Kolbermoor – Zwei Gruppen hat die Szene der Modellflieger mit unterschiedlichen Ausrichtungen. Da sind die einen, die mit ihren Modellen die großen Vorbilder möglichst naturgetreu nachbilden. Abstriche werden nur eher zähneknirschend hingenommen. So wie beim Doppeldecker von Norbert Hurst aus Feldkirchen-Westerham, der natürlich wie das Original auch eine Verspannung zwischen der oberen und unteren Drahtfläche hat.
Originalgetreue
Nachbauten
Beim Original ist die aus Draht, beim Modell aus Gummischnüren, denn bei einer Spannweite von gut 1,80 Meter müssen die Tragflächen zum Transport verständlicherweise abnehmbar sein.
Und hier ist Modellfliegen auch noch am ehesten das, was man sich als Laie zunächst darunter vorstellt: die Möglichkeit ein – mal abgesehen von der Größe – fast originalgetreuess Flugzeug selbst fliegen zu können. Wer dann noch eine Kamera auf das Modell setzt, hat zumindest hinterher den Eindruck, er wäre selbst im Cockpit gesessen. Theoretisch wäre das sogar während des Fluges möglich, wenn auch so ein „Fliegen aus dem Cockpit heraus“ nicht wirklich praktikabel ist: Die Zeitverzögerung, bis das Bildsignal bei der Fernsteuerung eintrifft, ist bei den erreichten Geschwindigkeiten für ein vernünftiges Fliegen zu groß, weshalb das ganze ohne zweiten Mann und ohne zweite Fernsteuerung auch nicht erlaubt ist.
Dann sind da die anderen, denen es in erster Linie mehr ums „nackte“ Fliegen geht, was, wie Ottmar Achenbach von den „Himmelstürmern“ erklärt, im Unterschied zu den Modellbauern heißt: ums Ausloten der Grenzen. Damit sind weniger die des Materials gemeint, denn mit Modellfliegern, so lernt man, sind Flugfiguren möglich, denen richtige Flugzeuge nie und nimmer gewachsen wären. Es geht vielmehr darum, die eigenen Grenzen bei der Beherrschung des Modells immer noch ein bisschen weiter hinauszuschieben.
Den Modellen sieht man die Zugehörigkeit zur einen oder anderen Fraktion auf den ersten Blick nicht an, für den Laien wirken alle originalgetreu.
Die Unterschiede zeigen sich erst im Blick aufs Detail. Während bei den Modellbauern jede Kleinigkeit bis hinein zum Aufbau des Cockpits stimmen sollte, blickt man bei den „Fliegern“ da eher direkt auf die Verkabelung und Akkus oder auf die Funkempfänger der Steuerung. Und der Kenner sieht sowieso, dass Ottmar Achenbach bei einem seiner Modelle zwecks der Leistungsausbeute einen dreiflügeligen Propeller verbaut hat, anstatt wie im Original einen zweiflügeligen. Damit ist er, wie er nicht nur erzählt, sondern im Video auch zeigen kann, dann aber in der Lage, sein Flugzeug gewissermaßen am Propeller aufzuhängen: Er fliegt zunächst senkrecht nach oben und drosselt die Leistung soweit, bis sich Vortrieb und Schwerkraft die Waage halten – das Modell „steht“ dann in der Luft, etwas, das mit einem echten Flugzeug nie möglich wäre.
Und auch beim Modell nicht ganz ohne ist – Ottmar Achenbach muss darauf vertrauen, dass er genügend Leistungsreserven hat, um aus dieser Position wieder in eine Lage kommen zu können, in der die Tragflächen den Auftrieb bringen. Vor allem beim ersten Versuch ein Moment, „der einen bis zur Halskrause voller Adrenalin pumpt“, denn wenn es nicht gelingt, ist die Chance groß, dass in diesem konkreten Fall 7000 Euro aber auch etliche Monate an Tüftelei ein abruptes Ende finden.
Wer nicht fliegt,
der tüftelt
Denn auch das konnte man bei dem Modellbauflohmarkt erfahren: Modellfliegen ist ein Ganz-Jahres-Hobby. Fliegen kann man nämlich immer, wenn ausreichend Sicht vorhanden und es halbwegs trocken ist. Und zu den Zeiten, in denen fliegerisch wirklich gar nichts geht, wird eben gebastelt und getüftelt. Alles, was man dazu braucht – von den Motoren über die Fernsteuerung bis zu ganzen Modellen – wird man nach dem großen Erfolg des ersten Flohmarktes auch in Zukunft nicht nur neu, sondern auch gebraucht erwerben können: Der Flohmarkt soll von nun an regelmäßig mindestens einmal im Jahr stattfinden.
Initiatoren des Flohmarktes, der in den Räumen des Schulungszentrums der Firma Achenbach stattfand, waren die Mitglieder des „IG Himmelstürmer“ mit Sitz in Bruckmühl. Wer den ersten versäumt hat, aber trotzdem überlegt, ob das nicht vielleicht ein interessantes Hobby sein könnte, kann auch neu vergleichsweise moderat einsteigen: 200 bis 300 Euro muss man für ein vernünftiges Einstiegsmodell samt Fernsteuerung ausgeben. Tipps dazu kriegt man umsonst von den Bruckmühler Himmelstürmern – entweder online oder direkt vor Ort auf dem Flugplatz bei den Höglinger Weihern.