Kolbermoor – Nach jahrelanger Vorarbeit und sechsjähriger Planungs- und Bauphase steht die neue Orgel in der Stadtpfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit kurz vor der Vollendung. Seit Juli (wir berichteten) arbeiten Orgelbauer Johannes Führer und sein Team auf der Kirchenempore am Aufbau des nach dem historischen Vorbild aus dem 19. Jahrhundert gestalteten Instruments.
Dabei ist die Orgel selbst beileibe kein „Rückschritt“ in alte Zeiten, sondern verbindet in Ausstattung die Standards modernster Handwerkskunst mit althergebrachten Techniken. Insgesamt 19 der künftig 33 Register wurden in monatelanger Feinarbeit aus dem historischen Bestand ausgesondert, restauriert und für das neue Instrument wiederverwendet.
Der übrige Teil wurde nach historischen Vorbildern und Mensuren – den überlieferten Pfeifenmaßen – nachgebaut. Für den Spieltisch und die Fassung des Orgelgehäuses wurden ebenso zeitgenössische Vorlagen und Farbtechniken mit einbezogen. Zügig gingen nach allen nötigen Vorarbeiten der Aufbau der Orgel sowie ihre klangliche Intonation über die Sommermonate vonstatten. Obgleich teilweise mehrere Arbeitsschritte zwischen Orgelbauern, Intonateur, Kirchenmaler, Kunstschmied, Zimmerer und Elektriker koordiniert werden mussten, wurde der Zeitplan dabei reibungslos eingehalten. Die fachkundige Begleitung durch die Vertreter der Pfarrgemeinde und Kirchenstiftung, allen voran Kirchenpfleger Georg Schilp und Kirchenmusiker Gerhard Franke, zahlte sich hierbei mehr als einmal aus. Doch kann ein solches Projekt, das von Natur aus mit hohen Kosten verbunden ist, nicht ohne die Unterstützung der gesamten Gemeinde und Bevölkerung gestemmt werden. Die Tatsache, dass nur wenige Jahre nach dem Orgelneubau in der Pfarrkirche Wiederkunft Christi abermals ein umfangreiches, größtenteils spendenbasiertes Projekt verwirklicht werden konnte, spricht sehr für die vielen Kolbermoorer Bürger, die an der kulturellen Entwicklung ihrer Heimatstadt interessiert sind. Diese Spendenfreudigkeit steht in guter Tradition, wurde doch bereits das historische Vorbild aus den 1860er-Jahren mehrheitlich durch die Ortsbevölkerung finanziert. Besonders dankbar ist die Kirchenstiftung neben allen Einzelspendern den Mitgliedern des „Orgelfonds“ der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit sowie den vielen Pfeifenpaten, die zusammen eine nicht unerhebliche Summe zur Gesamtfinanzierung beigetragen haben.
Namen sind
eingraviert
Die Namen sind, soweit gewünscht, auf den entsprechenden Pfeifen eingraviert und werden hoffentlich für lange Zeit als sichtbares Zeichen der Unterstützung verbleiben. Neben der Erzdiözese München und Freising würdigte auch der Kolbermoorer Stadtrat die Bedeutung der Orgel für die Stadtgeschichte mit einem Zuschuss. Für die Restfinanzierung hofft man nun noch auf Spenden bei den Feierlichkeiten und Konzerten, die die Orgelweihe begleiten und gleich mehrere musikalische Höhepunkte beinhalten.
So wird beim Einweihungsgottesdienst am Sonntag, 16. Dezember um 10 Uhr mit der „Festmesse“ des Breslauer Domkapellmeisters Moritz Brosig ein selten gehörtes Werk erklingen, das aus der Gründerzeit der Kolbermoorer Kirche und Orgel stammt. Chöre und Orchester der Stadtpfarreien haben diese Messe in den vergangenen Monaten eigens einstudiert.
Um 16 Uhr folgt dann das Einweihungskonzert, in dem Kirchenmusiker Gerhard Franke zum Klangbild der Orgel passende Werke der Deutschen Orgelromantik von Mendelssohn, Rheinberger und Karg-Ehlert intonieren wird.
Als Höhepunkt erklingt die berühmte Choralfantasie „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ von Max Reger. Der Eintritt zu diesem Konzert ist frei. Ein besonderes Glanzlicht soll weiter das Weihnachtskonzert werden, zu dem sich mit den Kolbermoorer Kirchenchören, dem Ensemble „pizzicato“, dem Jakobus-Chor Bad Endorf und dem pizzicato-Orchester über 100 Mitwirkende zusammengefunden haben. Auch im Mittelpunkt dieses Konzertes steht Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy, das „Magnificat“ D-Dur sowie die Kantate „Vom Himmel hoch“. Den selben Titel trägt auch eine Kantate von Max Reger, die das Programm abrundet. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildet dann ein weiteres Orgelkonzert am 6. Januar 2019 um 16 Uhr mit dem Salzburger Domorganisten Professor Dr. Heribert Metzger. Bei aller Feierstimmung besinnt sich die Pfarrgemeinde angesichts der Fertigstellung der Orgel auch all derer, die unter großer persönlicher Aufopferungsbereitschaft das historische Vorgängerinstrument und alle Restaurierungen und Umbauten finanziert und so 150 Jahre Kirchenmusik in der Pfarrkirche ermöglicht haben.
Charme
und Charakter
Durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten, das Können der Orgelbauer und Handwerker, den Sachverstand der Fachleute und die Begeisterung und Spendenbereitschaft vieler Orgelfreunde ist nun ein weiteres wundervolles Instrument wiederentstanden, welches nicht nur für sich steht, sondern auch ein ausgewogenes Pendant zur „Schwesterorgel“ in Wiederkunft Christi darstellt. „Jede der beiden Orgel trägt mit ihrem Charakter und Charme zum Reiz der ,Orgelstadt‘ Kolbermoor bei“, ist sich Gerhard Franke sicher.
Der Kirchenmusiker erinnert sich in diesem Zusammenhang auch an einen Ausspruch des Orgelsachverständigen der Erzdiözese, Professor Friedemann Winklhofer, der schon 1993 den Wunsch äußerte, dass „dieses schöne Gotteshaus über ein entsprechendes Orgelwerk verfügen soll, das allen liturgischen Anforderungen gerecht werden kann.“ Dieser Wunsch wird am 16. Dezember tatsächlich in Erfüllung gehen.sel