Ein Schatz – oder kann das weg?

von Redaktion

Alte Karten, Tagebücher, Ausweise: Das Heimatmuseum initiiert eine „Kunst und Krempel“-Aktion und lädt die Bürger ein, ihre Dachböden zu durchforsten. Die gefundenen Objekte werden untersucht und gelangen vielleicht in eine Vitrine des Museums.

Diesen alten Krug fand Hans Ziegler im Keller.

Kolbermoor – Der Krug ist leicht, leicht beige und mehrmals angstoßen. Darauf steht „1. Compagnie 2. Jäger-Bataillon Aschaffenburg“. „Aschaffenburg?“, fragte sich der Kolbermoorer Hans Ziegler, als er den Krug in seinem Keller gefunden hat. „Was haben ich oder meine Familie mit Aschaffenburg zu tun?“

Alter Krug erzählt Familiengeschichte

Aber ein Experte brachte Licht in die dunkle Krug-Geschichte: „Er stammt von 1907, hat meinem Ur-Großvater gehört und der hat ihn in Aschaffenburg bekommen“, erzählt der Kolbermoorer. Jetzt, mit diesem Wissen, erzählt das Gefäß eine Geschichte – Zieglers Familiengeschichte. Diese Art von Geschichten vermutet der Kolbermoorer auch in anderen Familien.

Deshalb startet Ziegler, Mitglied des Fördervereins „Heimat- und Industriemuseums Kolbermoor“, mit anderen Hobby-Historikern am kommenden Sonntag eine Art „Kunst und Krempel“-Aktion im Heimatmuseum. Das heißt: Die Bürger durchforsten Keller, Dachboden, verstaubte Pappkartons, alte Lederkoffer und stoßen auf etwas, was ihnen alt erscheint – und vielleicht etwas mit der Kolbermoorer Stadtgeschichte zu tun hat. „Wir können beim Entziffern der alten Schreibschrift helfen und das Gefundene einordnen“, sagt Ziegler.

Das können alte Postkarten, Ausweise, Fotografien oder auch ein Kochlöffel sein. Ein Kochlöffel? Aufhänger dieser „Kunst und Krempel“-Aktion ist die Schau „Sanierungsanstalt Rosenheim“, die ab kommenden Sonntag im Heimatmuseum in Kolbermoor zu sehen ist. „Wir haben Dokumente, aber nichts Konkretes wie eine Tasse oder eben einen Kochlöffel auf dem vielleicht Sanierung steht“, sagt er.

Und deshalb soll mithilfe der Bürger die Schau wachsen. Ziegler will eine Vitrine aufstellen – und darin steht „An dieser Stelle könnte Ihr Objekt stehen“, erzählt er gegenüber unserer Zeitung. Ziegler und seine Experten-Kollegen sind keine Wissenschaftler –„wir interessieren uns für alte Sachen, ich für Dokumente und Karten, mein Kollege Michael Oberndorfner für Militaria.“

Und wenn etwas gebracht wird, was nicht nur für die Stadt von höchster Bedeutung ist, wie Postkarten oder Bilder, sondern vielleicht ein Gemälde aus dem 17. Jahrhundert oder eine Teekanne aus einer bedeutenden Porzellan-Manufaktur? „Dann schicken wir die Leute zu Experten nach München“, sagt Ziegler.

Ziegler ist wichtig, dass die Kolbermoorer nichts „Altes“ in die Mülltonne werfen. „Wenn man sich unsicher ist, können sie es ins Heimatmuseum bringen.“ So gelange man an Material hinsichtlich der Stadtgeschichte – „und erfährt so Geschichten“, ist er überzeugt.

Ziel der Aktion, die erstmals im Heimatmuseum stattfindet, ist es, „einen Service zu bieten: Was habt ihr, was wir ausstellen könnten?“ Und wer weiß, vielleicht bringen die Bürger Puppen, Tagebücher, Ausweise – oder den Kochlöffel. Diese Dinge könnten Geschichten erzählen – genau wie der leichte, beigefarbene Krug von Zieglers Urgroßvater.

Ausstellung

Alles rund um die „Sanierungsanstalt Rosenheim“ zeigt das Kolbermoorer Heimatmsueum ab Sonntag, 20. Januar, (bis 5. Mai). Ab 14 Uhr können die Kolbermoorer auch ihre „Schätze“, wie alte Tagebücher, Fotos, Ausweise mitbringen. Sie werden dann von den Hobby-Historikern eingeordnet – und gelangen vielleicht ins Heimatmuseum.

Artikel 3 von 8