Kolbermoor – Der Individualverkehr nehme stetig zu, so Bürgermeister Peter Kloo in der Bürgerversammlung. Deshalb gelte es zu handeln. Die Stadt sieht in einem Radverkehrskonzept eine mögliche Alternative. Kloo: „Das Konzept wird erstellt und es gibt hierzu differenzierte Ansatzpunkte.“ Derzeit läuft die Datenerfassung, die Bürger will man im kommenden Frühjahr beteiligen, im Mai 2019 sollen bei einem Aktionstag „Radverkehr“ Zwischenergebnisse und Entwürfe präsentiert werden. Den Sommer über soll das Konzept ausgearbeitet werden, die Präsentation ist für den Herbst vorgesehen.
Wie der Bürgermeister ausführte, sei der Radverkehr auch ein überregionales Thema. Er verwies in diesem Zusammenhang auf „Radschnellwege“. In der sogenannten Stadt-Umland-Region (SUR) wird derzeit an einer Schnellradverbindung zwischen Stephanskirchen und Feldkirchen-Westerham gearbeitet. Damit will man den überörtlichen Radverkehr fördern, vor allem mit Blick auf die rasante Entwicklung der E-Bikes, die es inzwischen auch ermöglichten, große Strecken schnell zu überwinden.
Beitrag zum
Klimaschutz
Den Radschnellweg wertete Kloo als Beitrag zum Klimaschutz, zur Luftreinhaltung, zur Verkehrssicherheit, zur Gesundheitsförderung und zur Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität der angebundenen Städten und Gemeinden.
Im Zusammenhang mit dem Klimaschutz verwies der Bürgermeister auch auf das Projekt „Mieterstrom am Glasberg“ (wir berichteten). Dies sei ebenfalls ein Beitrag zur Energiewende, zudem würden damit Wohnungskosten gesenkt.
Der Kolbermoorer Mieterstrom spart Mietern durchschnittlich 100 Euro pro Jahr. Die CO2-Emissionen verringern sich um bis zu 35 Tonnen pro Jahr. Der erzeugte Strom werde lokal verbraucht, was die Netze entlaste. Und: „Mieter können an der Energiewende teilhaben!“, unterstrich Kloo.
Abendfüllend könne man über das Thema „bezahlbarer Wohnraum“ sprechen. Laut Kloo bewirtschaftet die Stadt derzeit 300 Wohnungen. Als besonderes Beispiel führte er die Werksiedlung an. 25 Jahre Sanierung konnte man im Herbst dieses Jahres feiern.
Im Zusammenhang mit dem Thema Wohnungsnot ging der Bürgermeister auf die Rätezeit vor 100 Jahren in Kolbermoor ein – „auch damals war Wohnraum Mangelware“. Wie schon beim Festakt für das neue Denkmal für Georg Schuhmann und Alois Lahn an der Tonwerksunterführung unterstrich er, dass Schuhmann und Lahn beileibe keine Revoluzzer gewesen seien, sondern sich uneigennützig für soziale Gerechtigkeit eingesetzt hätten. Unverständlich sei es deshalb, dass sich Ministerpräsident Markus Söder beim Festakt „100 Jahre Freistaat Bayern“ schon fast für den Sturz der Monarchie entschuldigt habe.
Die kleine Kabinett-Ausstellung zur Rätezeit unter dem Titel „Wir haben für unsere Überzeugung gekämpft“ läuft noch bis zum 5. Mai 2019. Sie ist Teil des Projekts „Heimat 1918“, das vom Museumsnetzwerk Rosenheim organisiert wird. Ein umfangreiches Rahmenprogramm läuft zum Thema im Landkreis.