderziehen lässt – und zeigte sich nicht zufrieden mit seiner Arbeit. „Auch das gibt es“, sagt Poitsch schmunzelnd in der Nachbetrachtung. Diese selbstkritische Einschätzung habe aber den Weg hin zu diesem Ausstellungsstück offen gelegt.
Die Ausstellung „Nordland-Studien“ ist noch bis Sonntag, 2. September, im Kolbermoorer Rathaus zu sehen (am Wochenende geöffnet von 10 bis 17 Uhr). In zwei Jahren stehen die Benelux-Länder im Fokus der Schmiede-Biennale. Erwartet werden dann auch wieder größere Exponate fürs Freie.
Belastende Gefühle in Metall: Gusspferd „Anxiety“.
Die Vorlage dieses Torsos ist aus Lehm. Fotos gruber