Kolbermoor – Im März wählte der Stadtrat das Büro für die Erstellung eines Radverkehrskonzeptes für Kolbermoor aus – am 1. Oktober nahm das damals einstimmig beauftragte Institut für innovative Städte (i.n.s.) die Arbeit auf. Erst in der Theorie, und jetzt war der Radwegeplaner Janik Layer zwei Tage lang in Kolbermoor mit seinem Radl unterwegs, um die ganze Stadt abzufahren.
Der Master of Arts in Geografie war mit Zug und Klapprad nach Kolbermoor gekommen. „Das kann ich zusammengeklappt kostenlos mitnehmen“, freute er sich. Er transportierte damit auch sein Gepäck und montierte auch eine Go-Pro-Kamera an die Lenkstange. Mit dieser konnte er bei Bedarf alle fünf Sekunden ein Foto schießen. Zusätzlich hatte er noch eine Digitalkamera dabei („mit der hab ich in den beiden Tagen mindestens 1000 Fotos gemacht, mit dem Go-Pro noch mehr!“). Außerdem hängte er sich einen GPS-Sender um, der ihm dann genau zeigen kann, wo er die Fotos aufgenommen hat.
Seine ersten Eindrücke von Kolbermoor? „Eine schöne Stadt! Radlmäßig wurde schon viel gemacht, aber es ist schon noch sehr viel Potenzial da.“ Am „unwohlsten“ habe er sich in Pullach gefühlt: mit dem kleinen Klapprad auf der Hauptstraße…
Inzwischen ist Janik Layer wieder zurück in Röthenbach an der Pegnitz, dem Sitz des Büros. Jetzt geht es an das Auswerten der ganzen Informationen, die er tapfer radelnd bei Temperaturen um null Grad durch Kolbermoor gesammelt hat.
In das Radwegekonzept fließen dann auch die Ergebnisse einer Analyse ein, die feststellt, welche Strecken in Kolbermoor zu Fuß, per Rad, Auto oder ÖPNV zurückgelegt werden. Anfang 2019 starten die Detailanalyse und auch die Einbeziehung der Bürger. Martin Korndoerfer, der Klimaschutzmanager der Stadt, der das Konzept koordiniert: „Im Rathaus werden Pläne aushängen, und da kann man dann genau dazuschreiben, welches Problem es wo gibt.“ Vom Frühjahr bis in den Herbst wird die Stadt auch Briefe zur Bürgerbefragung verschicken. Er bittet, diese Briefe sorgfältig zu beantworten und zurückzuschicken: „Je mehr Teilnehmer wir haben, umso repräsentativer wird es.“
Am 24. Mai – das steht schon fest – wird es einen Infotag in Kolbermoor zum Radlschnellweg geben. Man komme am Rad nicht vorbei, wenn man eine nachhaltige Lösung für den Nahverkehr suche, so Korndoerfer. „Mit der E-Mobilität sind auch 15 Kilometer schweißfrei möglich.“ Kolbermoor mit den kurzen Entfernungen nach Rosenheim und Bad Aibling sei hier ideal gelegen.
Die Überlegungen zu den Radschnellwegen fließen in das Konzept ebenso ein wie die Ergebnisse aus dem ISEK-Stadtentwicklungskonzept. Thiemo Graf, der Projektleiter bei i.n.s., war auch schon in der Jury für den städtebaulichen Wettbewerb um das Bahnhofsareal in Kolbermoor dabei und konnte so sein Augenmerk auf die Situation der Radfahrer bei den einzelnen Entwürfen richten.
Wenn alles gut läuft, sind die ersten Verbesserungsmaßnahmen ab Juni möglich: das Absenken von Bordsteinen, eine bessere Beschilderung (etwa bei Sackgassen, die für Radlfahrer aber durchgängig sind) oder das Markieren von Schutzstreifen.
Für das Radwegekonzept werden bis zu 40000 Euro ausgegeben werden. 40 Prozent davon übernimmt der Bund im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative. Mit diesem Klimaschutzteilkonzept soll die nachhaltige Mobilität gefördert werden.