Kolbermoor – Sie ist ein Stück Kolbermoorer Geschichte – und führt dennoch eine Art „Dornröschenschlaf“: die St.-Anna-Apotheke an der Bahnhofstraße. Was hat die Stadt mit dem Gebäude vor? Wir haben nachgefragt.
Doch erst einmal zurück zur gar nicht so kurzen und durchaus kuriosen Geschichte des Hauses: In den 1860er-Jahren war es ursprünglich als Wohnhaus errichtet worden – finanziert übrigens durch einen Lottogewinn. Der Stationswärter des benachbarten Bahnhofs hatte im Glücksspiel gewonnen – und das stattliche Häuschen für seine Tochter bauen lassen.
Seit 1902 ein
Apotheken-Haus
Erst 1902 wurde das Gebäude in eine Apotheke umfunktioniert – was es geschlagene 110 Jahre auch blieb. Im Herbst 2012 schlossen sich die Pforten der St.-Anna-Apotheke, im Sommer 2013 kaufte dann die Stadt Kolbermoor das Haus auf.
Seitdem steht das Gebäude, bis auf die Sozialräume der Stadtbusfahrer und vereinzelte Wohnnutzung, mehr oder weniger leer. Nutzungskonzepte wurden diskutiert – und wieder verworfen. Doch was ist nun der aktuelle Stand? „Wir wollen sanieren“, erklärte dazu Bürgermeister Peter Kloo auf Nachfrage unserer Zeitung. Zeitplan? Am liebsten sofort. Allerdings gestalte sich die Suche nach einem geeigneten Planungsbüro schwierig. „Das ist nicht so einfach, alle sind ausgebucht.“
Der Rathaus-Chef ist dennoch optimistisch, bald fündig zu werden. Und deshalb sind im Haushaltsplan der Stadt für das laufende Jahr 2019, der Mitte April vom Stadtrat verabschiedet werden soll, die ersten Gelder für Planungs- und Umbaumaßnahmen bereits vorgesehen. 2019: 200000 Euro für Planung und Sanierung. 2020: weitere 630000 Euro für den eigentlichen Um- und Ausbau. Überdies sind für dieses Jahr weitere 25000 Euro an Kosten für den Abbruch des rückwärtigen Nebengebäudes einkalkuliert. Summa summarum: gut 850000 Euro.
Doch was hat die Stadt mit dem Gebäude vor, wenn es erst einmal im neuen Glanz erstrahlt? Im Erdgeschoss, verrät uns Bürgermeister Kloo, könnte die Nachbarschaftshilfe Kolbermoor eine neue Heimat finden. „Sie sucht händeringend neue Räume“, weiß Kloo. Ein stimmiges Raumprogramm für die rund 130 Quadratmeter große Fläche im Erdgeschoss des ehemaligen Apotheken-Hauses liege der Stadt bereits vor. Bis dato ist die Nachbarschaftshilfe Kolbermoor in der Rosenheimer Straße untergebracht – wo sie aus allen Nähten platzt. Beratung, Schreibarbeit, Pflegeberichte, Stützpunkt für die Pflegerinnen und Lager für Pflegematerialien – dafür sind die Räume an der Rosenheimer Straße einfach viel zu klein und inzwischen ungeeignet, unterstreicht Kloo die Dringlichkeit. „Dafür wäre die St.-Anna-Apotheke gerade recht“, ist er überzeugt. Zudem wären für diese Nutzung keine großen Umbauarbeiten notwendig.
Und im Obergeschoss? Dort sollen die Stadtbus-Fahrer Sozialräume erhalten – schließlich wird auch in Zukunft der Bahnhof Dreh- und Angelpunkt des Kolbermoorer Stadtbusses sein. Überdies entstehen gerade östlich des Bahnhofsgebäudes, dessen Sanierung sich in den letzten Zügen befindet (geplante Fertigstellung im Sommer), Fahrzeuggaragen für die beiden Stadtbusse; ebenso für das Bayerische Rote Kreuz, das wiederum, wie berichtet, Hauptnutzer des Bahnhofsgebäudes werden soll.
Kleine Wohnungen
im Obergeschoss
Für die übrigen Flächen im ersten und zweiten Obergeschoss der St.-Anna-Apotheke hat die Stadt auch schon eine Vorstellung: drei bis vier kleiner Wohnungen, gerne für Studenten.
Rathaus-Chef Kloo hofft nun, schnellstmöglich ein Planungsbüro aufzutun – um dann mit der Überplanung und schließlich der Sanierung loslegen zu können. Sein Ziel: Dass das historische Apotheken-Haus möglichst bis Ende 2020 aus seinem Dornröschenschlaf erwacht – und wieder zu einem Schmuckstück in der Innenstadt von Kolbermoor wird.