Kolbermoor – Was früher, als noch vor einigen Jahren, schlimmstenfalls hinter vorgehaltener Hand geflüstert wurde, sei heute wieder salonfähig geworden. Levin: „Rechte Parolen werden an den Stammtischen gegrölt, Ausdrücke wie Neger, Jud, Zigeuner werden offen und lautstark benutzt, die damit verbundenen Vorurteile ungeniert proklamiert.“ Quer durch alle Geselllschaftsschichten habe sich rechts-braunes Gedankengut wieder breitgemacht. Mindestens genauso schlimm sei demgegenüber die Gleichgültigkeit in der Gesellschaft: „ich merke schon, wie wieder mehr oder weniger versteckt die Augen gerollt werden, aufgestöhnt wird, ob meiner drastischen Wortwahl – aber die kann in diesem Fall gar nicht drastisch genug sein.“ Sie könne sich nur der Erkenntnis ihrer Oma anschließen, die stets sagte, sie hätte nie geglaubt, dass sie sowas erleben werde. Deshalb Levins Aufruf: „Seid wachsam und sensibel, deckt die Machenschaften auf, kommt ins Gespräch, duckt euch nicht weg und schweigt nicht!“
Die Schatten der Kommunalwahl 2020 sah Josef Krug, Sprecher für die CSU-Fraktion, schon aufsteigen. Deshalb seine Bitte, dass die Umgangsformen und der gegenseitige Respekt nicht unter übertriebenen politischen Ehrgeiz leiden mögen. Ein wichtiges Signal, dass das Thema bezahlbarer Wohnraum in Kolbermoor nicht außer Acht gelassen werde, werde durch das städtische Wohnhaus am Glasberg gegeben. Gespannt dürfe man ebenfalls sein, wie der neue Ortsteil auf dem ehemaligen Conradty-Gelände von den Bürgern angenommen werde. Fortschritte sehe man auch am Bahnhof. Jetzt bestehe Hoffnung auf Fertigstellung in 2019. Pullacher wie auch Kolbermoorer Feuerwehr werden zur Freude aller auf neuesten Stand gebracht.
Allen Stürmen der Zeit hielt das Kriegerdenkmal am Friedhofsvorplatz stand. Dieser sei jetzt zwar optisch sehr viel ärmer, „aber Bäume wachsen nach und das Kriegerdenkmal hat sowohl Planung, Baumaßnahme als auch die Herbststürme überstanden“, so Krug.
Reden müsse man im neuen Jahr nicht nur über weitere Maßnahmen im Klimaschutz – hier der verstärkte Einsatz von regenerativen Energien, reden müsse man auch über die Ernennung eines Bürgermedaillenträgers. „Hierfür gibt es unserer Sicht nach einen geeigneten Kandidaten.“
Georg Kustermann, Sprecher Grüne Liste Kolbermoor, griff tief in die Zitatekiste: So bemühte er unter anderem den amerikanischen Schriftsteller Erskine Preston Caldwell, den Kaberettisten Dieter Hildebrand, Altkanzler Helmut Schmid, Senator Edward Kennedy oder Konrad Adenauer. Er bedauerte, dass sich die Bundesregierung mehr mit sich selbst als mit Sachthemen befasse.
Hinsichtlich der Herausforderungen und Probleme vor Ort forderte er in Sachen Brenner-Nordzulauf einen vorläufigen Planungsstopp. Zudem seien gerade innerorts durchdachte Konzepte zur Trennung von Fuß-, Rad- und Autoverkehr gefragt. Kustermann mahnte insgesamt mehr Nähe zu den Bürgerinteressen an: „Wir sind als Vertreter der Bürger gewählt!“
Stefan Reischl erinnerte für die Parteifreien Kolbermoor an das 2018 Geleistete: unter anderem die Fertigstellung des Karl-Daniels-Parks, des Friedhofsvorplatzes, des Kriegerdenkmals, des Denkmals zur Erinnerung an Georg Schuhmann und Alois Lahn oder die Sanierung der Werksiedlung, die seit 25 Jahren läuft und 2019 vor dem Abschluss steht. Auch der Bahnhof könne im nächsten Jahr bezogen werden. Harsche Kritik gab es für die Verantwortlichen der Bahn, die ja – wie berichtet – die für den Ausbau der Tonwerksunterführung erforderliche Sperrung quasi über Nacht verschoben haben. Reischl: „Gut, dass jüngst auch die Bundesregierung auf diese Probleme, die es offensichtlich in der Organisation dieses Unternehmens gibt, aufmerksam geworden ist. Das ist eine Tatsache, die Kommunalpolitiker seit Jahren kennen.“ Reischl würdigte, ebenso wie seine Stadtratskollegen, das ehrenamtliche Engagement so vieler Bürger – von den Sportvereinen bis hin zur Bürgerinitiative zum Brenner-Nordzulauf. Sonja Weczerek, Die Republikaner, hofft bei den für 2019 vorgesehenen Bauvorhaben auf „Verständnis und Geduld der Bürger.“ Die Stadt werde dadurch schöner und attraktiver.
Bürgermeister Peter Kloo blickte in seinem Schlusswort auf die Geschehnisse rund um 100 Jahre Freistaat Bayern, auf die bewegte Zeit des Volksrats in Kolbermoor, die mit der brutalen Ermordung von Alois Lahn und Georg Schuhmann an der Tonwerksunterführung endete. „Diese Menschen haben für ihre Überzeugung mit dem Leben gezahlt“, gab er zu bedenken. Entschieden sprach er sich dafür aus, die kommunale Daseinsvorsorge vor immer größer werdenden staatlichem Eingriff zu verteidigen, „damit eine starke Stadtgesellschaft funktionieren kann“.