Kolbermoor – Hier prallen Welten aufeinander. Auf der einen Seite: die Stadt Kolbermoor mit der denkmalgeschützten Werkssiedlung. Auf der anderen Seite: Tierliebhaber und Hobbygärtner Andreas Paukert. Letzterer will den Garten seines neu bezogenen Häuschens gestalten und ihm Leben einhauchen. Die Stadt wiederum pocht auf den Denkmalschutz – schließlich hat Paukert eines der frisch sanierten Wohnhäuser der Werkssiedlung zur Miete erhalten. Und immerhin hatte man in den vergangenen Jahren viele Millionen Euro in das Vorzeigeprojekt investiert.
Rathaus-Schreiben sorgt für Unruhe
Andreas Paukert, ehemaliger Hauptschulhausmeister, Rentner und Tierexperte, ist entrüstet: über einen kürzlich erhaltenen Brief aus dem Rathaus, was denn in den Gärten der Werkssiedlung erlaubt sei – und was nicht. Denn das „was nicht“, betrifft ihn immens: keine Pflanzsteine, nur „ortsveränderliche Pflanztöpfe“ – womit seine frisch bestückten Pflanzsteine weg müssten. Keine Einfriedungen und Zäune im Garten – was das Aus seines Schildkröten-Geheges bedeuten würde. Keine Gewächs- und Gartenhäuser mehr – wonach sein Schildkröten-Haus Geschichte wäre, eigentlich ein überdimensioniertes Hochbeet.
Weiter: Sichtschutzwände nur mit Rücksprache, wovon Paukerts Wind- und Nässeschutzwand am Freisitz betroffen wäre. Und: keine Befestigungen an Fassaden und Holzlegen/Schuppen – was zum Entsetzen von Paukert auch Zierrat beinhaltet wie seine Figuren an der Schuppen-Ostwand. Verärgert ist er wegen des Geheges für seine Schildkröten (sieben Stück), die er seit 1984 in seiner Obhut hat – und die immer wieder gerne von Kindern besucht würden. „Was soll das, dass einem die Stadt solche Prügel zwischen die Füße schmeißt?“, schimpft er.
Eine ganze Menge, ist Stadtbaumeister Andreas Krämer nicht weniger verärgert: nämlich Denkmal- und Ensembleschutz. „Und das wusste Herr Paukert, als er das neu sanierte Haus bezogen hat“, unterstreicht Meixner. Von Anfang an sei klar gewesen: keinerlei Umbauten mehr wie am zuletzt von Andreas Paukert bewohnten Häuschen am „Schwarzen Weg“; und wenn Eingriffe, dann nur nach Rücksprache mit der Stadt. „Wir haben teures Geld in die Sanierung der Werkssiedlung gesteckt und hatten ein klares Sanierungsziel, nämlich die denkmalschutzgerechte Gestaltung“, führt der Bauamtsleiter aus. „Und das Erscheinungsbild soll auch eingehalten werden.“
Besagtes Schreiben, was erlaubt ist und was nicht, haben im Übrigen alle Mieter der Werkssiedlung erhalten, wie Bürgermeister Peter Kloo auf Anfrage unserer Zeitung erklärt. „Unser Ziel ist ein einheitliches Erscheinungsbild“, betont auch er. „Wir haben die Werkssiedlung für so viele Millionen saniert, da kann es nicht sein, dass einfach ein Hasenstall oder sonst was vor die Fassade gestellt wird.“ Schließlich, ergänzt Kloo, handle es sich um Mietwohnungen, die nun mal von Seiten der Mieter nicht einfach baulich verändert werden dürften.
„Vom Reifenlager bis zur Wellblechhütte.“
Auswüchse, erinnert sich der Bürgermeister, habe es in den vergangenen 25 Jahren schon viele gegeben in der Werkssiedlung – „von der Autoreparatur bis hin zum Reifenlager oder zur Wellblechhütte“. Stets sei man dagegen vorgegangen. Seiner Ansicht nach hilft nur eins, um das bayernweit einmalige Ensemble Werkssiedlung so zu erhalten: „Da müssen wir rigoros sein.“
Doch wie geht es mit Schildkröte & Co. weiter? Paukert will sich sein Paradies nicht nehmen lassen und ist bereits zum Anwalt marschiert. Bürgermeister Kloo äußert sich indes zuversichtlich: „Es wird sich schon ein Kompromiss finden.“ Wie der aussehen wird, bleibt vorerst abzuwarten.