Einblicke ins „Rote Kolbermoor“

von Redaktion

Ausstellung zum Thema 100 Jahre Räterepublik im Rathaus eröffnet

Kolbermoor – „Wir haben für unsere Überzeugung gekämpft“ – unter diesem Titel steht die Ausstellung über die Räterepublik, das „Rote Kolbermoor“, die jetzt im Rathaus eröffnet wurde.

Vor 100 Jahren gingen in den Wirren der letzten Kriegstage die deutschen Monarchien und mit ihnen das gesamte Kaiserreich zugrunde – und Arbeiter- und Soldatenräte übernahmen die Macht.

Auch der Freistaat Bayern bildete keine Ausnahme, in der Nacht auf den 8. November 1918 rief der Journalist Kurt Eisner im Münchner Mathäserbräu mit den Worten „Bayern ist fortan ein Freistaat“ die Republik aus. Dreieinhalb Monate später wurde Ministerpräsident Eisner in München ermordet und die junge Republik versank in ein Gewirr aus Revolutionen und Gegenrevolutionen.

Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse hat es sich das Museumsnetzwerk Rosenheim zur Aufgabe gemacht, in der Reihe „Heimat 1918“ auf die Auswirkungen aufmerksam zu machen, die sich in der Region daraus ergaben.

In Kolbermoor, das zur damaligen Zeit sprichwörtlich als „letzte rote Bastion“ bekannt gewesen war, beleuchtet man besonders die Geschehnisse um Georg Schuhmann, den damaligen Vorsitzenden des Volksrates und faktischen Bürgermeister, der gemeinsam mit seinem jungen Sekretär Alois Lahn trotz friedlicher Kapitulation misshandelt und schließlich erschossen worden war – die einzigen Todesopfer, die die Revolutionszeit in der Mangfallstadt forderte.

„Wir haben für unsere Überzeugung gekämpft“, mit diesem Ausspruch ist die Ausstellung überschrieben, die kürzlich im Foyer des Rathauses eröffnet wurde. Bürgermeister Peter Kloo zeigte sich im Rahmen der Eröffnung überzeugt, dass dies ein geeigneter Ort für das Gedenken an die damaligen Geschehnisse darstelle. „Die Räterepublik hat in Kolbermoor Spuren hinterlassen, doch viele Menschen wissen mit den Begriffen und Namen nichts mehr anzufangen.“ Die Erinnerung daran solle gerade in der heutigen Zeit, in der Demokratie und Rechtsstaat längst als selbstverständlich hingenommen werden, wachgehalten werden. Der Dank des Bürgermeisters galt den Organisatoren Christian Poitsch und Simon Hausstetter sowie deren Unterstützern.

Poitsch und Hausstetter erläuterten anschließend das Konzept, mit dem in der Ausstellung die Geschichte nahegebracht werden soll. Die konkreten Geschehnisse werden kompakt auf sieben Wandtafeln dargestellt, die das Augenmerk sowohl auf Kolbermoor wie auch auf die Situation in Deutschland und Bayern lenken. Zudem sind Aufnahmen mehrerer Persönlichkeiten und Szenenfotos aus München und Kolbermoor zu sehen.

Die Fotografien wirken dabei ebenso düster wie die Geschichte dahinter, denn mit Ausnahme von Ernst Toller, der kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges Suizid beging, wurden alle Abgebildeten – neben Schuhmann und Lahn etwa Erich Mühsam, Gustav Landauer und Kurt Eisner, der gemeinsam mit seinem Mörder Anton Graf Arco auf Valley gezeigt ist – über kurz oder lang Opfer eines Gewaltverbrechens.

Ohne „pädagogisches Fingerheben“, so Poitsch, wolle man diese Schicksale wiedergeben und dem Besucher nahebringen. In diesen Kontext gehört auch das einzige Exponat der Ausstellung, die Schreibmaschine des Kolbermoorer Gemeindesekretärs, der nur Stunden nach der Ermordung von Schuhmann und Lahn die Schadensersatzforderung des Vaters von Alois Lahn aufnahm, die dieser angesichts der zerstörten oder gestohlenen Kleidungsstücke seines Sohnes erhob.

Abgerundet wird das Gesamtbild durch die „Galerie der Zeitzeugen“, ein Bücherregal, in dem sich Werke von Schriftstellern finden, die die Wirren der Jahre 1918/19 erlebt haben. Alle Bürger, die dieser kleinen Bibliothek ein weiteres Buch hinzufügen möchten, sind hierzu gerne eingeladen.

Neues Denkmal
wird eingeweiht

Für tiefere Einblicke in das Thema Räterepublik sorgen zudem regelmäßige Führungen, die in den kommenden Monaten über die VHS buchbar sind und gerne auch für Gruppen organisiert werden können.

Ein besonderer Höhepunkt ist darüber hinaus die offizielle Einweihung der neuen Gedenktafel für Georg Schuhmann und Alois Lahn, die an deren Sterbeort vor dem ehemaligen Tonwerk-Verwaltungsgebäude aufgestellt ist. Am Sonntag, 11. November, wird die Tafel, geschmiedet von Josef Still, ihrer Bestimmung übergeben.

Die Ausstellung „Wir haben für unsere Überzeugung gekämpft“ ist während der üblichen Öffnungszeiten des Rathauses (Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr) kostenlos zu besichtigen.sel

Artikel 5 von 7