Kolbermoor – Maibaumpapst oder Maibaumkiller: So wurde Professor Dr. Martin Illner einmal genannt, erzählt er. Denn Illner entscheidet, ob der Maibaum weg muss oder stehen bleiben darf. In Kolbermoor kann die 27 Meter hohe Fichte, die etwa zwei Tonnen wiegt und seit 2016 auf dem alten Rathausplatz steht, bleiben. „Sie ist in Ordnung“, sagt Illner, der den Maibaum der Musikschule und der Trachtenvereine „Immergün“ und „d‘Mangfalltaler“ im Rahmen einer professionellen Prüfung kontrolliert hat. Verantwortlich für die Standhaftigkeit des Stangerls sind nicht die Vereine, sondern der Grundstückbesitzer –in diesem Fall die Stadt.
Mithilfe der Feuerwehr Kolbermoor ist Illner bis zur Spitze gefahren. Illner, Sachverständiger der Industrie- und Handelskammer, Diplom-Holzwirt und Dozent an der Technischen Hochschule Rosenheim, untersucht den Baum auf Risse und feuchte Stellen. Nach der Fahrt zur Spitze steht fest: Alles ok. Anschließend untersucht Illner die Holzkeile, die den Baum vor dem haltenden Metallring schützen: Mit seinem Fingernagel kann Ilnner eineinhalb Millimeter ins Holz eindringen. Was ist da los? Kurz: Die Keile sind vom Pilz befallen. Damit der Pilz nicht auf den Maibaum übergeht, müssen neue Keile her.
Neben den weichen Keilen weist der Baum auch senkrechte Risse auf. Ein gut erkennbarer ist auf der Westseite: „Von dort kommt der Regen“, erklärt Illner den Grund des Risses auf der einen Seite. Aber der Riss macht dem Stangerl nichts aus. Problematisch seien waagerechte Risse, aber die hat der Kolbermoorer Baum nicht.
Somit steht der Feier am 1. Mai nichts im Wege. Bevor das aber losgeht, werden noch die Zunfttafeln angebracht. Ein neuer Baum kommt 2021, bis Herbst 2020 bleibt der jetzige stehen – bis dahin kontrolliert Illner im Frühjahr nochmal, ob alles passt und der Baum standhaft ist.