50 Jahre Mannergsang in Kolbermoor

Auch Luis Trenker war begeistert

von Redaktion

Ein halbes Jahrhundert ist es nun her, dass sich einige Männer aus dem Kreis des Singschulchores zusammengefunden haben, um den Kolbermoorer „Mannergsang“ zu gründen. Mit dabei war damals auch Peter Maier, der sich im Gespräch mit unserer Zeitung an große und kleine Auftritte und Kuriositäten aus der Chronik der Gruppe erinnert.

Kolbermoor – So war bereits die Zielsetzung bei der Gründung eine Besonderheit, wollte man doch keinen bloßen Gesangsverein, sondern vielmehr ein auf die typische Singweise eines Viergesangs ausgerichtetes Doppelquartett ins Leben rufen. Ziel dabei war es, auch solistisch weniger begabten Sängern einen Zugang zu dieser Form des Gesanges zu schaffen. Heinrich Seyfried, damals Junglehrer in Kolbermoor und Mitglied des bekannten Giesinger Viergesangs, ergriff im Jahr 1968 die Initiative und konnte schnell Mitstreiter für das Projekt gewinnen. Bereits beim allerersten Frühjahrssingen der Stadtsingschule im selben Jahr, mittlerweile ebenso Tradition wie der Mannergsang selbst, stand man dann mit volksmusikalischen „Schwergewichten“ wie den Fischbachauer Sängerinnen oder den Gebrüdern Rehm gemeinsam auf der Bühne. Schnell folgten weitere Engagements und gemeinsame Ausflüge, die die Männer nicht nur als Gemeinschaft zusammenschweißten, sondern auch zur schnell wachsenden Bekanntheit der Gruppe beitrugen.

So präsentierte man sich auf der Singschulreise nach Neustadt in Holstein und bei Chorausflügen nach Südtirol, Belgien oder gar Brasilien ebenso wie bei verschiedenen Veranstaltungen in der Region. Bei der erstmaligen Teilnahme am Rosenheimer Adventssingen 1973, zu Zeiten der Energiekrise ein autofreier Sonntag, musste man trotz Temperaturen von 25 Grad unter Null mit dem Zug anreisen – dennoch gelang ein umjubelter Auftritt, dem noch einige weitere folgten.

Gerne erinnert man sich bis heute an die vielen Aufnahmen für den Bayerischen Rundfunk, der immer wieder Gast bei Frühjahrssingen und Jubiläumsveranstaltungen war. Auch die große Prominenz kam seinerzeit in den Genuss der Klangqualität des Mannergsangs, etwa anlässlich der Hundertjahrfeier des Alpenvereins Rosenheim mit Ehrengast Luis Trenker. „Trenker war so begeistert, dass er jedem Sänger ein persönliches Autogramm überreicht hat“ erinnert sich Peter Maier heute. Er selbst ist schon seit 1974 als musikalischer Leiter und Organisator der Gruppe tätig und heute gemeinsam mit Heinrich Seyfried als letztes Gründungsmitglied noch aktiv. Unter Maiers Ägide legten die Kolbermoorer auch auf den Austausch mit den österreichischen Nachbarn großen Wert und nahmen oft an den Treffen der Arbeitsgemeinschaft Alpenländischer Chorverbände (AGACH) teil. Einmal jedoch, im Jahr 1981, wäre man beinahe zu spät zur großen Veranstaltung in der Stadthalle von Feldkirch gekommen. Grund für die Verspätung war allerdings nicht Stau oder eine Panne, sondern die Beamten an der deutsch-österreichischen Grenze. „Nachdem einer der Zöllner meine Ziach auf dem Rücksitz bemerkte, wollte er unbedingt ein Stück von uns hören. Schnell lief dann die gesamte Mannschaft bei uns zusammen und verlangte ein Lied nach dem anderen, fast eine Stunde haben wir dagestanden und gesungen, bis sie uns dann widerwillig gehen ließen“ schmunzelt Maier heute.

Durch die offenen Grenzen hat sich dieses „Problem“ glücklicherweise heute erledigt, sodass der Mannergsang weiterhin ein gern gesehener Gast im Nachbarland ist. Auch in der Heimat gelangte man in den vergangenen Jahren zu großen Erfolgen, die im Jahr 2009 zur Auszeichnung mit dem Ehrenpreis der Hanns-Seidel-Stiftung führten.

Bereits ein Jahr später gestaltete man gemeinsam mit einer Volksmusikgruppe die offizielle Weihnachtsfeier des bayerischen Landtages im Maximilianeum – auch für Peter Maier ein absoluter Höhepunkt der Chronik. Es folgten weitere Auftritte bei großen Veranstaltungen wie etwa dem internationalen Musikfest in Kreuth am Tegernsee aber auch bei hiesigen Adventssingen und natürlich bei den traditionellen einschlägigen Veranstaltungen in Kolbermoor. Wie bei jeder Musikgruppe führten in den vergangenen 50 Jahren Wohnortwechsel, Stimmprobleme oder berufliche Gründe zu stetigen Veränderungen in der Besetzung, ebenso mussten die Sänger einige Kameraden auf ihrem letzten Weg begleiten.

Besonders schmerzlich traf die Gruppe der Tod ihrer herausragenden ersten Stimme Max Ranzinger im Jahr 2015. Beinahe wäre es dadurch zum Ende des Mannergsangs gekommen, jedoch fanden sich nach vorübergehendem Stillstand schnell wieder engagierte Sänger, die die Lücke schließen konnten. Zum 50-jährigen Jubiläum präsentiert sich der Mannergsang somit wieder in guter Besetzung und probt bereits fleißig für den Jubiläumshoagascht, der für den Samstag, 13. Oktober, vorgesehen ist.

Gemeinsam mit dem Kolbermoorer Dreigsang, der seit zehn Jahren besteht, geben die Männer im Mareissaal eine Kostprobe ihres großen Repertoires. Mit dabei sind selbstverständlich auch die anderen Gesangsgruppen der Singschule sowie die Kolbermoorer Tanzl- musi.

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