Kolbermoor – Im ausverkauften Mareissaal durften die vielen Volksmusikfreunde ein „Frühjahrssingen“ erleben, dass trotz seiner nun schon 52 Inszenierungen nichts von seiner Strahlkraft eingebüßt hat. Was hier Peter Maier mit seiner legendären Erfahrung in der Volksmusikszene, in der er selbst wirkt, auf die Bühne bringt, darf alljährlich als herausragend bezeichnet werden.
Auftakt mit der „Blechscheidlmusi“
Da spielt zum reschen Auftakt eine „Blechscheidl- musi“ eine überaus geschmeidige Tanzlmusi mit frischem, harmonischem Klang, die instrumental mit Diatonischer, Bass, Gitarre, Klarinetten und Posaune besticht und in ihren Boarischen und Landlern, die gottlob noch zahlreich folgten, einen „Sound“ erzeugt, der schon auch mit neuzeitlichen Tonsetzungen bestückt ist.
Heide Hausers gemischter Chor der Stadtsingschule wirkt passgenau in diesem volksmusikalischen Reigen mit. Der Zuhörer wird durch eine lebhafte Erzählung in den Liedern wie „I moan, i hob a Windal gspürt“ oder mit dem „Sprung übas Wasserl“ in ein richtiges Frühjahrserleben mitgenommen, und dazu vermag der Chor durch eine frische und deutliche Singweise, die mit ihren großartigen Bögen nichts verschleppt, seinen wunderbaren Charakter entfalten.
Die dichterischen Ansätze in den sängerischen Reihen wurden trefflich in einem extra geschaffenen „Hoagaschtliad“ unter Beweis gestellt, das der Chor zusammen mit dem „Mannagsang“ als humorvollen Auftakt präsentierte.
Und? So fragten sich viele Zuhörer an diesem Abend. War da nicht erst ein Jubiläum, das dieser „Kolbermoorer Mannagsang“ am selben Ort feierte? Tatsächlich hat die Truppe schon mehr als 50 Jahre auf dem Buckel, aber sängerische Leidenschaft und ein hohes Maß an Kameradschaft schweißen die Sänger stets aufs neue zusammen. Peter Maier fungiert auch hier als Motor und so dürfen die Volksmusikfreunde immer wieder staunen, mit welchem Elan und geschickter Tonartwahl sie Lieder wie „A scheens Büschal kaf i dir“ und „Bin a lebfrischa Schütz“ singen.
Ganz fein zu erleben die „Almangerlmusi“ aus dem Pongau mit pinzgauerischem Einschlag. Ihr wunderbares Saitenspiel war etwas für die stillen Genießer im Saal. Die farbigen Kompositionen klangen nie gewöhnlich, sondern entfalteten durch überraschend gesetzte Harmonien eine Authentizität, die sich von der bodenständigen und schlichten „Stubnmusi“ in Qualitätssprüngen entfernte.
Mit einer warmen Stimmfärbung, wie man sie so oft nicht erleben darf, präsentierten die „Stoaberg Sängerinnen“ aus dem Berchtesgadener Land ihre Lieder vom Frühjahr, der Liab und Jagerei. Haargenau passt hier der stimmliche Dreiklang, der nur durch eifrige und ernste Probenarbeit zu erreichen ist. Sie schafften es prima, ihre Liebe zur Heimat und Natur gesanglich überzeugend auszudrücken.
Sehr ausdrucksstark präsentierte sich an diesem Abend auch Sepp Heinzl, der seine ganze Erfahrung als Hochzeitslader in die Programmführung des Abends einbrachte, mitunter auch deftig und verschlagen mit viel Witz und Humor Musik und Gesang zur Freude der Zuhörer verband.
Ein Glücksgriff für das Frühjahrssingen waren auch die „Zuahäusl Aufgeiger“ aus dem Inntal. Vollblutmusiker sind hier am Werk, deren instrumentale Vielseitigkeit es schafft, die Zuhörer mit ihren Melodien in ein „Heurigenlokal“ mitzunehmen, um sie dann wieder in die orchestrale Darstellung eines ansonsten schlichten Landlers zu entführen.
Musikalität allererster Sahne bot die Gruppe, die ihren Vortrag auch noch mit süffisanten „Gstanzln“ über den Hausherrn anreicherte und zur tierischen Freude im Saal auch noch eine finale Parodie auf den „Schäfflertanz“ ablieferte. In Kolbermoor gehört da schon auch Mut und Frechheit dazu.
Stoaberg Sängerinnen überzeugten
Reichlich beklatscht wurde am Ende ein Frühjahrssingen der angenehm leisen Töne und wiederum auch der knackig, lebhaften Momente, die ebenso genossen wurden. Stehende Ovationen gab es auch. Die jedoch waren Heiner Seyfried gewidmet, der dieser Tage nicht nur seinen 80. Geburtstag feiert, sondern an diesem Abend aus den Händen von Bürgermeister Peter Kloo die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft im Förderverein der „Musik- und Stadtsingschule Kolbermoor“ überreicht bekam.
Gelungen und lebendig betonte der Laudator, einst auch Schüler des damaligen Junglehrers Seyfried, die Beharrlichkeit und den Ideenreichtum des Trägers der Bürgermedaille, die so sehr als Katalysatoren für sein großartiges Schaffen im Bereich der Volksmusik in der Mangfallstadt wirkten.
Als Motor, Lenker und Macher, so Kloo, habe Seyfried überaus viel für Kolbermoor und seinen Ruf als Heimat einer großen Musikschule und seiner Volksmusikarbeit getan.
Mit launigen und wohlgesetzten Worten bedankte sich Seyfried – und der große Beifall am Ende der Ehrung schloss inständig auch die Wünsche für eine aufsteigende und gute Gesundheit des „Ehrenmitglieds“ mit ein.