Rezepte gegen Einsamkeit

von Redaktion

Mit Hefezopf und Weintorte gegen die Einsamkeit: Die Kolbermoorer Senioren treffen sich jeden Dienstag um 14.30 Uhr zum Ratschen, Spielen und Kuchenessen im Mangfalltreff.

Kolbermoor – Helma Lauermeyer (68) kennt das alte Familienrezept vom Hefezopf aus dem Effeff: „Getrocknete Aprikosen müssen hinein“, sagt die Kolbermoorerin und lacht. Vormittags hat sie ihn im Mangfalltreff Bürgerhaus Kolbermoor gebacken – gegessen wird er ab 14.30 Uhr. Da beginnt das Senioren-Café im Mangfalltreff in Kolbermoor.

Neben ihr sitzt ihre beste Freundin Marianne Schöffel (80), sie kann zwar den Hefezopf nicht so perfekt wir Lauermeyer, dafür ist sie für ihre Apfel-Weintorte berühmt – „die Äpfel schneide ich in ganz dünne Scheiben“. Heute hat sie die Torte gebacken und nachmittags zum Senioren-Café mitgebracht. Damit neben dem gemütlichen Plausch auch etwas Süßes geschlemmt werden kann – dazu gibt es Apfeltee oder Kaffee.

Gäste sind zwischen 60 und 90 Jahre alt

Gekocht wird der von den ehrenamtlichen Helfern Marlene Spiegelsberger (58) und Adelheid Mußler (71). Die beiden Kolbermoorer sind seit etwa sieben Jahren dabei, seit es das Senioren-Café gibt. Kurz vor 14 Uhr kommen sie, gehen die Treppe in die Küche hinunter und legen los: Decken die Tische kochen Kaffee und Apfeltee. Ihre Motivation? „Ich möchte helfen“, sagt Spiegelsberger und dem schließt sich Mußler an. Die Damen sind zwischen 60 und 90 Jahre alt. Die ältestes ist Elise Herfurtner. Seit 2015 lebt sie in Kobermoor, gleich um die Ecke. „Ich komme jeden Dienstag“, erzählt sie. Andernfalls säße sie alleine Zuhause und das sei keine Option. „Ich muss besser sein, als das Fernsehprogramm“, sagt Dagmar Badura, Leiterin des Mangfalltreffs Bürgerhaus Kolbermoor. Und das gelingt ihr: Viele Kolbermoorer nehmen die Angebote wahr und die sind vielfältig: Basteln, Spielenachmittag, Kochen, Brotzeit, Frühstück, Senioren-Kino. Um alles realiseren zu können, braucht es ehrenamtlich Helfer (siehe Kasten).

Die Besucher genießen die Abwechslung, den Ratsch: Kurz: Sie genießen es, nicht alleine Zuhause zu sein. Die meisten haben ihren Partner verloren, die Kinder leben weit weg oder jetzt wieder nebenan. Aber dafür haben die Senioren ihre Heimat verlassen.

So ist es bei Brigitte Kentrat: Die 70-Jährige ist vor vier Jahren nach Rosenheim gezogen, wegen ihrer Kinder. Dafür hat sie ihr Zuhause Dortmund/Nordrhein-Westfalen verlassen. „Da habe ich schon Abitur gemacht“, erzählt sie und wird wehmütig. Immer wenn sie kann, fährt sie mit dem Zug nach Dortmund. Wieder im neuen Zuhause setzt sie sich in den Bus und tourt zum Seniorennachmittag – gegen die Einsamkeit. „Alle sind so nett hier. Ich wurde hier gut aufgenommen.“

So ergeht es auch Ursel Deloch (70), die erst vor kurzem von Puchheim nach Kolbermoor gezogen ist. Ihre Schwester und Nichte leben in der Nähe. „Als mein Mann gestorben ist, dachte ich, ich kann nicht nur Zuhause alleine rumsitzen.“ Und deshalb kommt sie zum Senioren-Café, aber sie kommt auch wegen „Rummy Cup“. Ihr Gegner ist Victor Koppe (78). Er sitzt neben ihr. Wer gewinnt? Beide haben gewonnen, denn sie haben im Senioren-Café Freunde gefunden. Gemeinsam gegen die Einsamkeit.

Helfer gesucht

Gesucht werden ehrenamtliche Helfer für die Tafelarbeit (Waren aufbereiten, Lebensmittelausgabe, Fahrdienst), als Integrationspaten, für das Senioren-Café im Mangfalltreff, Lesepaten, für die Hausaufgabenhilfe, Mitgestalter im Mangfalltreff und jede Menge Ideen. Wer das Team unterstützen möchte, meldet sich bei Leiterin Dagmar Badura unter Telefon 08031/2319257.

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