von Redaktion

Großes Interesse am Thema Wiederbelebung im Feuerwehrhaus Pullach

„Ein gerettetes Leben ist unbezahlbar“

Pullach – Den weltweiten Tag der Wiederbelebung nutzte die Feuerwehr Pullach in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Roten Kreuz zu einem Aktionsabend rund um die Lebensrettung. Allen Interessierten wurde die Technik der Wiederbelebung an Puppen demonstriert. Jeder Besucher konnte dies anschließend selbst üben. Die Verantwortlichen der Feuerwehr in Pullach waren überaus positiv überrascht, wie viele Besucher, darunter auch viele Jugendliche, gekommen waren, um intensiv die wichtigsten Maßnahmen zu üben, ein Menschenleben zu retten. Der älteste Teilnehmer war 84 Jahre alt.

Für Ulrich Rose, Gruppenführer bei der Feuerwehr Pullach und Ausbilder beim Bayerischen Roten Kreuz im Kreisverband Rosenheim, war es ein Anliegen, diesen Tag der weltweiten Wiederbelebung zu nutzen. Auch die Verantwortlichen der Pullacher Wehr mit dem Kommandanten Josef Hofmann und dem Vorstand Josef Feuersinger waren sofort Feuer und Flamme für die Idee.

Es gab keine feste Zeiteinteilung und kein festes Programm an diesem Abend. Jeder konnte zwanglos zu jeder Zeit kommen. Mit Hilfe eines Films und live an einem Wiederbelebungsphantom demonstrierte Ulrich Rose immer wieder die lebenswichtigen Maßnahmen nach einem Herztod. Anschließend konnte jeder an einem Phantom üben.

Ulrich Rose sah das Ziel des Abends für mehr als erreicht an. Denn für ihn ist eines wichtig: „Die meisten Menschen haben Angst, im Notfall etwas falsch zu machen. Diese Angst muss den Menschen genommen werden. Nichts tun ist keine Lösung“. Denn den klinisch toten Patienten könne man durch eine Herz-Lungen-Wiederbelebung wieder ins Leben zurückholen. Rose: „Helfen ist einfach und ein gerettetes Menschenleben ist unbezahlbar.“

Die Herz-Druckmassage bewirkt, dass das Blut wieder zirkuliert und das Gehirn, das Herz und auch die anderen wichtigen Organe wieder Sauerstoff erhalten. Die Maßnahmen selbst sind relativ einfach: Fällt eine Person leblos zu Boden, ist zunächst auf eine mögliche Gefahrenquelle, wie etwa eine Stromquelle, zu achten. Ist der Patient nicht mehr ansprechbar (bewusstlos,) sollte laut um Hilfe für eine Unterstützung gerufen werden. Zehn Sekunden lang wird anschließend die Atmung kontrolliert. Über die Notrufnummer 112 ist der Rettungsdienst zu verständigen. Wichtig ist nun die dauernde Herz-Druck-Massage. Mit einer Frequenz von 100 bis 120 Druckmassagen in der Minute wird auf den Brustkorb in der unteren Hälfte des Brustbeins gedrückt. Der Brustkorb sollte mindestens fünf Zentimeter tief gedrückt werden. Geschulte Helfer führen nach 30 Druckmassagen zwei Beatmungen durch. Diese Maßnahmen werden abwechselnd, bis der Rettungsdienst die Maßnahmen übernimmt, ausgeführt.

Für Eltern und Großeltern standen in Pullach zum Üben außerdem auch ein „Juniorphantom“ sowie ein „Säuglingsphantom“ zur Verfügung.

Zusätzlich gezeigt wurde im Pullacher Feuerwehrhaus die Anwendung eines sogenannten AED, eines Automatisierten externen Defibrillators. Steht so ein Gerät in der Nähe zur Verfügung, wie etwa. im Pullacher Feuerwehrhaus, kann ein weiterer Helfer dieses Gerät holen und einsetzen: Nachdem die Klebeelektroden auf dem Oberkörper des Patienten aufgebracht wurden, analysiert das Gerät die Herzaktivität und ermächtigt den Helfer bei vorhandener Notwendigkeit, einen Schock (Stromstoß) abzugeben. Anschließend wird wieder für zwei Minuten die Herz-Lungen-Wiederbelebung ausgeführt.

Wie „leicht“ diese Maßnahmen sind, zeigte ein junger Besucher an diesem Abend. Basti Seiffert aus Pullach unterstütze mit seinen 13 Jahren immer wieder andere Interessierte engagiert dabei, die Maßnahmen richtig und in der korrekten Reihenfolge durchzuführen. Somit hat die Pullacher Wehr auch im Bereich der Wiederbelebung keine Sorgen, einen guten Nachwuchs aufzubauen.

Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Pullacher Wehr freute sich Ulrich Rose, über den gelungenen Abend. Die Feuerwehr Pullach dankte allen Besuchern des Abends für ihr Engagement. Sie haben damit die Chance, im Notfall richtig reagieren zu können. ur

Die ersten Minuten sind entscheidend

Dass das Herz plötzlich aussetzt, kann jedem Menschen passieren. Ob zu Hause, in der Arbeit, beim Feiern, beim Sport oder einfach mitten auf der Straße. Immer wieder fallen Menschen in eine Bewusstlosigkeit durch ein kritisches Ereignis am Herzen. 50000 bis 100000 Menschen erleiden jedes Jahr außerhalb eines Krankenhauses einen plötzlichen Herztod. Bereits nach drei bis fünf Minuten werden durch den in der Folge auftretenden Sauerstoffmangel die wichtigsten Organe wie Herz, Gehirn, Lunge und Nieren dauerhaft geschädigt.

In Deutschland beginnen in nur 15 bis 20 Prozent der Fälle Laien vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit Wiederbelebungsmaßnahmen. In den meisten europäischen Ländern liegt diese Rate deutlich höher. Dabei sind gerade die ersten Minuten entscheidend. Mit jeder Minute, die ein Mensch mit Herzstillstand unbehandelt bleibt, sinkt dessen Überlebenswahrscheinlichkeit um etwa zehn Prozent. Dabei braucht der Rettungsdienst im Durchschnitt rund acht Minuten, bis er beim Patienten eintrifft. Für den Patienten oft zu spät. Nur rund zehn Prozent der Betroffenen überleben. Viele Menschen könnten jedes Jahr in Deutschland zusätzlich gerettet werden, wenn Ersthelfer sofort mit einer Wiederbelebung beginnen würden.

Es ist also eine Frage des beherzten Eingreifens von Passanten, ob der Patient die kritischen Minuten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überlebt oder nicht.

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