Kolbermoor –Ludwig Reimeier (87) kennt das Ludwig II.-Denkmal sein Leben lang: Als Bub ist er in den 40er-Jahren daran vorbeigegangen. 1963 war er beim Umzug vom heutigen Karl-Daniels-Platz zur Hasslerstraße dabei. „Er gehört zur Identität der Stadt“, sagt der Alt-Bürgermeister. Deshalb ist er „sehr besorgt, dass das Denkmal nicht mehr aufgestellt wird“. Anfang März hatte der Sturm die Statue vom Sockel gestürzt. Seither wird die zerstörte Skulptur auf dem Gelände des Bauhofs aufbewahrt (wir berichteten).
Bürgermeister Peter Kloo kann Reimeier beruhigen: „Natürlich wird er wieder aufgestellt, sobald er wieder hergestellt ist“, sagt Kloo. Anfang April ist ein Termin mit einem Restaurator geplant, der sich den Kini anschauen soll. Der Experte soll dann entscheiden, wie die Skulptur wieder repariert werden kann. Neben der Statue soll auch der Sockel restauriert werden, so Kloo. Wieviel Zeit die Arbeiten in Anspruch nehmen und welche Kosten auf die Stadt zukommen, kann er noch nicht sagen.
Reimeier ist erleichtert, ob der Wiederherstellung der Statue und wenn es nach ihm geht, wäre er bei der Aufstellung gerne dabei. Schließlich kenne er den Kolbermoorer Kini ein Leben lang und der wäre begeistert gewesen von Reimeiers Geburtsstadt: „Kolbermoor als Industriestandort mit seiner technischen Spinnerei, hätte Ludwig II. gefallen, schließlich war er ein großer Befürworter der Industrialisierung.“
Der Kini liebte schließlich die Technik: „Die Grotte in Linderhof war ja eine technische Meisterleistung.“ Auch der Schlitten des Monarchen kann dazu gezählt werden: Das Gefährt war wahrscheinlich das erste elektrisch beleuchtete Fahrzeug. Und auch das „Tischlein deck dich“ auf Herrenchiemsee sei zur Zeit Ludwigs eine Spitzenleistung: Mechanisch konnte der Tisch samt Boden um ein Stockwerk nach unten gefahren werden und dort gedeckt werden. Gut befüllt kam der Tisch in Ludwigs Zimmer an. Dieser Tisch hat Reimeier als Kind das erste Mal bewundert, als er mit seiner Familie das Schloss gesucht hat. „Das fand ich beeindruckend.“
Statue übersteht
Revolution und Kriege
Reimeier ist 1932 in Kolbermoor geboren. Gleich um die Ecke des Denkmals hat er gewohnt und ist jeden Tag auf dem Weg zum Kindergarten (heute Momo-Kindergarten) am Denkmal vorbeigegangen. Er kann immer noch nicht fassen, dass der Sturm den Kini zerstört hat: „Er hat die Revolution, die Weltkriege und sogar den Umzug vom heutigen Karl-Daniels-Platz zur Hasslerstraße überstanden.“ Und nun das.
1963 war dann der Umzug: „Im Stillen hat man den Umzug etwas bedauert.“ Schließlich war die Försterstraße als Vorzeigestraße in Kolbermoor geplant – und am Ende stand Ludwig II. auf seinem Sockel. „So wie das Maximilianeum am Ende der Maximilianstraße in München oder der Friedensengel an der Prinzregentenstraße“, sagt er. „Die Försterstraße mit dem Kini als Abschluss sollte ein Pendant zu München darstellen“, sagt Reimer. Als Kolbermoor 1963 zur Stadt erhoben wird, schenkt die Baumwollspinnerei der Stadt einen Park und einen Brunnen am Karl-Daniels-Platz. Damals sollen einige Bewohner gefordert haben, den Kini zu entfernen. Aber Rathauschef Adolf Rasp soll gesagt haben: „Und wenn er nur noch ein Fünferl wert ist, er bleibt, denn er gehört zu Kolbermoor wie der Spinnereikamin.“