100 Jahre wird die KFD Kolbermoor im nächsten Jahr – und sie präsentiert sich keinesfalls verstaubt. Im Gegenteil: Schriftführerin und Pastoralreferentin Martina Mauder glaubt an die Gestaltungskraft der KFD – in Kirche und Gesellschaft.
„Kirche sein – gerade in diesen Zeiten“
Unter dem Motto „Kunterbunt wie das Leben“ feiert die KFD Kolbermoor das 100-jährige Bestehen. Warum dieses Motiv der vielen bunten Steine?
Das Leben zeigt sich kunterbunt – einmal in bunten Farben, in Krisenzeiten vielleicht trister. Blickt man aber auf ein Mosaikbild, so bilden die vielen Steine eine Einheit. Das sehe ich auch als Symbol für unsere KFD: Viele Talente sorgen für Vielfalt in unserer Gemeinschaft, schränken sie nicht ein, sondern weiten sie.
Welche Schwerpunkte setzen Sie im „Jubeljahr“?
Start unserer Jubiläumsfeierlichkeiten ist im Februar 2019 mit dem Faschingskranzl. Dort werden schon Preise rund ums Jubiläum verlost. Im März wird die von den KFD-Frauen gestaltete Stele – passend zum Motto – mit einem Glasmosaik versehen. Beim Festgottesdienst im Mai wird diese dann gesegnet und es wäre schön, fände sie einen Platz im neuen Pfarrgarten.
Was reizt Sie persönlich an ihrer Arbeit in der KFD? Sie sind ja nicht „nur“ Schriftführerin, sondern auch für die geistliche Begleitung zuständig?
Es begeistert mich, mit diesen Frauen zu arbeiten. Sie wollen nicht nur ihren persönlichen Glauben, sie wollen auch die Kirche weiterentwickeln. Sie wollen einfach Kirche sein! Das inspiriert mich.
Da räumen Sie aber ordentlich mit dem Vorurteil auf, die KFD sei nur auf Kaffeekranzl und Ausflugsfahrten aus.
Die KFD beteiligt sich selbstverständlich am Pfarrfest und ich fahre sehr gern mit den Frauen weg. Ich versuche dann, Übliches mit Neuem zu verbinden, zum Beispiel bei der Jahresfahrt den gemeinsamen Gottesdienst als Wortgottesfeier vorzubereiten. Oder bei Wallfahrten andere Impulse einzubauen als ausschließlich Rosenkranz zu beten. Oder neben einem Morgenlob auch auf den Equal Pay Day aufmerksam zu machen. Also das eine (Neue) tun und das andere (Alte) nicht lassen. Diese Verbindung ist mir sehr wichtig, um auch die Gemeinschaft zu stärken. Wir wollen Kirche und Gesellschaft aktiv mitgestalten. Die Betonung liegt auf aktiv – mit frischen Ideen und mit Mut zu Neuerungen.
Sie sehen die KFD also auch als „politisches“ Element?
Das darf man nicht unterschätzen. Die KFD stärkt die Rechte der Frauen. Nicht umsonst zeigen wir nächste Woche den Film „Die göttliche Ordnung“. Vor 100 Jahren haben die Frauen etwa darum gekämpft, wählen zu dürfen. Auch heute setzt sich die KFD ein, in Politik, Wirtschaft, in der Kirche.
Sie rufen dazu auf, Haltung zu zeigen, zur Kirche zu stehen – gerade in diesen Zeiten von Missbrauchsskandalen und massenhaften Kirchenaustritten– ein mutiger Appell!
Wir werden doch derzeit förmlich überflutet von entsetzlichen Meldungen. Da braucht es Haltung, an der Kirche und ihren Amtsträgern festzuhalten. Ich warne aber vor einer Pauschalverurteilung. Ja, es braucht Veränderung und Wandel! Aber: Kirche, das sind wir alle und nicht nur der Geistliche, der da vorne „fürs Programm sorgt“. Jetzt und gerade in diesen Zeiten sind wir alle gerufen, Kirche zu sein – nur dann wird Neues beginnen.
Interview eva-maria gruber