Kolbermoor – Tief verschneit glitzert der Spinnereipark westlich der Alten Spinnerei dieser Tage in der Wintersonne. Doch sobald Schnee und Eis verschwunden sind, hat die Stadt Kolbermoor viel vor auf dem Gelände: Dann soll der Park weiter aufgeforstet – und um „Exoten“ bereichert werden. Des Weiteren soll der Park ein Paradies für Singvögel – und Heimat für den seltenen Eisvogel werden.
Jahrzehnte waren die Parkflächen hinter Zäunen verborgen, zu Zeiten der Baumwollspinnerei waren sie den Direktoren vorbehalten. Die Öffentlichkeit musste außen vor bleiben. 1993 dann das Ende der Baumwollspinnerei – und mit ihm fielen die Zäune um den Park, die Flächen verwilderten. Die Investoren von Quest um die Familien Werndl, die das Spinnereigelände revitalisierten, nahmen sich schließlich auch das Parkgelände vor: Im Nordosten entstehen nun Wohnhäuser, der südliche Teil des Parks ging im Sommer 2017 an die Stadt Kolbermoor über – und wird seitdem zum „Bürgerpark“ gestaltet. Spielplatz, Ruhebänke und der Weiher laden zum Verweilen ein – und werden rege genutzt.
Exoten im Park willkommen
Der Parkcharakter mit heimischen, aber auch dem ein oder anderen exotischen Baum liegt einem besonders am Herzen: Jürgen Halder vom städtischen Bauamt und leidenschaftlicher Baumexperte. Bereits zu Quest-Zeiten begleitete und verfolgte er Rodungen und Aufforstungen – und führt letztere nun für die Stadt Kolbermoor fort. Regelmäßig wird der Park um heimische Bäume wie Buchen, Ulmen und Kiefern ergänzt. Einen Platz finden aber auch „Exoten“ wie Amberbaum, Flügelnuss, Lebkuchenbaum, Götterbaum, Tulpen- und Trompetenbaum etc. „Die exotischen Blütenbäume haben in dem Park Historie“, führt Halder aus. „Die Spinnereidirektoren haben sie früher extra nach Kolbermoor bringen lassen.“ Und eben auch diesen Teil der Geschichte will Halder wieder aufleben lassen. Im Frühjahr, sobald Schnee und Eis passé sind, will Halder auch in diesem Bereich wieder für Zuwachs sorgen. Was Halder neben der Baumwelt ebenfalls am Herzen liegt: Singvögel. Ihnen will er dringend eine neue Heimat in Kolbermoor verschaffen – und will dazu eine ganze Reihe Nistkästen im Stadtgebiet aufhängen lassen. Bereits Ende Februar sollen die ersten Kästen montiert werden, Startpunkt ist am Karl-Daniels-Platz an der Mangfall. Ein weiterer Schwerpunkt wird der Spinnereipark sein – hier sollen neben den Nistkästen für Singvögel auch Kästen für Fledermäuse angebracht werden.
Eisvogel-Paradies
im Spinnereiweiher
Und ein weiteres Projekt fasst Halder ins Auge: Der Spinnereiweiher soll zum Eisvogel-Paradies werden. Denn die vergleichsweise seltenen Vögel mit ihrem leuchtend blauen Federkleid sind bereits auf der benachbarten Spinnereiinsel angesiedelt. Dort finden sie in den steilen Uferböschungen eines Überlaufweihers beste Brutbedingungen, weiß Naturliebhaber Halder. Um die Eisvögel an den Spinnereiweiher zu locken, will Halder im Frühjahr spezielle Holzstangen als Aufsitzhilfe anbringen lassen. „Von dort aus können sie dann wunderbar nach Fischen jagen“, freut sich Halder. Und hofft auf baldigen Erfolg.