„Sie ist wirklich wunderschön“

von Redaktion

100 Jahre KFD Kolbermoorer Frauen gestalten Stele für den Pfarrhausgarten

Kolbermoor – Hunderte von kleinen Glasscherben in allen Farben, von halber Handtellergröße bis zu kleinen Fitzelchen, daneben ein massiver Holzpfosten, etwa zwei Meter hoch: Wie soll daraus am Ende eine Stele werden, deren Mosaikoberfläche nicht nur bunt ist, sondern wirklich schön?

Manch eine der 17 Frauen, die in Kolbermoor zusammengekommen waren, mag für einen Moment die Angst vor der eigenen Courage befallen haben. Denn diese Stele, die im Garten des neu gestalteten Pfarrhauses von Heilige Dreifaltigkeit aufgestellt werden soll, wird für die 100-jährige Geschichte stehen, auf die die „Katholische Frauengemeinschaft Deutschland“ seit diesem Jahr in Kolbermoor zurückblicken kann.

Tipp: „Nicht zu

lange überlegen“

Doch glücklicherweise zeigte sich auch hier, dass das Schwierigste immer nur die Zeit vor dem eigentlichen Anfang ist. „Sucht Euch einfach ein Stück aus, das Euch anspricht, egal ob von der Form oder Farbe her“, war der Rat von Gestaltpädagogin Gabriele Schlüter, die den „Stelenbau“ betreute, „und setzt es an eine Stelle, von der ihr glaubt, dass es dort gut Platz findet.“ Und dann: nicht zu lange überlegen, intuitiv einen Platz auswählen – und diesen auch nicht mehr zu hinterfragen.

Es bedurfte nicht vieler Worte, damit den Frauen schon an dieser Stelle klar wurde, warum die Stele ein fast perfektes Abbild ihrer Gemeinschaft ist. Teilhaben an der Katholischen Frauengemeinschaft kann wirklich jede, egal welcher „Form“, welcher „Couleur“, mit wie vielen Ecken und Kanten auch behaftet: Wichtig ist nur, überhaupt dabei sein zu wollen: sich ein Herz zu nehmen, sich einen Platz zu suchen und selbstbewusst zu sagen: Hier bin ich.

Das eigentliche „Wow“-Erlebnis kam aber erst, als die Stele zum ersten Mal probehalber aufgerichtet wurde: Waren die Frauen bislang dicht an dicht um die Stele gedrängt und auf die einzelnen Stücke konzentriert gewesen, sahen sie jetzt zum ersten Mal das große Ganze. Und wo vorher vor allem Fragen gewesen waren: Passt das von der Farbe hier auch wirklich? Bin ich hier zu weit weg vom nächsten Stück?, sah man jetzt, mit etwas Abstand: „Die ist ja wirklich wunderschön geworden.“

Auch hier wieder liegen die Parallelen zur KFD: Erst in der Zusammenschau auf den Gesamtverband sieht man, wie wirkungsmächtig man tatsächlich ist. Denn die KFD ist alles andere als eine katholische Kaffeekränzchen- und Bastelgruppe vorwiegend älterer Frauen. Zusammen mit ihrer etwas kleineren „Schwesterorganisation“, dem Frauenbund, hat sie in Deutschland fast 7000 Frauen als Mitglieder. Und ohne Übertreibung kann man sagen, dass keine der politischen Veränderungen, die in den letzten drei Jahrzehnten zu mehr Geschlechtergerechtigkeit geführt haben, ohne die beiden Verbände denkbar gewesen wäre: Von der Anerkennung von drei Jahren Erziehungszeit für die Rente über die Wiederaufnahme der Diskussion um Dienste und Ämter von Frauen in der Kirche bis zur Strafbarkeit einer Vergewaltigung innerhalb der Ehe reichen die Themen, an deren Diskussion man maßgeblich mitbeteiligt war, bei denen man Druck ausgeübt hat und noch immer ausübt.

Stele wird vor dem Pfarrhaus aufgestellt

Effektiv ist diese Arbeit vor allem, weil sie sich nicht allein auf „Funktionärsebene“ abspielt, sondern tief verwurzelt ist in der konkreten Arbeit der Basis, bei der es von jeher um ein ganz praktisches Kümmern um die Probleme der Mitmenschen ging.

In der Stele steckt viel von alldem, von der 100-jährigen Geschichte und der durchaus grundchristlichen Überzeugung, dass schon diese Welt noch ein Stück besser gemacht werden muss. Deshalb hoffen die Frauen der KFD, dass sich auf dem Gelände des neu gestalteten Pfarrhauses ein möglichst gut sichtbarer Standort für sie finden möge. Die Stele hätte es verdient, denn abgesehen von all dem Hintergrund, für den sie steht, ist sie ein wahres Schmuckstück geworden.

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