Kolbermoor – Vom großen Frankfurter Waldstadion haben die Buben in den 50er-Jahren immer im Radio gehört. „Ein Waldstadion wollteh wir auch und haben eins bekommen“, erinnert sich Erich Schlarb (74) heute und lacht. Es war auf einer Waldlichtung, dort haben die Buben gemeinsam Fußball gespielt. Schlarb ist als Fünfjähriger mit seiner großen rund 70-köpfigen Familie ins heutige Schlarbhofen gekommen – damals hieß es noch Panger Filz. Jetzt hat er eine Familienchronik verfasst und sie dem Heimatmuseum Kolbermoor übergeben. „Eine schöne Bereicherung“, freut sich Museums-Leiter Stefan Reischl.
Fünf Jahre hat Schlarb an der Chronik gearbeitet: Seine Sekretärin hat Texte abgetippt, seine Frau hat alles gelesen. Die Informationen bekam Schlarb unter anderem von Professoren, die sich dem Thema „Donauschwaben“ gewidmet haben. Denn Schlarbs Vorfahren wanderten im 18. Jahrhundert ins heutige Kroatien aus. 1944 floh die Familie Richtung Westen – auf der Flucht wurde Erich Schlarb geboren. Über mehrere Stationen gelangte die große Familie Ende der 40er-Jahre ins Panger Filz – dem heutigen Schlarbhofen.
Schlarb kann sich noch erinnern: „Wir lebten in Baracken, eng beeinander. Trotzdem war es schön. Wir brauchten keinen Kindergarten, denn wir waren selbst einer.“ Die Buben bauten aus alten Tomatenbüchsen und Holzstücken Bulldogs, die Mädchen wiegten einen Holzscheit, der mit einem Stück Stoff umwickelt war, im Arm – ihre Puppen.
Die Kinder halfen auch beim Torfabbau daran kann sich Schlarb noch gut erinnern: „Es wurde Torf ausgestochen und auf die Erde gelegt. Von dort habe ich ihn zum Trocknen gebracht.“ Das machten auch die Kolbermoorer, denen auch Torfgebiete gehörten – einige von ihnen sahen es gar nicht gerne, dass die Flüchtlinge im Filz lebten: „Es gab viele Ressentiments“, erinnert sich Schlarb. „Meinen Bruder haben sie immer den Russ genant“, sagt er. 1952 wurde das Panger Filz in Schlarbhofen umgetauft. Ein Ort nach dem Namen seiner Familie? „Darüber freut man sich schon sehr“, sagt er. Dennoch kehrte Schlarb Schlarbofen 1969 den Rücken: Er heiratete und zog nach Pang, wo er bis heute lebt.
Familie ist heute über den Globus verteilt
Die Familie ist heute über den ganzen Globus verteilt –einige Mitglieder leben beispielsweise in Kanada. Aber Schlarb trommelt sie alle zusammen: Einmal im Jahr lädt er zur Feier, alle zwei Jahre fahren er uns seine Verwandten in die Heimat der Vorfahren – ins heutige Kroatien. „Ich war 1970 mit meiner Mutter dort, sie hat mir vieles gezeigt, das Gymnasium, das Wohnhaus zum Beispiel“, erinnert es sich.
Museums-Leiter Stefan Reischl kennt Erich Schlarb übrigens schon sein Leben lang. Kein Wunder ist Erich Schlarb doch mit Reischls Vater Gerhard zur Volksschule in Kolbermoor gegangen – und die beiden haben sich nie aus den Augen verloren.