Kolbermoor – Vor sieben Jahren wurde im Bürgertreff die Idee umgesetzt, miteinander zu kochen – inzwischen ist der monatliche Koch- und Backtag mit anschließendem gemeinsamen Verzehr ein Renner. Waren es zunächst nur vier, fünf Senioren, die sich an den Herd wagten, sind es jetzt bis zu 20. Tendenz: steigend. „Das ist schon fast unsere Stammkundschaft“, lacht Dagmar Badura.
Regional, saisonal und vegetarisch werde gekocht. Und viele der Teilnehmer lassen Monat für Monat auch traditionelle Gerichte aus ihrer ehemaligen Heimat mit einfließen. So finden sich im Koch- und Backbuch etwa russische Pelmenti und Manti (eine Fotostrecke erleichtert das Nachkochen), Lenticcie con salsicce oder Kärtner Reindling oder Schuxen. Gerade dieses Wissen wolle man mit dem kleinen Büchlein nicht nur zum Ausdruck bringen, sondern auch erhalten, so die Leiterin des Quartiersmanagements.
Die Umsetzung des Buches habe sie durchaus vor größere Herausforderungen gestellt, erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Einige der Teilnehmer würden sozusagen nach Gespür kochen. Mengenangaben? „Ja, nimmst hoid a weng an Honig“, habe es etwa geheißen. Mengenangaben digitaler Kochbücher hätten da gute Dienste geleistet, um die Rezepte schlüssig und nachvollziehbar formulieren zu können. Und dann wurde das Koch- und Backbuch auch noch mit einer Vielzahl von Zitaten bereichert, was auch zum Blättern anregt.
So philosophiert etwa Sänger Luciano Pavarotti über die Kunst des Kochens oder der Dalai Lama über das ganze Herz, das Liebe und Kochen erfordert. Mit Julia Schuster habe sich eine Mediengestalterin gefunden, die die Rezepte schön und gut leserlich in Buchform gebracht habe.
Besser als
Fernsehen
Förmlich ins Schwärmen gerät Dagmar Badura aber bei der Beschreibung des Titelblattes: Zu sehen ist eine Gruppe geschmiedeter Menschen, die rund um einen großen Topf angeordnet sind. Symbolisch stehen sie – obwohl in Wangerooge aufgenommen – für die Schmiedestadt Kolbermoor aber auch für das Miteinander, das über die Jahre und die Kochtöpfe hinweg in der kleinen Küche im Mangfalltreff entstanden ist. Auch das gemeinsame Kochen und Backen sei ein Angebot der Bürgerhilfe, die Einsamkeit durch Geselligkeit zu überwinden, unterstreicht die umtriebige Leiterin. „Wissen Sie, ich muss besser sein als der Fernseher“, fügt sie noch schmunzelnd an. Auch das kleine Koch- und Backbüchlein ist ein Beweis dafür, dass ihr das gelungen ist.