Wirbel um das Grab von Alois Lahn

von Redaktion

Auf dem Alten Friedhof sucht man das Grab von Alois Lahn vergebens. Wie sich jetzt herausstellte, wurde die Grabstelle im Sommer aufgelöst. Die Stadt will dem jungen Mann, der in den letzten Tagen der Revolution in Kolbermoor ermordet wurde, jetzt ein Ehrengrab widmen.

Kolbermoor – Wie Christian Poitsch vom Stadtmarketing Kolbermoor bestätigte, soll Alois Lahn ein Ehrengrab erhalten. Am Grabstein von Georg Schuhmann will man symbolisch eine Gedenktafel anbringen. „Dann sind die beiden wieder zusammen“, sagt Poitsch im Gespräch mit dem Mangfall-Boten.

Steinmetz prüft

Möglichkeiten

Noch vor dem 4. Mai, dem Tag der Ermordung Lahns und Schuhmanns 1919, soll die Tafel angebracht werden. Dazu hat die Stadt jetzt grünes Licht gegeben. Denn es braucht die Zustimmung der Eigentümer des Grabes, in dem Fall die Stadt selbst. Sie ist schon seit Jahren Eigentümerin des Schuhmann-Grabes – „in Würdigung seines Stellenwerts in der bayerischen Geschichte“. Derzeit prüft Poitsch mit einem Steinmetz „was möglich ist“.

Nach Poitschs Angaben hat die letzte Eigentümerin – sie lebt in Niederbayern – das Grab schon im Sommer aufgelöst. Aufgrund von Nachfragen einiger Bürger, die nach dem Besuch der Ausstellung im Kolbermoorer Rathaus „Wir haben für unsere Überzeugung gekämpft“ auch die Gräber von Schuhmann und Lahn besuchen wollten, habe sich herausgestellt, dass es die Grabstätte Lahn nicht mehr gibt, der Grabstein entfernt worden sei.

Im Rahmen der Recherchen wurden zwischenzeitlich sogar Zweifel laut, ob Alois Lahn überhaupt im Lahn-Grab auf dem Alten Friedhof bestattet worden ist. Wie Historiker Andreas Salomon ausführte, wäre es durchaus denkbar, dass beide im Schuhmann-Grab ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Wie berichtet, war die Anteilnahme in der Bevölkerung an der Beerdigung des Volksrats und seines Sekretärs immens.

„Das wäre schon möglich“, so Salomon nachdenklich. Letztlich gehe es jetzt aber darum, an Alois Lahn angemessen und stilvoll zu erinnern – gerade im Rahmen der großen Veranstaltungsreihe „Heimat 1918“. Wie berichtet nimmt die Stadt Kolbermoor in der bayerischen Geschichte einen Sonderstatus ein, haben doch Georg Schuhmann und Alois Lahn in der „letzten roten Bastion“ Revolutionsgeschichte geschrieben.

Die Ausstellung „Wir haben für unsere Überzeugung gekämpft“ läuft noch bis Mai 2019 und ist im Kolbermoorer Rathaus zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Auf eindringliche Weise wird damit an die Zeit der Räterepublik und deren blutige Niederwerfung in Kolbermoor erinnert.

Dort hatte sich – bedingt durch die große Baumwollspinnerei – schon früh eine Arbeiterbewegung etabliert. Bereits für den 11. November 1918 hatte die SPD eine Volksversammlung im Mareissaal zur Wahl des ersten Kolbermoorer Volksrates einberufen.

Sechs Wochen später wurde der 33-jährige Schuhmann zum Vorsitzenden gekürt. Im Begleitheft zur Veranstaltungsserie „Heimat 1918“ wird das schreckliche Ende der beiden eindringlich dargestellt: „Man schreibt Sonntag, den 4. Mai 1919. Es ist gegen 9 Uhr früh, als Weißgardisten die Wohnungen von Georg Schuhmann, des Kolbermoorer Volksratsvorsitzenden, und seines Sekretärs Alois Lahn stürmen. Türen werden eingetreten, Mobiliar wird zertrümmert, es wird geplündert und geprügelt. Brutal zerren die Freikorpsler die ,Roten‘ aus ihren Betten und schleifen sie zur Tonwerksunterführung, wo die beiden Genossen ermordet werden.“

Im November des vergangenen Jahres wurde das von Josef Still neu gestaltete Denkmal an der Tonwerksunterführung neu installiert. Dabei verwies Bürgermeister Peter Kloo auf die dramatischen Stationen dieser bewegten Tage in Bayern. „Und auch, wenn der bayerische Ministerpräsident Markus Söder glaubt, er müsste sich noch heute bei den Wittelsbachern dafür entschuldigen, dass Bayern durch die Revolution die Monarchie abhanden kam, so waren es doch Kurt Eisner und Gustav Landauer, die den Grundstein für eine soziale Entwicklung des Freistaats gelegt haben“, sagt er.

Und auch in Kolbermoor seien es Männer wie Franz Sperber und Georg Schuhmann gewesen, die sich dafür einsetzten, die Not der Arbeiterschaft zu mindern und eine sozialere, gerechtere Gesellschaft zu entwickeln. „Dieses Denkmal wird uns alle überdauern“, sagte Kunstschmied Sepp Still vor den Honoratioren der Stadt und vielen geschichtsinteressierten Kolbermoorer Bürgern.

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