„Nichts verkitschen!“

von Redaktion

Interview Marianne Heidenthaler über das Brauchtum

Kolbermoor – Es geht ums „Nachhakeln“ und ums Dranbleiben am bayerischen Brauchtum – so beschreibt Marianne Heidenthaler ihre Aufgabe als Leiterin des Sachgebiets Mundart, Brauchtum, Laienspiel im Gauverband I. An diesem Wochenende treffen sich fast 50 Brauchtumswarte in Kolbermoor zur Jahrestagung.

Frau Heidenthaler, legen Brauchtumswarte fest, was Brauchtum ist?

Nein. Aber wir steuern dagegen, dass Brauchtum nicht verkitscht. Denken Sie nur an unseren Nikolaus und den in Bayern mehr und mehr um sich greifenden Weihnachtsmann. Vieles wird inzwischen amerikanisiert, das ist sehr schade und erfordert schon unsere Aufmerksamkeit. Hier helfen Gespräche mit älteren Menschen, wie bayerische Tradition genau überliefert wurde und wie wir sie künftig erhalten können.

Deshalb auch der jährliche Erfahrungstausch mit den anderen Brauchtumswarten im Gauverband I?

Genau. Zum einen besprechen wir aktuelle Themen, zum anderen bieten wir den Brauchtumswarten aber auch Termine für Fortbildungsmöglichkeiten zu den Themen Mundart, Brauchtum und Laienspiel an. Und dann geht es auch darum, das jeweilige Brauchtum in den Heimatorten kennenzulernen, in Kolbermoor zum Beispiel den Schäfflertanz. Den gibt es nur alle sieben Jahre zu bewundern. Da ist es nur selbstverständlich, das Treffen in der Mangfallstadt abzuhalten. Diese Tradition wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Zum Thema Mundart: Verflüchtigt oder festigt sich die bayerische Mundart?

Bayerisch ist sehr im Trend. Viele junge Menschen tauschen sich im Netz auf bayerisch aus. Das finde ich natürlich „guad“. Und gerade im ländlichen Bereich haben sich die unterschiedlichen Dialekte gefestigt und werden im Sprachgebrauch wieder lebhaft angewandt.

Wie fördern Sie in den Vereinen die bayerische Mundart?

Wir lassen etwa alte, überlieferte Wörter, Redewendungen und Begriffe wieder aufleben, zeigen regionale Unterschiede in Aussprache und Betonung auf, Grüßen auf bayerisch, lernen Abzählreime und Gedichte, halten Leseabende in Mundart oder singen Mundartlieder. Und, Sie werden lachen, bayerisch lässt sich auch gut lernen, wenn man sich Witze erzählt.

Apropos lebhaft: Es festigt sich der Eindruck, dass die Trachtenvereine wieder mehr Zulauf verzeichnen können.

Das liegt wohl an der guten Arbeit der Führungskräfte in den Vorstandschaften der über 110 Vereine im Gauverband. Junge Leute wollen begeistert werden und auch irgendwo dazugehören – und das gelingt ganz gut.

Trachtenvereine sind altbacken – ein überholter Vorwurf?

Unbedingt. Wir Trachtenvereine sind nicht altbacken, wir überliefern Werte, erhalten sie und tragen diese so in die Zukunft. Wir machen Brauchtum erlebbar – und das zieht, wie man sieht, vor allem junge Leute wieder verstärkt an. ge

Begeistert vom Brauchtum

Marianne Heidenthaler ist seit fünf Jahren Sachgebietsleiterin für Mundart, Brauchtum und Laienspiel im Gauverband I. Die 61-Jährige aus Fridolfing ist verheiratet, hat vier Kinder und vier Enkelkinder, die sich natürlich alle für das bayerische Brauchtum begeistern.

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