Kolbermoor – Kolbermoor ohne Kini? Das kann sich Bürgermeister Peter Kloo beim besten Willen nicht vorstellen, schließlich war der schon immer da. Allerdings liegt die rund 300 Kilogramm schwere Kupferstatue seit Anfang März auf dem Bauhof – der Sturm hatte sie vom Sockel gestürzt (wir berichteten). „Das hat nicht einmal die Räterepublik geschafft“, sagt Kloo und schmunzelt. Kloo und Mitarbeiter der Stadt sowie Jens Wagner vom Denkmalamt und Maximilian Heimler stehen bei einem Ortstermin um den desolaten König am Bauhof herum.
Heimler geht um den Kini herum klopft ihn ab, schaut immer wieder in sein Gesicht – zumindest was davon übrig ist. Erste Einschätzung: „Das wird schwierig“, ist er überzeugt. Zunächst müsse die Statue, die aus mehreren Einzelteilen gefertigt wurde, auseinander genommen werden. „So kann man den Corpus unterhalb des Kopfes wieder herstellen.“ Denn die komplette Statue ist beschädigt, das zeigt sich am Mantel, an der Hose. „Der Körper ist zu retten“, sagt er.
Und der Kopf? „Man kann versuchen ihn wieder herzustellen“, sagt Heimler. Und das würde in etwa so funktionieren: Zunächst enthauptet man den Kini, dann wird das Material stark erhitzt –„und dann kann man versuchen, dass man ihn wieder herstellt“. Und falls nicht?
Experte benötigt
Fotos der Statue
Dann gebe es die Möglichkeit, einen völlig neuen Kopf anzufertigen, aber das sei schwierig. Schließlich muss der Kopf die Handschrift des Bildhauers Anton Kaindl tragen, der hat ihn nämlich geschaffen. Also die Feinheiten aufzeigen, die Kaindl geschaffen hat: Haare, Stirn und Co müssen passen. Deshalb benötigt der Experte Fotos von der Statue – egal welche und wie alt. Denn der Kolbermoorer Kini sei einzigartig.
Heimler gibt es Beispiel: In einem Schloss in Berlin gab es zwei identische Löwen-Statuen. Eine wurde zerstört, als eine Eiche darauffiel. „Die Statue herzustellen, war nicht so schwierig, da die zweite unversehrt war und sie als Vorlage diente“, sagt er.
Wie auch immer: Der Kini muss jetzt erstmal nach Regenburg, dort arbeitet Heimler bei der Metallrestaurierung „Haber & Brandner“. Dann gebe es einen Kostenschätzung, die im fünfstelligen Bereich liegen kann. Heimler und sein Team haben schon aus der ganzen Republik königliche Statuen wieder auf Vordermann gebracht – nun ist eben der Kolbermoorer Kini an der Reihe.
Bis Pfingsten soll der Kini nach Regensburg. Dort wird er erstmal auseinandergenommen und dann wird viel Füllmaterial herausfallen. Denn die Statue ist zwar innen hohl, aber sie wurde unter anderem mit Pech und Ziegelkalk aufgefüllt. Der Grund: „So ist die Statue schwerer und unter anderem vor Hagelschlag geschützt“, so Heimler.
Und wann kann der Monarch wieder aufgestellt werden? Das hängt davon ab, wie schwierig sich die Restaurierung gestaltet, so Heimler. Nächstes Jahr sei damit nicht zu rechnen. Dann bleibt der Platz an der Hasslerstraße bis dahin ohne Kini.
Ob er da wirklich wieder hinkommt? Es gibt Überlegungen, den Kini an anderer Stelle aufzustellen, am Kriegerdenkmal zum Beispiel, so Rathauschef Kloo. Aber das seien zunächst nur Überlegungen.
Und eins steht fest: Wenn die Statue wieder in Kolbermoor auf ihrem Sockel steht, der übrigens auch restauriert werden soll, sollen „Schüttelproben“ gemacht werden, so Jürgen Halder vom Technischen Bauamt der Stadt.