Hörgenuss nach historischem Vorbild

von Redaktion

Interview Diözesanmusikdirektor Gerald Fischer über die Kolbermoorer Orgel

Herr Fischer, als Diözesanmusikdirektor sind Sie für die Kirchenmusik in der gesamten Erzdiözese München und Freising zuständig. Welche Aufgaben haben Sie in dieser Position?

Tatsächlich kann man bei der Kirchenmusik hier von einer Gesamtaufgabe sprechen. Einerseits habe ich die Fachaufsicht über alle Kolleginnen und Kollegen in den Pfarreien, das bedeutet neben den hauptamtlichen auch die nebenamtlichen Kirchenmusiker zu betreuen und sie vor allem im Fortbildungsbereich zu versorgen. Auch bin ich als Vermittler tätig, sollte es zwischen Kirchenmusiker und Gemeinde einmal `kneifen`. Nebenbei bin ich auch noch als Glockensachverständiger tätig. Insgesamt kann man bei meinem Beruf von einem Bürojob sprechen, umso mehr freue ich mich natürlich auf die kommende Orgelweihe.

Sie haben es schon angesprochen: Am 16. Dezember steht in Kolbermoor das große Fest der Orgelweihe an. Sie haben sich bereit erklärt, bei der Festmesse Chor und Orchester zu dirigieren. Übernehmen Sie diese Aufgabe gerne?

Vor allem handelt es sich bei dem in Kolbermoor aufgeführten Werk um eine sehr interessante Messe, die extra aus historischen Gründen ausgewählt wurde. Da man diese nur sehr selten hört – mir persönlich ist nur eine Aufführung im Münchner Liebfrauendom bekannt – ist es auch für mich eine sehr reizvolle Aufgabe, in die ich mich auch erst einmal hineinarbeiten musste. Außerdem ist es eine willkommene Gelegenheit, abseits der üblichen kleineren Besetzungen auch einmal mit einem symphonischen Orchester in der Kirche zu arbeiten.

Nun wird eine Orgel ja nicht alle Tage eingeweiht. Inwiefern ist die Weihe in Kolbermoor für Sie besonders?

Es handelt sich bei dieser Orgel um ein Instrument, das uns klanglich in eine Zeit zurückführt, aus der heute nicht mehr viel erhalten ist. Das liegt vor allem daran, dass man bis vor einigen Jahren auf romantische Orgeln eher herabgesehen hat. Die Wiederentstehung des historischen Vorbildes ist da schon eine Besonderheit. Bemerkenswert ist aber auch die Tatsache, dass es in Kolbermoor ab der Weihe zwei herausragende Orgeln geben wird. Ich kann da der Gemeinde und auch dem Kirchenmusiker Gerhard Franke nur gratulieren, die diese beiden kosten- und aufwandsintensiven Projekte so durchgezogen hat.

Sie spielen damit auf die Orgel an, die in der Pfarrkirche Wiederkunft Christi seit einigen Jahren in Betrieb ist. Mit dem „Orgelmittwoch“ hat sich dort sogar eine regelmäßige Konzertreihe etabliert. Wie beurteilen Sie als Kirchenmusiker den Spagat zwischen geistlicher Umgebung und weltlicher Musik?

Das kann man meiner Ansicht nach nicht loslösen, denn bei Orgeln diktiert ja der Raum schon ein wenig, was genau ich darauf spiele. Natürlich kann ich viele weltliche Werke ganz hervorragend auf einer Orgel intonieren – beispielsweise die Musik aus „Phantom der Oper“. Handelt es sich aber um eine Kirchenorgel, gehört für mich der geistliche Hintergrund einfach dazu, auch wenn dieser nur in einer kleinen Einordnung, einer Hinführung an das Werk aus geistlicher Sicht besteht. Dennoch bin ich davon überzeugt: Die neue Orgel wird im konzertanten Leben Kolbermoors eine Rolle spielen, auch wenn der Raum, in dem sie steht, vielleicht eine geringe Einengung des spielbaren Programmes bedeutet.

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