Die Exponate

„Schon heute für morgen sammeln“

von Redaktion

Heimat- und Industriemuseum Kolbermoor seit 20 Jahren in der ehemaligen Post

Kolbermoor – Ausgerechnet auf einen Berliner geht das Kolbermoorer Heimatmuseum zurück: Der Taxifahrer Horst Rivier, redegewandt und überzeugungsstark, sammelte, was das Zeug hielt, und trug alles erst einmal im Keller des Kindergartens an der Bodenseestraße zusammen. Vor rund 20 Jahren, im Oktober 1998 also, konnten die Exponate in das neue Heimat- und Industriemuseum in die ehemalige Post am Bahnhofsvorplatz ziehen. Stefan Reischl, der heutige Vorsitzende des Fördervereins Heimatmuseum, der am 1. April 1987 gegründet worden war, macht in Riviers Sinne weiter: „Wir sammeln heute schon für morgen. Wir können alles brauchen!“

Die Stadt Kolbermoor hatte 1996 das sanierungsbedürftige ehemalige Postgebäude gekauft. Im August 1996 befanden zwei Kunsthistoriker der Landesstelle für nichtstaatliche Museen, dass die Sammlung an Werkzeugen und Dokumenten durchaus als Grundstock für ein Museum geeignet sei. Im Februar 1997 beschloss der Stadtrat, das Gebäude im Rahmen der Städtebauförderung zu sanieren und dem Förderverein zum Betrieb eines Heimatmuseums zu übergeben. Eine kurze Zeit war vorher auch überlegt worden, hier ein Jugendzentrum einzurichten.

Den Umbau leitete der Kolbermoorer Architekt Winfried Wipper. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1922 – und da standen etliche Arbeiten vom Keller bis zum Dach an…

Am 10. Oktober 1998 freute sich dann Kolbermoor auf die feierliche Eröffnung des Museums. Der Tag war gut gewählt: Die Post hatte genau am 10. Oktober 1923, also nochmals 75 Jahre vorher, dieses Haus bezogen. Architekt war der Großvater von Winfried Wipper gewesen. Für Horst Rivier erfüllte sich sein Lebenstraum. Seine Sammlung schenkte er dem Förderverein. Beim „Tag der offenen Tür“ am Tag nach der offiziellen Eröffnung stürmten die Kolbermoorer ihr Museum, das auf 225 Quadratmetern Fläche ihre Geschichte bündelt.

Stefan Reischl ist seit 25 Jahren im Verein, war Zweiter Vorsitzender zur Eröffnungszeit. Er erinnert sich an die Verdienste der frühen Mitstreiter Horst Rivier, Claus und Ursula Hardt, Günther Lodes, Waldemar Schiffmann, Anton Hamberger, Peter Kloo senior, Albert Oeferle und Franz Glas und an die Vorsitzenden der Kolbermoorer Vereine, die Exponate gespendet und die Ausstellung mitgestaltet haben.

Herzstück damals wie heute: die Spinnerei-Abteilung. Zusammengetragen hat sie Anton Hamberger. Der heute 83-Jährige hatte als 13-Jähriger als Hilfsarbeiter angefangen und sich über die Jahre zum Assistenten des Spinnereileiters emporgearbeitet. Als die Schließung 1993 anstand, war Horst Rivier schon häufiger – mit weit geöffneten Armen – zu Besuch in der Spinnerei gewesen. Spinnereileiter Hommers hatte die Aufgabe, Exponate zu geben, an Hamberger delegiert – und der durchforstete (mit Atemschutz) den staubigen Speicher des Bürogebäudes. Er fand Pläne, Rechnungen, Aufstellungen über die Auszahlung des Torfgelds, Inventarlisten, Bilder der Spinnereidirektoren, Rechenschieber und „Werbegeschenke“, den Zeichentisch des Bauführers Koch, ein Doppelspinnrad und eine Mannhardt-Uhr. Er schuf Schauwände (etwa über die freiwilligen sozialen Leistungen der Spinnerei). Die Spinnereimaschinen holte er allerdings aus anderen Betrieben: Beim Abbau etwa der nach Syrien verkauften Spinnerei seien stets Syrer vor Ort gewesen, die gut aufgepasst hätten…

Neben der „Grundausstattung“ gibt es immer auch Sonderausstellungen im Museum zu sehen. Die erste erinnerte an die Gefallenen beider Weltkriege. Weitere Themen waren der große Spinnereibrand 1898, die Notgeldscheine, 150 Jahre Maximiliansbahn, 150 Jahre Sportverein Kolbermoor. Andere hatten die Brücken in Kolbermoor, die Pipeline TAL oder einfach Schwammerl als Thema.

Um das Interesse auch der Kinder an der Stadt und ihrer Geschichte zu wecken lädt das Museum im Rahmen des Ferienprogramms zum Torfstechen und zu Besichtigungen, etwa auch des E-Werks, ein. Besonders freut man sich über den Besuch von Schulklassen. Diese können auch Sonderführungen vereinbaren. Regulär geöffnet (außer in den Schulferien) ist das Museum samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Der Förderverein als Träger des Museums zählt derzeit rund 110 Mitglieder.

Vom Torf über die Spinnerei zu König Ludwig

Im Heimatmuseum wird die Ortsentwicklung von Kolbermoor dokumentiert.

Ausstellungsbereiche sind der Beginn der Industrialisierung im Mangfalltal durch die Eröffnung der Bahnlinie München-Rosenheim-Salzburg und die Ansiedlung der Baumwollspinnerei im Jahr 1860, die Schritte der industriellen Verarbeitung der Rohbaumwolle bis zum fertigen Garn und deren Veredelung, die Entstehung des Torfmoors, dessen Tierwelt, aber auch die Bedeutung des Torfs für den Menschen und die aufstrebende Industrie und das Vereinswesen.

Es gibt eine umfangreiche Sammlung von Arbeitsgeräten für den manuellen und den maschinellen Torfabbau, eine König-Ludwig-II.-Ausstellung, die Arbeiterwohnstube und die Schusterwerkstatt.

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