Weltenbummler aus Kolbermoor
Er ist mit dem Radl da
Immer mit dem gleichen Rad unterwegs: Wolfgang Büttner auf seinen anstrengenden Touren...
Sein Radl, ein altes Moutainbike, das er 2002 gebraucht gekauft hatte, hat inzwischen schon mehr als 100000 Kilometer absolviert. Wolfgang Büttner fährt damit nicht nur zur Arbeit nach Bad Aibling oder zum Einkaufen nach Rosenheim – er ist damit auch monatelang in Australien, Neuseeland, Süd- und Mittelamerika unterwegs. Zweimal hat er schon Padre Obermaier aus Rosenheim in Bolivien getroffen. Bei seiner jüngsten Fahrt stand er an dessen Sarg.
Kolbermoor – Die Berge haben Wolfgang Büttner, einen gebürtigen Münchner mit fränkischen Wurzeln, vor 25 Jahren in die Region gelockt; inzwischen wohnt er in Kolbermoor. Er kletterte viel und hatte den Traum, solange zu klettern, „bis ich wirklich nicht mehr mag.“ Schließlich kündigte er seinen Beruf und zog ein Jahr lang mit einem alten Bus zu den Kletterzielen in Amerika. Dann, vor 20 Jahren, hatte er einen schweren Unfall: „ein Aufmerksamkeits-, ein Sicherungsfehler,“ sagt er. Büttner stürzte 25 Meter tief ab. „Seither ist alles geschenkte Zeit für mich,“ sagt er.
Nach dem Unfall tritt das Klettern zwangsläufig in den Hintergrund. Büttner setzt sich wieder mehr aufs Rad. Vor dem Unfall war er auch schon durch Syrien und Jordanien gefahren („problemlos“), was heute nicht mehr möglich wäre. In Australien und Neuseeland schafft er 25000 Kilometer in einem dreiviertel Jahr. Mehrmals stehen Mittel- und Südamerika auf dem Programm. Fünf Monate braucht er für die Strecke Venezuela/Feuerland.
Büttners Mountainbike wiegt zwölf Kilogramm. Nur der Rahmen noch ist original, alles andere ausgetauscht. Da ist es gut, dass Büttner neben seinem Teilzeit-Hauptberuf als Krankenpfleger im Romed-Klinikum Bad Aibling nebenbei in einem Radsportgeschäft in Bad Aibling arbeitet. Auch ein Platten unterwegs jagt ihm so keinen Schreck ein… Zum Gewicht des Radls kommen noch einmal zwölf Kilogramm fürs Gepäck (Zelt, Campingausrüstung, Schlafsack, Kleidung, Werkzeug) und das Gewicht fürs Essen und Trinken, was sich durchaus noch einmal auf 20 Kilogramm summieren kann.
Auf seinen Touren lässt sich der Kolbermoorer immer wieder von den Landschaften und den Begegnungen mit den Menschen faszinieren. Er hat bewegende Gastfreundschaften erlebt und Einladungen, etwa zu einer unbekannten Silbermine. Nur einmal hatte er sich in Venezuela eine Route zusammengestellt, die er dann nach dem guten Rat eines Einheimischen lieber mit dem Bus genommen hat… Ansonsten sei das Radlfahren an sich ein Gefahrenpotenzial – in den Bergen gibt es unbefestigte Straßen, an denen es gleich 100 Meter oder mehr in die Tiefe geht. Und in den Städten herrsche „ein beeindruckendes Verkehrschaos.“ So gibt es auch keine Radl-wege.
Inzwischen lässt Wolfgang Büttner auch alle Interessierte an seinen Radltouren teilnehmen. „Die Australien-Fotos habe ich meinen Freunden noch als Dias gezeigt,“ erinnert sich der 54-Jährige. Sie redeten ihm zu, und jetzt sind seine Vorträge eine Kombination aus faszinierenden Bildern und Filmen, aus stimmungsvoller Musik und live erzählten Geschichten. Auch seine fünfte Reise – Bolivien und Chile – hat er zusammen gefasst und stellt sie am Freitag, 9. November, 19.30 Uhr, im Café Stefanies in Bad Feilnbach und am Freitag, 16. November, 19.30 Uhr, im Caritas-Kinderdorf Irschenberg vor. Der Eintritt (zehn Euro) kommt dieses Mal dem Orden der Schwestern der Heiligen Familie zugute. Die Schwestern, die früher auch im Kinderdorf Irschenberg tätig waren, unterstützen auch diverse Projekte in Sucre in Bolivien wie Schulspeisung, Werkstätten oder ein Gesundheitszentrum. Die Erlöse aus bisherigen Vorträgen hatte Büttner auch schon der Stiftung von Padre Obermaier zukommen lassen.
... oder im heimatlichen Kolbermoor. Das Familienauto fährt seine Frau Kathrin. Foto Fleindl
3000 Kilometer durch Bolivien und Chile
Bolivien – Chile: Anden, Lagunen, Meer und mehr…“heißt der jüngste Benefiz-Multivisionsvortrag von Wolfgang Büttner: Ausgehend von La Paz/Bolivien ging es diesmal in einer 3000 Kilometer langen Runde durch Bolivien und den Norden Chiles.
Sein Weg führte ihn zu Beginn der Reise an das Grab des nur wenige Wochen zuvor verstorbenen Padre Obermaier in seiner Pfarrei von El Alto, der Millionen-„Vorstadt“ von La Paz. Dort hat der in Rosenheim geborene Padre in knapp 40 Jahren ein großes Sozialwerk entstehen lassen.
Anschließend führten einsame, steinige Pisten über die Pässe der Königskordillere, entlang der dichtbewaldeten Andenabhänge der Yungas, nach Cochabamba, der Stadt des ewigen Frühlings.
Die Hauptstadt Sucre, Sitz der „Schwestern von der Heiligen Familie“ in Bolivien und deren Hilfsprojekte sowie Potosi, die Stadt mit dem Silberberg, waren weitere Stationen auf dem Weg zum riesigen Salzsee von Uyuni. Die Überquerung des gigantischen Salar de Uyuni gehört sicher zu den Highlights der Reise.
Die persönlichen Reiseerlebnisse entführen den Zuschauer in die Landschaften der Anden und die Weiten des Altiplanos. Durch den eingeschränkten Tagesradius als Radfahrer ergaben sich immer wieder bewegende Begegnungen mit der einheimischen Bevölkerung, bei Übernachtungen in kargen Dörfern und Unterkünften.
Dann ging es in die glasklare, atemberaubend dünne Luft der Lagunenroute, die als „Ritterschlag für Südamerikaradler“ bezeichnet wird. Eiskalte Zeltnächte, Flamingos, Lagunen, Geysire und Vulkane säumten schließlich eine Woche lang die sandigen Pisten bis zur Oase San Pedro de Atacama.