Kolbermoor – Der Kolbermoorer Baumexperte Jürgen Halder bedauert den Eingriff sehr. Er sei aber nicht vermeidbar, betont er im Gespräch mit unserer Zeitung.
Wie berichtet, brach der Sturm am vergangenen Mittwoch mit brachialer Gewalt über die Stadt herein. Vor allem die uralten Eichen am Friedhofsvorplatz konnten ihm nicht standhalten, weil der Föhnsturm kein „normaler Sturm war“, wie Halder ausführt. Die Eichen am Friedhofsvorplatz seien aufgrund des kiesigen Untergrunds Flachwurzler gewesen. „Tiefer gegründet nach Westen zu“, wie der Baumexperte weiter ausführt. Jetzt zur Besonderheit des Mittwochsturms: Er wütete von Südosten, das Wurzelwerk konnte nicht dagegen halten.
Zudem waren die Bäume dicht belaubt und trugen extrem viele Eicheln – Angriffsfläche genug für den Sturm.
Um der Bevölkerung zu zeigen, wie der Sturm gewütet hat, ließ Halder eigens die mächtigen Wurzelstöcke im Eingangbereich des Friedhofs zu Allerheiligen liegen. „So konnte sich ein jeder ein Bild vom Schaden machen“, führt er aus.
Die Entscheidung, auch die verbleibende Eiche im gepflasterten Bereich des Vorplatzes zu fällen, hat die Stadt zusammen mit der Baumsachverständigen des Landkreises Rosenheim getroffen. Ohne ihre mächtigen „Baumgefährten“ sei sie einem nächsten Sturm fast schutzlos ausgesetzt.
Keineswegs hätten sich nach Aussagen Halders die Bauarbeiten am Friedhofsvorplatz auf die Standfestigkeit der Eichen ausgewirkt. Im Gegenteil: Man habe sehr vorsichtig um die Bäume herum gearbeitet.
Halder erinnert an das ursprüngliche Aussehen dieses Bereichs: Die Eichen seien wohl etwa 1924 am Kriegerdenkmal gepflanzt worden. Zudem standen dort viele Eschen, „einem kleinen Wäldchen gleich“.
Sie fielen in jüngster Vergangenheit dem Eschensterben zum Opfer und mussten entfernt werden. Halder plant nun eine umfangreiche Neupflanzung mit heimischen Bäumen, wie Rotbuche oder Feldahorn – und auch Eichen sollen wieder Platz finden.