Die Wasserkraft der Mangfall und der 1859 errichtete Haltepunkt Kolbermoor an der Bahnstrecke München-Rosenheim waren für den Ingenieur Theodor Hassler ausschlaggebend, dort im Jahre 1860 eine Baumwollspinnerei zu gründen, die für die nachfolgende Zeit der Mittelpunkt des Ortes war. Zusammen mit den Fabrikgebäuden entstanden zwischen 1862 und 1922 in mehreren Bauabschnitten insgesamt 165 Arbeiterwohnungen und eine außergewöhnlich hohe Anzahl von Gemeinschaftseinrichtungen als Zeichen unternehmerischer Verantwortung.
In der ersten Bauphase ab 1862 wurden in direkter Nachbarschaft zum Fabrikgelände auf der Insel zwischen Mangfall und Kanal sechs schlicht gestaltete zweieinhalb geschossige Mehrfamilienhäuser für 36 Familien errichtet, die zu den ältesten Wohnhäusern Kolbermoors zählen.
Nach der Schließung der Pfersee-Kolbermoor AG 1993 hat sich die Stadt Kolbermoor dazu entschlossen, die gesamte Siedlung käuflich zu erwerben. Dieser Entschluss verhinderte die drohende Veräußerung von Einzelgebäuden des Ensembles und somit dessen Zerfall.
Trotz der robust wirkenden Bausubstanz hat die über Jahre fehlende oder ungenügende Instandhaltung dazu geführt, dass ein beträchtlicher Handlungsbedarf für den Erhalt der Bausubstanz entstand. Nach Übernahme der Siedlung durch die Stadt wurden die dringlichsten Sofortmaßnahmen für die Substanzsicherung, wie zum Beispiel das Abdichten der Dächer oder die Erneuerung von Kaminen, durchgeführt.
Unterstützt durch die Regierung von Oberbayern und durch das Landesamt für Denkmalpflege wurde seit 1994 mit der „schrittweisen“ Sanierung der Häuser begonnen. So konnte sukzessiv jeweils auf die Erfahrungen der vorangegangenen Sanierung aufgebaut und mögliche Fehler im Umgang mit der historischen Bausubstanz vermieden werden. Grundvoraussetzung für eine umfassende Modernisierung eines Bestandsgebäudes war die Umsetzung der Bewohner in Ersatzwohnraum, der ihnen von der Stadt Kolbermoor während der Bauzeit zur Verfügung gestellt werden musste. Zu diesem Zweck wurde 1995 ein provisorisches Wohngebäude mit zehn Ausweichwohnungen an der Mitterharter Straße errichtet.
Die Sanierungskosten der Gebäude mit Nebengebäuden und Außenanlagen einschließlich Nebenkosten beliefen sich im ersten Bauabschnitt auf etwa 2900 Mark pro Quadratmeter. Insgesamt belaufen sich die Sanierungskosten bisher auf 22 Millionen Euro.
Die schrittweise Instandsetzung der Gebäude machte es möglich, dass die nachfolgenden Bauabschnitte eine deutliche Reduzierung der Baukosten zur Folge hatten. Bund und Freistaat Bayern haben die Gemeinde im Rahmen der Städtebauförderung von Anfang an finanziell unterstützt (siehe Infokasten).
In der Siedlung leben etwa 1000 Einwohner auf einer Wohnfläche von rund 10750 Quadratmetern. Die Gesamtfläche der Siedlung beträgt rund 6,1 Hektar.
Besonders interessant ist auch die Energieversorgung der sanierten Gebäude: Wie bereits in den Sanierungsabschnitten I und II erfolgt die Wärmeerzeugung zentral. Die Heizzentrale befindet sich im ehemaligen Waschhaus zwischen der Von-Bippen-Straße 14 und 15. Die Verteilung erfolgt über Erdleitungen in die Unterstationen der Wärmeübergabe in die einzelnen Wohnhäuser. Die Grundlast der Wärmeerzeugung erfolgt über zwei Wärmepumpen (Sole/Wasser mit Erdwärmeentzugsanlage über Spiralsonden). Die Erdwärme wird mittels fünf Sonden-Felder mit je 30 Spiralsonden bis zur maximalen Tiefe von 4,30 Metern entzogen. Die Wärmepumpe erzeugt rund 65 Prozent der benötigten Gesamtwärmemenge.
In den vergangenen Jahren 2015/18 wurden die Wohngebäude des dritten Teilabschnittes modernisiert. Der Sanierungsabschnitt der Von-Bippen-Straße 12 bis 14f umfasst eine ein- bis zweigeschossige Reihenhausanlage (14 – 14f) und zwei eingeschossige Doppelhäuser (12/12a und 13/13a).
Die Sanierung des letzten Abschnittes umfasst die Wohngebäude der Von-Bippen-Straße 10 bis 11b. Sie stehen bereits leer. Die Modernisierung ist für die Jahre 2019/20 geplant.