Kolbermoor – Er ist grasgrün und dreht unermüdlich seine Runden durch Kolbermoor: der Stadtbus. Und: Er ist für viele nicht mehr wegzudenken. Noch bis August 2020 läuft die Probephase, dann muss der Stadtrat entscheiden, wie es weitergeht. Im Rathaus gibt es bereits eine Vision: das Projekt auf vier Busse zu erweitern – und damit einen besseren und nutzerfreundlicheren Takt zu bekommen.
Eine eigene Stadtbuslinie, die im gesamten weitläufigen Stadtgebiet ihre Runden dreht: Das leistet sich die Stadt Kolbermoor seit dem Jahr 2013. Kombiniert wird der Stadtbus mit dem Schülerverkehr, den es in den Morgenstunden und zur Mittagszeit abzuwickeln gilt.
Die erste Erprobungsphase endete nach drei, teils schwierigen Jahren mit Baustellen (Neubau Mangfallbrücke Brückenstraße) und viel Ärger durch die defektanfälligen ersten Busse im Sommer 2016 – und wurde um weitere drei Jahre verlängert: bis August 2020. Dann muss der Stadtrat einen Grundsatzbeschluss fällen: Wird der Stadtbus weiter betrieben – und wenn ja, in welchem Umfang?
Darüber macht sich die Stadtverwaltung bereits ihre Gedanken. „Wir müssen ein Konzept erarbeiten, wie es weitergehen soll“, erklärt dazu Elisabeth Kalenberg, Geschäftsleiterin im Rathaus, auf Anfrage unserer Zeitung.
„Für die Senioren nicht wegzudenken“
Das Problem: Der Stadtbus wird zwar von vielen genutzt, zwischen 2800 und 3200 Beförderungen pro Monat, rechnet Kalenberg. Durch die Monatskarten möglicherweise noch deutlich mehr, was derzeit erhoben wird. Aber: Aufgrund des vergleichsweise schlechten Taktes (45 bis 54 Minuten) ist der Bus für viele Kolbermoorer reichlich unattraktiv. „Aber wer ihn nutzt, vor allem die älteren Leute, für die ist er nicht mehr wegzudenken“, weiß Kalenberg. Das Feedback sei stets hervorragend. Vor allem viele Stammgäste nutzten das Angebot. „Aber damit mehr mitfahren, dafür ist die Taktung einfach zu ungünstig“, bekennt Kalenberg.
Die Lösung: vier statt bislang nur zwei Busse – und damit die Runden im Süden und im Norden „halbieren“, also entsprechend verkürzen. „Das wäre unsere Vision, unsere Wunschvorstellung“, meint Kalenberg.
Der Vorteil: Die Schülerbeförderung wäre morgens und mittags sichergestellt, gleichzeitig könnten die Zeiten, in denen die Busse derzeit noch für Schüler blockiert sind, auch von den Pendlern genutzt werden. Und: Auch die von vielen gewünschte direkte Verbindung Innenstadt-Hertopark wäre dann realisierbar.
Ein dichterer Takt und damit mehr Attraktivität für Pendler – das wäre auch die Wunschvorstellung von Bürgermeister Peter Kloo für den Stadtbus. Und auch er ist ein Verfechter von einem Konzept mit vier Bussen – und einem zukunftsfähigen Nahverkehrskonzept für die Region. „Was wir bräuchten, wäre ein Verkehrsverbund, der auch auf den Schienenverkehr abgestimmt ist“, ist Kloo überzeugt. Und: Am besten ein Ticket, das für Bus und Bahn und auch über die Stadtgrenzen hinaus verwendet werden kann.
„Auch Leichenhaus
ist nicht ausgelastet“
Doch den Stadtbus-Fans stehen in Kolbermoor durchaus auch kritische Stimmen gegenüber – und nicht selten bekommt man im Rathaus zu hören: Die Busse fahren doch eh nur leer durch die Gegend. So manchem Kritiker hält Bürgermeister Kloo dann schmunzelnd entgegen: „Auch das Leichenhaus und die Aussegnungshalle werden nicht täglich genutzt und trotzdem haben wir sie“, grinst er.
Das letzte Wort in Sachen Stadtbus, für den vergangenes Jahr Ausgaben in Höhe von 380000 Euro angesetzt waren, abzüglich rund 140000 Euro an Zuschüssen, wird indes beim Stadtrat liegen. Der wird sich voraussichtlich noch vor den Kommunalwahlen im Frühjahr 2020 entscheiden müssen: Daumen hoch für den Stadtbus – oder die Rote Karte. Was allerdings im Rathaus und auch bei den Stammgästen niemand hofft.