Kolbermoor – Kolbermoor 1919: Der Krieg ist vorbei und in der Mangfallstadt gründen einige Frauen die „Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands“ (KFD) in Kolbermoor – heuer feiern die 182 Damen, die zwischen Mitte 30 und Mitte 90 Jahre alt sind, 100 Jahre KFD in Kolbermoor. Was den Frauenbund ausmacht, gegen welche Vorurteile die Frauen ankämpfen und was sie verändern wollen, verrät Martina Mauder (45), die vor genau zehn Jahren zur Kolbermoorer Frauengemeinschaft kam und dort mittlerweile als Schriftführerin tätig ist und das Presseamt innehat.
Frau Mauder, was macht die KFD in Kolbermoor so besonders?
Wir sind ein vielfältiger Verband von Frauen mit vielen Lebensgeschichten und -entwürfen. Die Interessen sind breit gefächert und deshalb freuen wir uns, wenn wir uns treffen. Es sind sehr viele Freundschaften entstanden.
Wie sind Sie dazugekommen?
Ich wurde vor elf Jahren gefragt, ob ich zum 90. Geburtstag der KFD Kolbermoor eine Powerpoint-Präsentation machen könnte. Dann bin ich hängengeblieben – und darüber bin ich froh.
Hängengeblieben? Hatten Sie Vorurteile?
Oh ja, ich habe gedacht, dort sind ältere Frauen, die gemeinsam stricken. Aber so ist es nicht. Es ist eine wirklich coole Sache.
Was sind die Ziele?
Wir wollen die Anliegen der Frauen in Kirche und Gesellschaft voranbringen. Wir gehen Themen konkret an: Altersarmut von Frauen, Lohntransparenz und wir fordern die Anerkennung von Pflege- und Erziehungszeiten für die Rente.
Das „K“ steht für katholisch.
Ja, wir wollen im kirchlichen Bereich Leitungskompetenzen von Frauen besetzt wissen, wir wollen einfach klarmachen, dass wir Frauen viele Fähigkeiten haben.
Im Rahmen der Feierlichkeiten planen Sie einen Gottesdienst.
Ja, einen Wortgottesdienst. Wir Frauen machen das, wir organisieren das und halten den Wortgottesdienst gemeinsam ab.
Obendrein soll eine Jubiläumsstele entstehen.
Ja, richtig. Wir wollen einen Holzbalken mit einem Glasmosaik bekleben. Sie soll dann im Mai gesegnet werden und als Zeichen unserer Gemeinschaft im Garten des neu gestalteten Pfarrhauses aufgestellt werden.
Kann man auch bei der KFD mitmachen, wenn man nicht katholisch ist?
(lacht) Wir haben noch nie jemanden bei Eintritt gefragt, welcher Konfession er angehört. Also, kann jeder zu uns kommen.
Sie engagieren sich auch karitativ, unterstützen Projekte in der Region. Wie wird das finanziert?
Wir haben beispielsweise einen Stand auf dem Christkindlmarkt. Da verkaufen wir beispielsweise selbst gestrickte Socken aus hochwertiger Wolle. Oder beim Fastenessen kann in beiden Pfarreien selbst gekochte Suppe gegen eine Spende verzehrt werden.
Wohin spendet die KFD Kolbermoor?
Zum Hospiz und zur Tafel beispielsweise. Ines Weinzierl