Rosenheim – Die meisten Menschen freut`s, das Feuerwerk an Silvester. Doch für Tiere ist das Geböller Stress pur. Was können Herrchen und Frauchen tun, damit Hund und Katze um Mitternacht nicht durchdrehen? Andrea Thomas, Vorsitzende des Tierschutzvereins Rosenheim, weiß Rat.
Warum reagieren Tiere eigentlich so empfindlich auf Lärm und Lichter der Silvesternacht?
Weil sie viel besser hören, sehen und riechen. Sie empfinden die Lautstärke viel intensiver als wir Menschen. Hunde hören etwa acht- bis zehnmal besser als wir und in anderen Frequenzen. Eine Katze hört etwa dreimal besser als der Mensch, auch speziell in den höheren Frequenzbereichen. Deshalb reagieren Hunde und Katzen sogar schon verstört mit weit aufgerissenen Augen, wenn weit entfernt von ihnen – etwa beim Sommerfestival oder beim Herbstfest – ein Feuerwerk gezündet wird. Die Silvesterböllerei ist für sie einfach immer die Hölle. Es gibt kaum ein Tier, das den Krach unbeeindruckt lässt.
Was können Tierhalter vorbeugend tun?
Schon tagsüber den Hund, der sonst beim Gassigehen frei laufen darf, an der Leine halten. Denn die ersten Böller werden bekanntlich versuchsweise schon Stunden vor Mitternacht gezündet. Auch dann kann es schon dazu kommen, dass Hunde in Panik geraten, sich losreißen und in Todesangst flüchten – im schlimmsten Fall auf eine Straße. Mindestens eine Stunde vor Mitternacht sollten Halter ihre Tiere einsammeln und ihnen im Haus einen geschützten Raum anbieten: ein Zimmer, in dem die Rolläden heruntergelassen werden, ein Keller, in den der Lärm nicht so hineindringen kann und die Lichter nicht zu sehen sind. In Apotheken gibt es außerdem auch für Tiere Bachblütenmischungen, die beruhigend wirken können. Bei manchen funktionieren sie ganz gut, andere sprechen nicht darauf an. Doch es lohnt sich, es einmal zu versuchen. Leider lassen viele Halter, weil sie auswärts feiern gehen, ihre Tiere an Silvester allein oder übergeben sie zur Aufsicht fremden Personen. Das stresst zusätzlich. Ganz verhindern kann man es aber nicht, dass die Tiere verschreckt reagieren: Als Halter sollte man ruhig bleiben, sich nichts anmerken lassen.
Werden im Tierheim an Silvester vermehrt vor Schreck entlaufene Tiere versorgt?
In der Tat, in diesem Jahr haben wir uns sogar entschlossen, weitere Ehrenamtliche als Unterstützung für unser Team in den Dienst aufzunehmen. Rund um Silvester werden in der Regel doppelt so viele Fundtiere abgegeben wie an einem normalen Wochenende. Wir rechnen mit acht bis zehn Fundtieren und vielen Anrufen von Menschen, die ein hilflos herumirrendes Tier entdeckt haben oder ihre entflohene Katze suchen. Interview: Heike Duczek