Kolbermoor – Katharina Meidinger kennt das Tonwerksgelände aus dem Effeff, ebenso Klaus Dehler. Schließlich treffen sie sich hier oft. Mal schauen sie nach dem Rechten, mal initiieren sie vom Bund Naturschutz aus sogenannte Pflegeaktionen – insbesondere im Herbst. Jetzt sind sie mit dem Mangfall-Boten unterwegs gewesen, um die ersten Frühlingsboten ausfindig zu machen.
Los geht es, der Boden ist feucht. Neben den Wegen türmen sich Blätter, tote Äste und Baumstämme – „ein Eldorado für Insekten“, sagt Meidinger, Vorsitzende des Bund Naturschutz. Plötzlich zeigt sie auf einen kleinen gelben Punkt: „Ein Zitronenfalter, ein Frühlingsbote.“ Der gelbe Schmetterling genießt die warmen Sonnenstrahlen, genau wie die Menschen. Rund 100 Meter weiter zeigt sich ein Feld von knackig grünen Blättern. Schneeglöckchen? „Nein“, sagt Meidinger. Sie pflückt ein Blatt, zerreibt es zwischen den Fingern und riecht daran – Bärlauch. Auch ein Frühlingsbote. Bis Mai wächst er auf dem Gelände – dann ist Schluss. Dann zeigt er sich erst wieder im nächsten Jahr.
Auf dem Tonwerksgelände, das längst ein Biotop ist, fühlt sich nicht nur Flora, sondern auch Fauna wohl: Vögel fliegen von Ast zu Ast. Auf dem Weiher schwimmt ein Schwan. „Ein Paar lebt hier und hatte letztes Jahr auch Junge“, sagt Dehler. In sicherer Entfernung schwimmen Enten.
„Viele Arten sieht man hier“, sagt Meidinger und zeigt auf einen großen Ameisenhaufen. Sie krabbeln um die Wette und haben den Weg sowie Baumstamm in Beschlag genommen. „Sie nutzen die Wärme“, sagt Dehler, der erklärt, dass zwei Drittel des Ameisenhaufens unter der Erde liegen. „Ganz tief drunten ist die Königin.“
Weiter geht es zum Haselnussstrauch. An seinen Ästchen hängen Kätzchen – auch Frühlingsboten. Und daneben gleich noch welche: Weidenkätzchen. „Sie sind wichtig für die Bienen, die den Nektar brauchen.“ Gleich daneben ist der Bienen-Lehrstand. Da ist ordentlich was los: Sie fliegen rein und raus – ab zu den Weidenkätzchen.
Von dort hat man einen guten Blick zur Insel: Hier leben seltene Vögel, wie Sumpfrohrsänger und Graureiher – „ich habe auch schon mal einen Silberreiher gesehen“, sagt Meidinger. Im Sommer kann man am Ufer viele Libellen und bunte Schmetterlinge beobachten.
Weiter geht es, vorbei an alten, großen, toten Baumstämmen. Auch sie bieten Insekten, Käfern und Co. ein Zuhause. Die meisten Tiere finden sich laut Meidinger in den Übergangsbereichen – Wald und Wasser zum Beispiel. „Hier ist die Biodiversität am größten.“ Und in einigen Wochen „blüht hier alles“, sind sich Dehler und Meidinger einig. Dann kommen sie wieder – spätestens. Meidinger plant heuer auch wieder Führungen durch das Gelände.