von Redaktion

Eine Vielzahl freilaufender Hühner, ein Erdhügel, der als Vulkan dient oder als „Schlammrutsche“, ein Geheimgang, der zu Kletterbäumen führt – das ist die neue Heimat der „Naturgruppe“ vom Haus der Kinder. Mit einem großen Fest wurde die Einrichtung auf dem Gelände des Biolandhofs Beck ihrer Bestimmung übergeben.

Große Freude bei Frank Deininger, Pfarrerin Birgit Molnar und das Ehepaar Martina und Josef Beck (von links).

Keine Grenzen für den Spieltrieb

Kolbermoor – Schon der Weg zur neuen Heimat der „Naturkinder“ war ein Erlebnis. Neben einer Wiese, auf der sich Tausende freilaufende Hühner tummelten, erreichte man den „Bauwagen“, ein ehemaliger Zirkuswagen und vielleicht der markanteste Punkt der weitläufigen Anlage. Dort hatten sich bereits viele Besucher und natürlich die Hauptdarsteller des Nachmittags, die Kinder, versammelt. Die begrüßten dann auch ihre Gäste mit dem munteren Liedchen „Hallo, wie schön, dass Du da bist“.

Einrichtungsleiter Frank Deininger erinnerte kurz an das „nervenaufreibende Genehmigungsverfahren“, an dessen Ende aber die Einrichtung in der jetzigen Form stand. „Wir sind stolz, dass wir das hier geschafft und unsere erste Naturgruppe gegründet haben. Mit dem großen Grundstück und dem Bauwagen im Rücken, sowie der wichtigen Hilfe der Stadt Kolbermoor und des Kreisjugendamts haben wir dann endlich die Baugenehmigung erhalten.“ Er dankte den vielen Helfern und Unterstützern, vor allem auch der Familie Beck, „dass ihr alle zusammen das möglich gemacht habt“. Natürlich ist das Projekt für ihn und seine Mitarbeiter auch „ein Wagnis“, doch bange ist ihm nicht, weiß er doch ein kompetentes Team mit den beiden Erzieherinnen vor Ort, Silvia Pavic und Caro Müller, hinter sich.

Als Vertreter des Landrats zeigte sich Dieter Kannengießer „glücklich und froh, dass die Naturgruppe jetzt hier auf ihrem Gelände ist“. Als Träger der Einrichtung fungiert die evangelische Heilig-Kreuz-Kirche Kolbermoor und deren Pfarrerin Birgit Molnar, eine der maßgeblichen Unterstützerinnen des Projekts, ist „erleichtert, dass die Gruppe jetzt zuhause ist, denn hier erleben die Kinder den Kreislauf der Natur jeden Tag aufs Neue“. Nach gläubigem Innehalten beim „Vater unser“ segnete sie die Einrichtung mit Weihrauch und einem kurzen Gebet und dann war der Weg frei für die Erkundung des Geländes.

Gruppe ist

voll besetzt

Zusammen mit den Erwachsenen sangen die Kinder „Wunder geschehen“ und mit Silvia Pavic und Caro Müller an der Gitarre sangen die Naturkinder „Der Herbst ist da“. Schnell verteilten sie sich dann auf Grundstück, das sie zusammen mit ihren Gästen, neugierig belebten.

Der Erkundungsmarsch über das rund 4000 Quadratmeter große Gelände machte natürlich hungrig und durstig und dazu waren verschiedene Stände aufgebaut. Neben Würstel und Semmeln gab es Stockbrot zum Selberbacken am Lagerfeuer, Getränke für groß und klein löschten den Durst und für Spiele war reichlich Platz geschaffen worden. Kinderschminken war der Renner und beim Malen mit Naturfarben zeigte sich so manch künstlerisches Talent. Kletterbäume und Schaukel waren stark frequentiert und der Erdhügel von unternehmungslustigen Kindern bevölkert. Für die Besucher waren Tische und Bänke aufgestellt, wo es sich gut essen, trinken und plaudern ließ.

Bei einem Gespräch mit dem Ehepaar Martina und Josef Beck, die den gleichnamigen Bio-Landhof an der Staatsstraße betreiben und die das riesige Grundstück an die Stadt Kolbermoor verpachtet haben, zeigte sich deren soziales Engagement. „Unsere vier Kinder waren schon im Kindergarten Haus für Kinder, wir kennen und schätzen das dortige Personal“. Befreundet sind sie mit dem Leiter der Einrichtung, Frank Deininger, „schon lange“ und unterstützt haben sie seine Aktionen immer wieder, wie beispielsweise bei der alljährlichen „Apfelernte unserer Bäume“.

Als dann Frank Deininger das Projekt einer „Naturgruppe“ ansprach, „waren wir sofort dafür und haben dieses tatkräftig unterstützt und natürlich das Gelände zur Verfügung gestellt. Wir sind so froh, dass das jetzt alles geklappt hat und es macht uns Freude, die Kinder jeden Tag hier sehen zu können“.

Die verantwortliche Erzieherin der „Naturgruppe“, Silvia Pavic, gibt weitere Auskunft zur Zusammensetzung und den Tagesablauf der Gruppe, die momentan 21 Kinder von drei bis sechs Jahren umfasst. „Wir sind voll und integrativ besetzt“, soll heißen, dass auch zwei Inklusionskinder Aufnahme gefunden haben. Der mit dem „Haus für Kinder“ kombinierte Tagesablauf beginnt morgens um 8.30 Uhr mit einer kurzen „Versammlung und Besprechung des Tagesablaufs“.

Nach individueller Brotzeit der Kleinen verteilen sich diese auf dem Gelände und da sind ihnen nur wenige Grenzen gesetzt. Vor allem der Spieltrieb und Unternehmungsgeist werden bei den verschiedenen Stationen angeregt.

Geprägt vom „Vulkan der Feuer spuckt“ und dem Kletterparcours bis hin zu den vielen Obstbäumen, deren Früchte verkostet werden dürfen, finden die Kinder vor allem „Natur“, wie beispielsweise die Eicheln und Kastanien, die gesammelt und mit nach Hause genommen werden dürfen.

„Wir haben hier wenig kommerzielles Spielzeug, legen unser Augenmerk auf Ausflüge, Waldspaziergänge, Besuch von Spielplätzen und grillen Würstchen und Steckerlbrot, backen auch Brot und Kuchen“. Die Zutaten werden von den Kleinen mitgebracht. Natürlich findet auch die tägliche „Turnstunde“ auf dem Gelände statt, „wir sind auch bei Regen fast immer draußen und die Kinder haben ihre Wechselkleidung im Zirkuswagen deponiert“.

Das Vermitteln von Wissen über die Natur steht im Vordergrund dieses außergewöhnlichen Projekts und „die Kinder sind mit Begeisterung dabei. Mittags ist dann wieder Versammlung mit Liedern und Gespräche. Es wird der Vormittag reflektiert – was war gut und was nicht. Dabei werden auch Wünsche und Anregungen der Kleinen aufgenommen, die ab 12.45 Uhr abgeholt werden „oder wir gehen zusammen rüber ins Haus für Kinder zum Mittagessen und bleiben dort, bis die Eltern ihre Kinder wieder abholen“, so Deininger abschließend. hko

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